Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Region Kein Grund für eine Schule?
Region Kein Grund für eine Schule?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:39 24.11.2014
Von Saskia Döhner
„Wir kämpfen um jeden Standort“: Ungewiss ist auch die Zukunft der Grundschule im Neustädter Ortsteil Helstorf. Quelle: Thomas Lunitz
Anzeige
Hannover

Kleine Grundschulen auf dem Land werden sterben.“ Maic Schillack, Schuldezernent in Neustadt am Rübenberge (Region Hannover), sieht angesichts zurückgehender Schülerzahlen keine guten Zukunftschancen für Dorf-Mini-Grundschulen, die weniger als eine Klasse pro Jahrgang haben. Es sei schwer, Nachwuchslehrkräfte für diese Schulen zu finden, geschweige denn einen Rektor: „Mit jeder Pensionierung rückt das Ende der Schule näher, junge Lehrer haben andere pädagogische Visionen.“ An einer Grundschule, die zu klein für eine eigene Klasse pro Jahrgang sei, müsse ein Pädagoge dann zwei Jahrgänge zusammen unterrichten. „Das heißt: Es gibt zwei Lehrer für vier Jahrgänge sowie Pausenaufsicht nonstop. Und fällt mal ein Lehrer wegen Krankheit aus, muss der andere dann vier Jahrgänge auf einmal betreuen.“

Schillack sagt aber auch: „Wir kämpfen um jeden Standort.“ Wie mühsam das ist, hat die Gemeinde in den vergangenen Monaten erlebt - mit Elternmärschen, wütenden Kommunalpolitikern, teils zerstritten in der eigenen Partei, und Bürgerinitiativen, die mit Unterschriftenlisten für den Erhalt ihrer Grundschule im Ort warben. In den Neustädter Ortsteilen Mandelsloh und Helstorf gibt es eine Grundschule mit zwei Standorten, irgendwann wird es nur noch eine geben. Die Frage ist nur wo. Bis Ende des Schuljahres - also Ende Juli 2015 - soll die Entscheidung darüber fallen, bis dahin wird erbittert gestritten.

Anzeige

Die Auflösung einer anderen kleinen Dorfschule hat der Rat der Stadt mit der rot-grünen Mehrheit gerade beschlossen. Die Grundschule Mardorf wird im nächsten Sommer dichtgemacht, die Kinder sollen dann die Grundschule in Schneeren besuchen. Ziel sei es, dass alle Grundschulen in Neustadt künftig mindestens zweizügig sein sollen, heißt es in dem Ratsbeschluss. Gehen nur noch 60 Schüler oder weniger auf eine Grundschule, soll vier Jahre lang die Entwicklung beobachtet und dann über die Zukunft des Standorts entschieden werden.

Die Grundschulen in Niedersachsen werden generell immer kleiner. Schon vor zwei Jahren waren knapp 70 der insgesamt 1780 Grundschulen so klein, dass sie es nicht mehr auf eine Klasse pro Jahrgang brachten. In der Region Hannover gab es im vergangenen Schuljahr drei dieser Mini-Schulen: in Neustadt die Grundschulen in Mardorf und Schneeren und in Pattensen die Leinetalschule. Gemeinden kooperieren zunehmend, wie im Kreis Holzminden, wo das 900-Einwohner-Dorf Heinsen nach 425 Jahren seine Grundschule geschlossen hat und die Kinder jetzt im zwei Kilometer entfernten Polle unterrichtet werden. Dafür gibt es in Heinsen jetzt eine neue hochmoderne Krippe, die auch Familien aus dem umliegenden Orten mitnutzen. Ein Beispiel auch für Neustadt? „So eine Lösung würde ich mir wünschen“, sagt Schillack.

Vor allem in großflächigen Samtgemeinden kämpfen kleine Schulen ums Überleben. In der Wedemark hingegen sei keine der sechs Grundschulen gefährdet, sagt Gemeindesprecher Hinrich Burmeister, selbst die einzügige Schule in Hellendorf nicht.

Während das Umland insgesamt eher mit zurückgehenden Schülerzahlen zu kämpfen hat, platzen in der Stadt Hannover die Grundschulen aus allen Nähten. Bis zum Schuljahr 2016/17 soll die Zahl der Grundschüler nach Berechnung der Stadt von derzeit 16.666 auf fast 18.000 wachsen. Vor allem die Bezirke Vahrenwald/List und die Südstadt sind stark wachsende Stadtteile.

Ob in der Stadt oder auf dem Land, die Leitungsposten an Grundschulen sind mitunter schwer zu besetzen. Anfang des Schuljahres waren in der Region zwölf Schulen ohne Leitung, landesweit waren es 144. Wolfgang Schiecke leitet schon seit Februar die Eichendorffschule in Linden kommissarisch. Dass es auf den Rektorposten nur einen Bewerber gab, nämlich ihn selbst, verwundert ihn nicht sehr. Ein Schulleiter mit mehr als 300 Schülern habe zwar viele Aufgaben, aber keine besonders gute Bezahlung. Seit Jahren kritisiert der Schulleitungsverband, dass es für die meisten Grundschulleiter nur eine monatliche Zulage von 150 Euro gebe.

Heiko Randermann 21.11.2014