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Nachrichten Offener Mittagstisch der Johannesgemeinde braucht Helfer
Region Ronnenberg Nachrichten Offener Mittagstisch der Johannesgemeinde braucht Helfer
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11:37 22.04.2019
Monika Bartels (von links), Lisa Kleindopff und Roswitha Adam teilen Suppe aus. Quelle: Lisa Malecha
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Empelde

Seit zwölf Jahren können alle Interessierten zwei Mal die Woche gemeinsam in der Johanneskirchengemeinde essen – für nur 1 Euro. Das Konzept hat Erfolg: Seit 2007 ist der „offene Mittagstisch für Jung und Alt“ eine beliebte Anlaufstelle für Menschen jeden Alters: Senioren, die die Gesellschaft bei einem frisch gekochten Mittagessen genießen, Kindergartenkinder, die mit einer warmen Mahlzeit versorgt werden, aber auch deren Mütter und Väter sind dabei.

„Eine Zeit lang kamen auch Konfirmanden vor ihrem Unterricht hier essen“, sagt Pastorin Marion Klies. „Wir haben auch Kindergartenkinder versorgt, hatten eine Zeit lang sogar ein Spieleangbot für die Jungen und Mädchen.“ Denn das besondere am Mittagstisch: Das Angebot der Johanneskirchengemeinde, das von Anfang an ein ökumenisches Projekt ist, steht allen Menschen offen. „Niemand wird nach seiner Bedürftigkeit gefragt, denn wie will man die Bedürftigkeit nach sozialen Kontakten abfragen?“, sagt Klies. Bedürftigkeit sei keinesfalls nur an materiellen Dingen zu messen. Der Mittagstisch schützt auch vor Einsamkeit. „Es geht uns auch um das Soziale, hier wird gemeinsam gegessen, man spricht miteinander.“

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Die ehrenamtlichen Helfer vom Mittagstisch suchen Unterstützer. Quelle: Lisa Malecha

Ohne Ehrenamtliche Helfer funktioniert das Projekt nicht. Jeweils drei Personen müssen bei jedem Mittagstisch aushelfen – zwei in der Küche und eine bei der Bedienung. Die Frauenrunde stellen den Ablauf der Essenausgabe sicher – und zwar das ganze Jahr über. Denn nur im Sommer und zu Weihnachten wird der Mittagstisch kurzzeitig nicht angeboten. Sie decken die Tische im Gemeindesaal, dekorieren den Raum, bereiten die Gemeindeküche vor, nehmen das Essen im Empfang, singen zur Eröffnung mit den Besuchern ein Lied oder beten mit ihnen. Zudem teilen sie das Essen aus: 15 bis 20 Essen werden täglich verteilt.

Das ist der Mittagstisch

Die ersten drei Jahre wurde der Mittagstisch von der evangelisch-lutherischen Landeskirche finanziell unterstützt. Die Aktion steht nun aber seit etlichen Jahren „auf eigenen Beinen“ – Dank zahlreicher Spender. Denn ein Essen kostet in der Anschaffung und Zubereitung 3,50 Euro – im Verkauf aber nur 1 Euro für Erwachsene und 50 Cent für Kinder. Geliefert wird es von der Küche der Jugendwerkstatt Roter Faden in Empelde, die den Mittagstisch jeweils donnerstags mit einem vegetarischen Gericht versorgt – ein Mal im Monat wird aber auch Fleisch gereicht. Am Dienstag kommt das Essen dann aus der Fleischerei Knigge aus Ronnenberg. Dann gibt es jeweils Eintopf oder Suppe. An beiden Tagen der Woche wird von 12.30 bis 14 Uhr gemeinsam in den Räumen an der Hallerstraße gegessen. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Was man mitbringen muss? „Spaß an der Gemeinschaft“, sagt Klies. Doch es geht auch um mehr: Gern wird mit den Gästen geklönt, Probleme werden besprochen, es wird einfach Anteil an ihrem Leben genommen. „Wir sind für die Gäste auch Vertrauenspersonen“, sagt die Pastorin. Doch die Helferinnen sind fast alle schon seit Jahren dabei, viele von ihnen sind mittlerweile über 80 Jahre alt. „Wir brauchen unbedingt Verstärkung“, sagt daher Klies, die sich wünscht, dass sich das Team etwas verjüngt.

Ruth Stümpel (links) und Gitta Borchert helfen gerne beim Mittagstisch. Quelle: Lisa Malecha

Und das Helfen mache auch noch Spaß, betont Roswitha Adam, die seit fast zehn Jahren dabei ist. „Man kommt unter Leute, hat Kontakt zu Menschen, die man sonst eher nicht treffen würde.“ Dem stimmt auch Ruth Stümpel zu. Die 87-Jährige ist von Anfang an mit dabei. „Nachdem mein Mann verstorben war, habe ich von dem Projekt gehört und war sofort engagiert“, sagt sie. „Ich musste einfach unter Leute.“ Sie habe einen wichtigen Tipp für die Helfer: „Setzt euch zu den Leuten hin, sprecht sie an.“ Denn ihrer Erfahrung nach wollen gerade die älteren Besucher angesprochen werden. „Das ging mir ja auch so“, sagt sie und hofft, dass der Mittagstisch dank engagierter Helfer noch viele Jahre für alle Menschen, die ihn benötigen, da ist.

Ehrenamtliche wollen mit Aktion neue Helfer werben

Um neue Helfer zu gewinnen, wird es am Dienstag, 30. April, eine Aktion geben, bei der Interessierte den Mittagstisch kennenlernen können – und sich im Idealfall dann auch dort engagieren. Los geht es um 12.30 Uhr in dem Saal im Gemeindehaus an der Hallerstraße. Es gibt eine kleine Überraschung. Zudem bekommt jeder, der sich engagieren möchte, ein kleines Geschenk.

Marion Klies betont, dass die Ehrenamtlichen keinesfalls zwei Mal die Woche aushelfen müssen. „Je mehr wir sind, desto weniger Arbeit ist es für jeden einzelnen“, sagt sie. Man könne auch ein Mal im Monat aushelfen. Die Ehrenamtlichen beginnen bereits gegen 12 Uhr, nach dem Ende des Mittagstischs sitzen sie meist noch zusammen und Essen gemeinsam.

Von Lisa Malecha