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Region Seelze Nachrichten Grundschüler reisen mit Ibou Ndiaye nach Afrika
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18:51 26.06.2019
Ibou Ndiaye beeindruckt die Grundschüler mit seinen Geschichten. Quelle: Heike Baake
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Dedensen

„Ich habe mir früher immer Sommersprossen gewünscht“, sagte der aus dem Senegal stammende Autor Ibou Ndiaye gleich zu Beginn seiner Lesung vor Grundschülern in Dedensen. Wie er das Problem damals löste und wie seine Mutter auf die aufgemalten Flecken im Gesicht reagierte, brachte die Kinder sofort zum Lachen. Ndiaye verstand es, durch Worte, Gesten und Mimik die Grundschüler, Lehrer und Mitarbeiter der Lesestube zu begeistern.

Der 1963 im Senegal geborene Ndiaye studierte Germanistik, Romanistik und Anglistik in Dakar und Saarbrücken. Das Multitalent begeistert als Autor, Schauspieler, Musiker, Tänzer sowie Geschichtenerzähler und erhielt bereits mehrere Preise in Deutschland, Frankreich und in seiner Heimat. Märchen aus dem Senegal, afrikanische Tiermärchen, aber auch Lieder in Originalsprachen – auch als didaktisches Material für Vor- und Grundschulen – wurden bereits von ihm veröffentlicht.

Gespannt lauschen die Grundschüler den Erzählungen des Autors. Quelle: Heike Baake

Nicht im Kühlschrank geboren

Afrika ist toll, das ist der größte Sandkasten der Welt“, schwärmte Ndiaye und erklärte den jungen Zuhörern, wie angesehen in seiner Heimat Lehrerinnen seien. Auch die Erlebnisse, die der Autor mit dem ersten deutschen Schnee hatte, erheiterte die Anwesenden. „Das erste Mal, als ich ihn sah, dachte ich, ich werde verrückt“, verriet Ndiaye und stellte seine Reaktion am geöffneten Fenster dar. Schließlich sei er ja nicht in einem Kühlschrank geboren, sondern in Afrika. Sein damaliges Telefonat mit seiner Mutter, die ihm riet, sich immer warm anzuziehen, brachte schließlich für ihn die Lösung. Ndiaye verstand es, die einfachsten Dinge den Grundschülern näherzubringen. „Warum bist du nicht wie wir angezogen?“, fragte ein Schüler mit Blick auf die Kleidung des Autors, der trotz Sommerhitze eine lange Hose und ein langärmliges Hemd trug. „Das ist ganz einfach, für mich ist das hier gerade ein Heimspiel, und ich weiß, wie man sich bei Hitze kleidet“, antwortete Ndiaye lachend.

Ibou Ndiaye erzählt aus seiner Heimat. Quelle: Heike Baake

Lego-Steine sind blinde Fische

Der charismatische Autor hatte viel zu erzählen, aus seiner Heimat und von seinen Erlebnissen in Deutschland, wo er bereits seit 32 Jahren lebt. Die ersten Begegnungen mit den blinden Fischen, die ihm als panierte Lego-Steine serviert wurden, oder die afrikanische Begrüßung in der Schule – die Zuhörer konnten nicht aufhören zu lachen. Begeistert sangen sie die afrikanischen Lieder mit und imitierten Ndiayes Bewegungen. Ursula Ernst von der Lesestube bewies mit der Auswahl des Autors ein gutes Händchen für das Besondere. „So ein Wortwitz, musikalisch und sprachlich, ist für die Kinder toll. So wie heute habe ich sie noch nie erlebt“, sagte sie erfreut. Die Finanzierung der Lesung sei möglich mit der Unterstützung des Friedrich-Bödecker-Kreises und des Förderkreises der Grundschule, ergänzte sie. Einmal im Jahr lädt die Lesestube Grundschüler ins Pfarrhaus zu einer Veranstaltung ein und bietet ihnen ein außergewöhnliches Erlebnis.

Von Heike Baake