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Region Seelze Nachrichten Fußgängerampel an der Göxer Straße bekommt Signal für Blinde
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00:21 08.06.2019
„Ich brauche diesen Weg“: Michael Forster muss auf dem Weg in die Seelzer Innenstadt die Göxer Straße überqueren. Quelle: Linda Tonn
Seelze

Wenn Michael Forster die stark befahrene Göxer Straße überqueren will, braucht er Geduld. Der Mann mit der verdunkelten Brille und dem Blindenstock steht an der Fußgängerampel und lauscht auf das Rauschen der Autos. „Ich orientiere mich am Querverkehr“, sagt er. „Nach ein paar Ampelphasen habe ich dann herausgefunden, wann ich Grün habe.“ Einhundertprozentig sicher sei er sich aber nie und so birgt der Weg in die Seelzer Innenstadt für Forster jeden Tag ein Risiko.

Doch das wird sich ändern: Forster hält ein Schreiben der niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau in den Händen. Nach Rücksprache freue man sich, ihm mitteilen zu können, dass die Ampel an der Kreuzung der Göxer Straße und der Wunstorfer Straße eine Zusatzeinrichtung für Blinde und Sehbehinderte bekomme, heißt es darin. Schon im Spätsommer sei mit der Umsetzung zu rechnen.

Brief an Behindertenbeauftragte bringt den Durchbruch

Der Brief markiert das Ende eines jahrelangen Schriftverkehrs zwischen Stadt, Verkehrsministerium und der Landesbehörde für Straßenbau. Forster, der seit 2014 durch eine Krankheit fast vollständig erblindet ist, hat sich an die Stadt Seelze gewandt und um eine Umrüstung der Ampel gebeten. „Fast alle Ampeln im Stadtgebiet haben Signale für blinde und sehbehinderte Fußgänger“, sagt Forster. Nur eben diese nicht. Der Brief wurde an die Landesbehörde weitergeleitet und nichts passierte. Auch nach mehrmaligem Nachfragen habe man ihn immer nur vertröstest, erzählt Forster. Man habe ihm sogar vorgeschlagen, einen anderen Weg in die Stadt zu nehmen. „Das kann doch auch nicht die Lösung sein.“

Im April 2019 schrieb der Seelzer dann an die Landesbeauftragte für Menschen mit Behinderungen, Petra Wontorra. Außerdem wandte er sich an die Polizei Seelze. „Und irgendwie ist jetzt Bewegung in die Sache gekommen“, sagt er. Eigentlich ist die Fußgängerampel an der Göxer Straße sogar schon mit dem gelben Kasten ausgestattet, an dem sich blinde Menschen orientieren können. Aber es gibt weder ein akustisches noch ein Tastsignal, das anzeigt, wenn die Ampel grün ist.

Bislang vibriert der Knopf unten am Drücker nicht, wenn die Ampel auf Grün springt. Quelle: Linda Tonn

Abgesenkte Bordsteine sind ein Problem

„Es ist wichtig, dass die Bedürfnisse von Blinden bei der Gestaltung von Straßen mitgedacht werden“, sagt Forster – auch im Hinblick auf die Neugestaltung der Hannoverschen Straße, die im Juli beginnen soll. Der Seelzer hat die Informationsabende für Bürger besucht und seine Anliegen vorgetragen. „Was davon umgesetzt wird, weiß ich nicht.“ Abgesenkte Bordsteine etwa seien für gehbehinderte Menschen praktisch, „aber ich sehe nicht, wo der Gehweg aufhört und die Fahrbahn anfängt“. In der Straße Am Kreuzweg sei es daher für ihn schon häufig zu brenzligen Situationen gekommen. Es gäbe spezielle Aufmerksamkeitsplatten für Blinde, die in die Fahrbahn eingelassen werden könnten. „Ich bin ruhig und warte ab, was passiert“, so der Seelzer. „Aber ich habe einen langen Atem.“

Da gäbe es zum Beispiel auch noch die Fußgängerampel an der Lindenstraße. Die habe zwar ein Vibrationssignal, sei aber nachts abgeschaltet, sagt Forster. Außerdem sei der Vibrationstaster gestört. „Es ist beabsichtigt, die Betriebszeit an der Lichtsignalanlage L 390/Lindenstraße zu verlängern“, schreibt die Landesbehörde für Straßenbau. Man werde sich mit Forster in Verbindung setzen.

So funktioniert die Blindenampel

Als Blindenampeln werden die gelben Kästen bezeichnet, die in greifbarer Höhe an den Ampelmasten angebracht sind. Laut dem Allgemeinen Blinden- und Sehbehindertenverein (ABSV) gehen viele Fußgänger davon aus, dass eine Ampel mit Knopfdruck schneller auf Grün umschaltet. Das sei aber ein allgemeiner Irrtum. Die Schalter seien nur für blinde oder sehbehinderte Menschen relevant. Es gibt Ampeln, bei denen unterhalb des Kastens ein Knopf vibriert, sobald eine Grünphase beginnt, andere Ampeln haben akustische Signale. Dabei unterscheidet man nach Angaben des ABSV zwischen dem sogenannten Auffindesignal – ein regelmäßiges Klopfen –, das dem Blinden helfen soll, den Ampelmast zu finden, und dem Freigabesignal – ein schnelles Piepen –, das einsetzt, sobald die Ampel grün ist. Die Taste unterhalb des gelben Kastens ist übrigens unterschiedlich gestaltet und zeigt an, ob es auf der Straße eine Verkehrsinsel, eine Straßenbahnschiene, Busspuren oder andere Hürden gibt. ton

Von Linda Tonn

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