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Region Seelze Nachrichten Honeywell will Jobs abbauen und Millionen investieren
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00:20 27.04.2019
Das Werk von Honeywell vom Turm der Kirche St. Martin aus gesehen.
Das Werk von Honeywell vom Turm der Kirche St. Martin aus gesehen. Quelle: Thomas Tschörner
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Seelze

Bürgermeister Detlef Schallhorn und der Erste Stadtrat Steffen Klingenberg haben am Dienstag mit dem neuen Werksleiter Michael Polzer der Chemiefirma Honeywell gesprochen, die in Seelze bis zu 160 Arbeitsplätze abbauen will. Schallhorn kündigte zudem an, dass in dieser oder nächster Woche auch ein Gespräch mit dem Wirtschaftsministerium geplant ist. „Wir bleiben mit Honeywell in ständigem Kontakt“, sagte der Bürgermeister auf Anfrage der Seelze-Redaktion von HAZ/NP. Grund für die Entlassungen seien geplante Umstrukturierungen. Das Unternehmen habe aber versichert, dass der Standort Seelze auf jeden Fall erhalten bleiben. So seien Investitionen im zweistelligen Millionenbereich in das Werk an der Wunstorfer Straße geplant.

Mitte des Monats hatte Honeywell angekündigt, an der Wunstorfer Straße möglicherweise bis zu 160 Arbeitsplätze abzubauen. Von einem Jobverlust betroffen könnten rund 160 der insgesamt gut 800 Mitarbeiter sein, davon 60 in Vollzeit und 97 in Teilzeit. Als Grund nannte Unternehmenssprecher Matthias Wowtscherk, dass Honeywell die Geschäftsabläufe am Standort Seelze optimieren wolle. Das Werk solle effizienter werden und weiterhin attraktive Arbeitsplätze bieten. Über die Pläne hatte das Unternehmen seine Mitarbeiter am Dienstag, 16. April, informiert und dafür kurzfristig einen vor längerer Zeit vereinbarten Termin mit den Mitgliedern des Seelzer Ratsausschusses für Finanzplanung und Zentrale Dienste (AZD) abgesagt.

Diese Absage hat vor allem für Unmut in Seelzes SPD gesorgt, deren Ortsverein und Ratsfraktion in einer gemeinsamen Erklärung den Abbau von bis zu 160 Arbeitsplätzen ablehnen. „Ein Stellenabbau zu Lasten derjenigen, die sich Tag und Nacht krumm machen für Honeywell und das Beste für ihren Arbeitgeber herausholen, ist weder fair noch nachvollziehbar“, erklärte der SPD-Ortsvereinsvorsitzende Reinhold Heinz. In der Pflicht „einiges zu erläutern“ sieht die SPD nicht nur die Honeywell-Geschäftsführung in Seelze, von der bereits ein Mitglied nicht mehr im Unternehmen ist, sondern auch den Konzern insgesamt. SPD-Fraktionschef Alexander Masthoff kritisiert deshalb die Absage des Treffens von Lokalpolitikern und Unternehmensführung als „umso ärgerlicher und unverständlicher“. Auch vom Rathaus erwartet die SPD ein schnelles Handeln. Schallhorn solle alle Beteiligten und Betroffenen an einen Tisch holen. Dazu gehörten Verwaltungsleitung, Wirtschaftsförderung, Kommunalpolitik, Honeywells Betriebsleitung und Geschäftsführung, aber vor allem auch Betriebsrat und Gewerkschaft.

Diese Aufforderung hält der Bürgermeister für unnötig. „Es ist meine Aufgabe, mich darum zu kümmern.“ Er habe aber Verständnis, dass Honeywell den Termin mit dem AZD abgesagt und an dem Tag lieber zuerst mit den Mitarbeitern des Unternehmens gesprochen habe. Ohnehin sei das Interesse der Kommunalpolitiker nicht so groß gewesen: Von den 13 stimmberechtigten Mitgliedern hätten zur sechs den Termin bestätigt. Jetzt gelte es, den möglichen Stellenabbau so sozialverträglich wie möglich zu gestalten. Wichtig sei auch, den Standort Seelze zu erhalten. Das Unternehmen müsse die Verlustzone verlassen, sagte Schallhorn. Die Stadt werde weiter das Gespräch suchen und auch einen neuen Termin für den AZD vereinbaren.

Von Thomas Tschörner