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Region Seelze Nachrichten Buch erinnert an Lohndes Rasche-Werft
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18:38 15.08.2019
Die Rasche-Werft in Lohnde im Jahr 1972. Quelle: Stadtarchiv Seelze
Lohnde

Bis Juli 1995 sind in Lohnde Binnenschiffe gebaut und repariert worden. Dann stellte die Rasche-Werft ihren Betrieb in Lohnde wegen der großen Konkurrenz vor allem aus Polen ein. Das Gelände wurde 1996 zu einem Sportboothafen umgestaltet. Das Areal ist bei Freizeitkapitänen beliebt und seit einiger Zeit auch der Heimathafen des Ausflugsschiffes „Wappen von Hannover. In seinem Buch „Die Motorschiffe der Schiffswerft Friedrich Rasche in UffelnVlotho an der Oberweser“ widmet Holger Könemann dem Betrieb in Lohnde ein eigenes Kapitel. Als Mitautor ist Jürgen Schirsching aufgeführt, der über eine umfangreiche Fotosammlung verfügt, einen Bildband über „Schifffahrt auf dem Mittellandkanal“ erarbeitet hat und nach wie vor als Fotograf von Schiffen aktiv ist.

Schriftliche Unterlagen habe es kaum gegeben, sagt Könemann. Geholfen hätten ihm deshalb Gespräche mit Zeitzeugen, darunter Angehörige der Familie Rasche. Zugriff habe er zudem auf die Unterlagen von Adolf Gasde gehabt, der unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg einen Werftbetrieb in Lohnde gegründet hatte, der Anfang der Fünfzigerjahre von den Rasches übernommen wurde. Für Könemann war es nicht zuletzt eine Zeitreise in die Geschichte seiner eigenen Familie.

Autor findet Fotos von Stapelläufen

Denn der 52-jährige Autor, der Schiffbau studierte und auch heute noch in dem Metier tätig ist, stammt aus einer Weser-Schiffer-Familie. „Mein Großvater hatte bei der Rasche-Werft zwei Neubauten machen lassen, und natürlich Umbauten und Reparaturen.“ Seine Familie sei mit Heinrich Rasche gut bekannt gewesen. Weil er als Schüler selbst zeitweise auf den Schiffen seines Vaters arbeitete, habe er sowohl die Werft in Vlotho als auch in Lohnde aus eigener Anschauung gekannt, sagt Könemann. Die Idee zu dem Buch über die Werft sei langsam gewachsen. Zunächst habe er an einer Dokumentation über die Oberweser-Privatschiffer-Vereinigung (OPV) gearbeitet. Dabei sei er auf das Archiv des Fotografen Hans Wagner gestoßen. Zwar sei die Ausbeute in Sachen OPV gering gewesen, dafür habe er etliche Negative von Stapelläufen der Rasche-Werft gefunden. Diese habe er mithilfe seines Vaters älteren Schiffern und Sammlern zuordnen können. Andere Quellen kamen dazu, und schon war Könemann mitten in der Dokumentation. Aus allem entstand ein erstaunlich präzises Bild. Nicht ohne Stolz sagt der Autor, dass er sogar einige Fehler aus der offiziellen Firmenbroschüre der Lohnder Werft korrigieren konnte, die anlässlich des 20-jährigen Bestehens des Betriebes im Jahr 1972 veröffentlicht wurde.

Die Werft in Lohnde war in den Sechzigerjahren mit Neubauten und Reparaturen von Binnenschiffen beschäftigt. Quelle: Stadtarchiv Seelze

Werft hat gute Schiffe gebaut

Mit seinem Buch wolle er an die Leistungsfähigkeit einer ehemaligen familiengeführten Werft erinnern. Gleichzeitig habe er den Werdegang einzelner Schiffe nachgezeichnet. „Viele Schiffe, die ab 1952 auf der Rasche-Werft gebaut wurden, sind noch in Fahrt und zeugen von der hohen Qualität des Schiffbauunternehmens“, schreibt Könemann. Binnenschiffe seien zwar Investitionsgüter mit einer für heutige Verhältnisse extrem langen Lebensdauer, trotzdem hätten sie über die Jahrzehnte mehrfach dem Stand der Technik angepasst werden müssen.

Buch auf eigene Faust verlegt

Könemann sieht seine Arbeit als Hobby und hat deshalb seine Arbeitszeit nicht mitgerechnet. Weil das Thema zu speziell ist, habe er auch keinen Verlag gefunden. „Deshalb habe ich das Buch auf eigene Faust verlegt.“ Um das finanzielle Risiko gering zu halten, habe er lediglich 180 Exemplare drucken lassen. Damit sei er bereits mit mehreren Tausend Euro in Vorleistung gegangen. Umso erfreulicher sei es, dass die gesamte Auflage zum Selbstkostenpreis von 38 Euro pro Buch innerhalb einiger Monate vergriffen gewesen und er ohne finanzielle Verluste geblieben sei. Anfangs sei die Nachfrage etwas schwach gewesen, doch dann habe es sich offenbar herumgesprochen. „Da habe ich anscheinend eine Lücke getroffen.“ Die Käufer seien hauptsächlich in Schifferkreisen zu finden gewesen. Viele ehemalige Schiffer seien inzwischen im Ruhestand zu Hause und freuten sich über ein Stück Lokalgeschichte. Insgesamt habe er viereinhalb bis fünf Jahre an dem Buch gearbeitet, meist in den Wintermonaten.

Die Geschichte der Rasche-Werft

Friedrich Rasche hatte bereits 1879 eine Werft in Uffeln/Vlotho an der Weser gegründet. Nach dem Zweiten Weltkrieg wuchs die Binnenschifffahrt: Der Umschlag wurde beschleunigt, die Schiffe wurden gezielter eingesetzt, und nicht zuletzt wurden immer größere Schiffe benötigt. Der Betrieb in Uffeln lag dafür insgesamt zu ungünstig. Deshalb übernahmen Irmgard und Heinrich Rasche 1952 eine kleine Werft, die Adolf Gasde Ende der Vierzigerjahre gegründet hatte, und bauten sie angesichts der boomenden Binnenschifffahrt immer weiter aus. So wurde 1957 ein Schiffbauhalle errichtet. Ende der Sechzigerjahre wurde zudem die Slipanlage, die Schiffe mit bis zu 40 Metern Länge und 500 Tonnen Tragfähigkeit aus dem Wasser holen und wieder zu Wasser lassen konnte, für Schiffe bis zu 90 Meter und 1800 Tonnen erneuert. Doch in den Achtzigerjahren wurde der Wettbewerb gigantisch, sagt Könemann. Die ersten Werften starben zu diesem Zeitpunkt bereits. „Rasche hat in Lohnde lange durchgehalten.“ Auch viele Schiffer hätten angesichts zu niedriger Frachtraten aufgegeben und sich der günstigeren Konkurrenz vor allem aus Osteuropa geschlagen geben müssen. Dass Binnenschifffahrt besonders umweltfreundlich sei, werde zwar von der Politik anerkannt, sagt Könemann. Gefördert werde die Schifffahrt trotzdem nicht.

Von Thomas Tschörner

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