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Nachrichten Schmersow öffnet seinen Naturgarten
Region Ronnenberg Nachrichten Schmersow öffnet seinen Naturgarten
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15:15 24.04.2019
Ulrich Schmersow (vorne) informiert die Besucher in seinem Naturgarten in Benthe über die Förderung einer natürlichen Lebensraumentwicklung. Quelle: Ingo Rodriguez
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Benthe
Ulrich Schmersow und Sabine Bahnemann-Schmersow informieren die Besucher in ihrem Naturgarten. Quelle: Ingo Rodriguez

Kleine Schottersteinchen und wild gewachsener Rasen anstatt millimetergenau verlegte Pflastersteine, geschützte Einfluglöcher im Boden für Wildbienen trotz Unebenheiten in der Rasenfläche: Ulrich Schmersow und seine Frau Sabine Bahnemann-Schmersow setzen in ihrem Garten in Benthe auf eine natürliche Entwicklung der Lebenswelt von heimischen Pflanzen und Insekten. Anstatt mühevoll künstliche Hochbeete anzulegen, vertrauen sie auf die Kräfte der Natur und leisten nur in wenigen Ausnahmefällen gezielt Entwicklungshilfe. Wie das funktioniert, darüber haben sich jetzt rund 15 Besucher bei einer Führung im rund 400 Quadratmeter großen Naturgarten des Ehepaares informiert.

Besuchergruppe stellt viele Fragen

Ulrich Schmersow informiert die Besucher über den Naturgarten. Quelle: Ingo Rodriguez

„Ich möchte künftig in meinem Garten auch möglichst viel stehen lassen und viel weniger in die Natur eingreifen“, begründete Merret Gleimann aus Benthe ihren Besuch. Sie gehörte zu einer rund 15-köpfigen Teilnehmergruppe, die gekommen war, um sich in dem auch schon preisgekrönten Garten Tipps zu holen. Großes Interesse weckte vor allem die Frage, was sich zum Anlocken heimischer Wildbienenarten eigne.

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Naturgarten spaltet die Meinungen

Schmersow hatte jede Menge Antworten parat. Der Grünen-Regionsabgeordnete ist gelernter Staudengärtner, Landschaftsökologe, Botaniker und für die Stadt Hannover im Bereich Umweltschutz tätig. Um Wildbienen Nisthilfen zu bieten, hat er nicht nur eine Wand aus gelöcherten Holzstämmen und Betonsteinen vor seinen Garagen eingerichtet. Die Einflugschneisen von Wildbienen hat er auch auf seiner Rasenfläche mit kleinen Holzpfählen markiert. „Damit keine Besucher die kleinen Vulkane zutrampeln und so die Insekten töten“, sagte Schmersow und bat die Besucher um Vorsicht. Er betonte: „Unser Garten spaltet die Geister, weil viele Menschen auf ordentlich gepflegte Flächen setzen und nicht auf das vertrauen, was wächst.“

Offene Pforte zweimal in Ronnenberg

156 Gärten in der Region Hannover – vom kleinen Innenhof über Kleingärten bis zu kleinen Parks – stehen auch in diesem Jahr wieder jedermann für einen Besuch offen. Das Programm „Die offene Pforte“ bietet eine bunte Mischung von Gärten, die Anregung und Inspiration für die Gestaltung des eigenen Gartens geben oder schön anzuschauen sind. Das Programmheft ist kostenlos in allen Regionskommunen erhältlich und im Internet unter hannover.de zu finden. Auch der Garten der Familie Schmersow, Sieben-Trappen-Straße 31, in Benthe ist aufgeführt. Termine gibt es nach telefonischer Vereinbahrung unter (05108) 2410. Als zweiter Ronnenberger Teilnehmer öffnet die Familie Hemmann, Am Teiche 4, in Ronnenberg am Sonntag 12. Mai von 15 bis 18 Uhr und nach telefonischer Vereinbahrung unter (05109) 1217 ihren Garten. Hier ist ein romantischer Rosen- und Staudengarten mit Ein- und Durchblicken auf Teiche, Gemüsebeete und Sitzecken sowie Gehölzraritäten zum Entspannen und Genießen zu bestaunen. uwe

Seine Frau Bahnemann-Schmersow räumte auch unumwunden Folgen der natürlichen Entwicklung heimischer Insekten und Pflanzen ein. Auf dem durch die Umweltverschmutzung in Benthe mit Stickstoff überversorgten Böden sei zum Beispiel auch die Brennnessel sehr verbreitet. „Wir würdigen sie aber als Stickstoffanzeiger und Schmetterlingsnahrung“, sagte die Biologielehrerin und Hobbygärtnerin. Einen ihrer bewussten Eingriffe in die Natur gestand sie auch: „Wir entfernen das Laub aus unserem kleinen Gartenteich, weil das Gewässer sonst zu nährstoffreich werden und umkippen würde“, sagte Bahnemann-Schmersow. Das wiederum würde jedoch die Lurche und einen Frosch gefährden. „Diese Artenvielfalt wollen wir aber nicht verlieren“, begründete sie den Ausnahmefall. Bewusst sei auch der Anteil des Gemüseanbaus klein gehalten. „Die Natur soll sich möglichst viel selbst ordnen“, sagte sie.

Kirche hebt Garten als Teil der Schöpfung hervor

Rund eineinhalb Stunden lang informierte das Ehepaar über seine spezielle Art, den Garten zu großen Teilen der Natur zu überlassen. Die Neuauflage der regelmäßigen Führungen in dem Benther Naturgarten hatte die Kirchengemeinde initiiert. „Weil das Areal durch die natürliche Entwicklung in besonderem Maße Teil der Schöpfung ist“, verriet Schmersow den Hintergrund der Aktion.

Von Ingo Rodriguez