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Nachrichten Rehses führen Seelzes älteste Gastwirtschaft
Region Seelze Nachrichten Rehses führen Seelzes älteste Gastwirtschaft
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00:27 24.03.2018
Im Seelrer Stadtarchiv befindet sich diese Aufnahme des Gümmerschen Zollkruges von 1930.
Im Seelrer Stadtarchiv befindet sich diese Aufnahme des Gümmerschen Zollkruges von 1930. Quelle: Stadtarchiv Seelze
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Gümmer

Gümmers Zollkrug existiert schon seit 1835. Das ist Rekord in der Stadt, denn damit ist das Traditionslokal Seelzes ältestes Gasthaus. Seit 30 Jahren heißen die Inhaber Ingrid und Werner Rehse, die ihre Gäste mit frisch Gezappftem sowie deutscher Küche verwöhnen. Als Wirt setzt Werner Rehse damit die Tradition des Familienbetriebs in siebter Generation fort, denn er steht mit 64 Jahren weiter hinter dem Zapfhahn. Während seiner Ausbildung in der hannoverschen Landeshauptstadt lernte der angehende Koch Werner Rehse in Kastens Hotel Luisenhof eine patente Auszubildende kennen. Auch Ingrid, im gleichen Alter wie ihr Verehrer,  machte  dort eine Kochlehre nach dem Motto „Gegessen wird immer“. Diese Überzeugung  wurde zum Grundstein ihres gemeinsamen Berufslebens. 

„Wir haben in der Gastronomie einen großen Kulturwandel erklebt“, berichtet Werner Rehse. Angefangen beim Feierabendbier, das sich früher viele Gümmeraner zusammen mit einem kleinen Schnack nach getaner Arbeit  gönnten. Heute sind die Getränke-Favoriten alkoholfrei. „Unser Weizen steht unangefochenten auf Platz eins“, berichtet Ingrid Rehse, dicht gefolgt von Schneiders Weisse.  

Auch beim Essen hat sich im Laufe der Jahrzehnte vieles gewandelt. Weil es für die meisten Menschen alltags schnell gehen soll, machen vor allem die Inhaber von Schnellimbiss-Angeboten guten Umsatz. Doch auch Rehses deutsche Küche erlebt derzeit eine Renaissance, denn hier kommt neben der selbstgemachten Hochzeitssuppe auch das regional rar gewordene hannoversche Zungenragout auf die Speisekarte. Mancher Gast merkt beim Lesen zwar an: „Was andere im Maul hatten, will ich aber nicht essen.“ Doch dann kontert Werner Rehse ganz trocken „ah ja, aber Eier isst Du, ja?“ Auch Currywurst ist in Gümmers Zollkrug ein Renner, „aber dafür muss man eigentlich keine Kochausbildung haben“, findet die Wirtin. Sie hat die herausragende Ahrberg-Qualität in bester Erinnerung. Auch wenn es das hannoversche Fleischverarbeitungsunternehmen leider nicht mehr gibt, entdeckten Rehses eine gute Alternative. Bei manchen Zubereitungsvarianten passten sie sich den Gäste auch an: „Wenn man das Schnitzel paniert, lässt man als Kochprofi die Soße weg. Aber die Zollkrug Gäste wünschen  trotzdem einen ordentlichen Schwung Soßeund bekommen ihn natürlich gern. „Wir nehmen die unterschiedlichen Ansprüche locker, schließlich ist der Gast ist König“, ergänzt Ingrid Rehse, die zusammen mit ihrem Mann an verschiedenen Berufsstationen Erfahrungen sammeln konnte: „Wir haben uns überall was abgeguckt“. So war es 1974 in Deutschland üblich, gleich 14 Tage Harzurlaub, natürlich mit Halbpension, zu machen. Rehses arbeiteten selbst in so einem Hotel, was für sie bedeutete: „Jeden Abend 450 warme Mahleiten auf den Tisch zu bekommen“. Eine große strategische und körperliche Leistung, die sie für ihr eigenen Unternehmen nutzen konnten.

Als Werner Rehse erklärte, dass er am 2. Januar 2018 schließen würde, war das Entsetzen bei den Gästen daher groß. Schließlich ist der Zollkrug unter anderem Vereinsgaststätte vom Gesangsverein Harmonie, DRK, TUS, Schützen und Feuerwehr. Aber ganz im Rehseschen Humorstil, gab der Gastronom Entwarnung, nur ein kurzer Urlaub stand auf dem Programm, ab dem 11. Janaur 2018 war wieder alles  wie immer. Denn Rehses Postkarte mit zahlreichen Veranstaltungsterminen beweist: „Solange wir an unserer Arbeit Freude haben, machen wird den Zollkrug“. Das Osterbuffet ist schon ausgebucht, aber am 1. Mai wird wieder draußen gefeiert, was sich Radfahrer schon mal notieren können. Ansonsten sind Rehses im Schlemmerpass zu finden und Experten für große Feiern, die bis zu 145 Gäste anlässlich von Goldener und Diamantener Konfirmation in ihrem Saal bewirten können. 

Neben Durchhaltevermögen haben Ingrid und Werner Rehse auch den richtigen Riecher bewiesen, beispielsweise als sie seinerzeit auf den kostspieligen Einbau einer Kegelbahn verzichteten. Auch in Sachen Ruhetag gab es Veränderungen. „Meine Eltern hatten Dienstag zu, wir haben am Mittwoch Ruhetag“, berichtet Wertner Rehse. Der stärkste Tag der Woche wechselt ebenfalls. „Zu Zeiten meiner Eltern war das immer der Freitag, heute kann es auch mal ein Montag oder ein Dienstag sein“, ergänzt Werner Rehse. 

Den jeweils schönsten Moment in ihrem Beruf kennen die Wirte vom Zollkrug auch ganz genau: „Wenn wir eine große Feier ausrichten, unser Essen allen geschmeckt hat, und das Gröbste geschafft ist, dann kann man erst mal durchtamen“. Und diesen Moment wollen Ingrid und Werner Rehses noch möglichst häufig erleben. 

Von Patricia Chadde