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Region Seelze Nachrichten Heimatmuseum Seelze zeigt die bunte Welt der Puppenstuben
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18:03 07.11.2019
Gertrud Müllmann (von links), Waltraud Gertz und Heinz Gehrke vor einem Puppenhaus aus England. Quelle: Thomas Tschörner
Seelze

Das Heimatmuseum Seelze eröffnet am Sonntag, 10. November, um 15 Uhr seine neue Sonderausstellung „Bunte Welt der Puppenstuben.“ Präsentiert werden darin etwa 30 Puppenstuben von 1875 bis heute sowie zahlreiches Zubehör. Die Exponate stammen von Gertrud Müllmann, die in Garbsen mit den von ihr und ihrem verstorbenen Mann Johannes gesammelten Schätzen seit 16 Jahren das Puppen- und Spielzeugmuseum betreibt. Die Ausstellung wird bis zum 23. Februar im Heimatmuseum zu sehen sein.

Erste Puppenstuben dienten der Repräsentation

Die ersten Puppenstuben waren nicht zum Spielen gedacht, sagt Müllmann. Reiche Leute ließen ihre Häuser im Kleinformat nachbauen und entsprechend ausstatten. Das älteste bekannte Puppenhaus wurde 1558 für Herzog Albrecht V. von Bayern gebaut, berichtet Museumsleiter Heinz Gehrke. Kunsthandwerker fertigten den fürstlichen Hofstaat in allen Einzelheiten an – ein Kunstwerk und Schaustück, mit dem Albrecht V. zu glänzen gedachte. Gegen Eintritt präsentierte ab 1631 die Nürnbergerin Anna Köferlin ihre Puppenstube als Spiegelbild eines bürgerlichen Haushalts. „Sie wollte damit Geld verdienen und verteilte zu Werbezwecken gedruckte Handzettel.“

Früher wurden Puppenstuben oft selbst gebaut

In den vergangenen Jahrzehnten seien die Puppenstuben meist selbst gebaut worden, sagt Müllmann. In vielen Fällen seien die kleinen Wohnungen dann aufbewahrt worden. Während sich zunächst nur begüterte Familien derartige Spielzeuge leisten konnten, sei die Erfindung der Laubsäge Ende des 19. Jahrhunderts eine Zäsur gewesen, ergänzt Gehrke. Mit dem leicht verfügbaren und preisgünstigen Werkzeug hätten dann auch nicht so betuchte Familien eine Puppenstube anfertigen können. Die Palette reichte dabei von einem Raum über mehrere Zimmer auf einer Ebene bis hin zu mehrgeschossigen Puppenhäusern. Und es stiegen Handwerker in die Produktion ein. „Im Erzgebirge entstand eine große Puppenstubenindustrie“, sagt Gehrke.

Möbel und Zubehör liefern Firmen

Gefragt waren vor allem Möbel und weiteres Zubehör wie Bilder, Lampen und Töpfe, sagt Müllmann. Denn die Eltern bauten in Heimarbeit häufig nur die Räume, die sie dann mit gekauftem Zubehör ausstatteten. „Es gibt kein Spielzeug, welches so lange auf dem Markt ist wie Puppenstuben“, erklärt Müllmann, die mit ihrem Mann eine große Sammlung aufgebaut hat. Seelzes Heimatmuseum zeigt eine breite Palette unterschiedlicher Modelle. Dabei ist unter anderem ein englisches Puppenhaus aber auch eine Stube samt Mobiliar, die von einem deutschen Soldaten des Ersten Weltkrieges in russischer Kriegsgefangenschaft aus dem Holz von Zigarrenkisten gebaut wurde, zu sehen. „Diese brachte er mit nach Hause und übergab sie seiner Tochter“, sagt Waltraud Gertz, stellvertrende Vorsitzende des Museumsvereins.

Garbsenerin Gertrud Müllmann stellt Exponate aus ihrer Sammlung für neue Sonderausstellung im Heimatmuseum zur Verfügung.

Erste Anfragen für Führungen gibt es bereits

Der Museumsverein hoffe nun auf viele Besucher. Positiv sei schon jetzt, dass es viele Anfragen von Alten- und Pflegeheimen für Führungen gebe. Die Ausstellung läuft bis zum 23. Februar. Das Museum an der Hannoverschen Straße 15 ist sonntags von 14.30 bis 17.30 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei. Führungen sind auch an Werktagen möglich und können unter Telefon (0511) 4869551 oder (05137) 9808851 vereinbart werden.

Museumsleiter legt sein Amt nieder

Aus gesundheitlichen Gründen legt Heinz Gehrke sein Amt als ehrenamtlicher Museumsleiter nieder. „Ich werde aber weiter beratend tätig sein“, sagt der 70-Jährige. Auch die laufenden Förderanträge werde er weiterhin bearbeiten. So läuft derzeit ein Antrag beim Wissenschaftsministerium auf Unterstützung des Ausbaus des Dachbodens der Seniorentagesstätte an der Pestalozzistraße in Letter, der von dem Museumsverein als Lager genutzt wird. Geplant sind neben der Dämmung auch der Einbau eines Lastenfahrstuhls. „Es geht um eine Gesamtfläche von 170 Quadratmetern“, sagt Gehrke. Nach der Dämmung blieben dann rund 140 Quadratmeter reine Lagerfläche. Die Kosten werden auf 222.000 Euro kalkuliert. Davon sollen 200.000 Euro vom Ministerium als Förderung übernommen werden, die restlichen 22.000 Euro würde die Stadt tragen. Schließlich diene der Ausbau auch der Unterhaltung und Aufwertung des Gebäudes.

Bis ein neuer Museumsleiter gefunden ist, sollen Teams den größten Teil der anfallenden Arbeit eigenverantwortlich übernehmen und dem Vorstand berichten, sagte Gehrke. Zunächst werde ein kommissarischer Museumsleiter gesucht. Gehrke war 2013 in die Museumsarbeit eingestiegen und hatte das Gütesiegel des Museumsverbandes erarbeitet. Seit 2014 habe er in diversen Seminaren die Kompetenz zur Museumsleitung erworben und im März 2015 die Leitung auch übernommen. „Das habe ich gern gemacht.“ Doch mittlerweile lasse seine Gesundheit die Arbeit nicht mehr zu.

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Von Thomas Tschörner

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