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Region Ronnenberg Nachrichten Ronnenberg bekommt neue Stolpersteine
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00:17 08.06.2019
Wolfgang Walther (von links), Christiane Buddenberg-Hertel und Peter Hertel zeigen die Orte, wo am 23. November die Stolpersteine für die aus Ronnenberg vertriebenen Juden verlegt werden. Quelle: Heidi Rabenhorst
Ronnenberg

Rund 14 Jahre ist es jetzt her, dass die ersten drei Stolpersteine in der Region Hannover gesetzt wurden – das geschah am 9. Mai 2005 in Ronnenberg. Die Pflastersteine mit gravierter Messingplatte liegen auf dem Gehweg vor zwei Häusern, in denen einst jüdische Mitbürger wohnten. Diese wurden während der Nazi-Diktatur in Auschwitz und Theresienstadt ermordet. Die Stolpersteine für die im Holocaust ermordeten Juden Max und Rosie Seligmann sowie Lina Cohen sind auf Initiative des damaligen Ronnenberger Bürgermeisters Wolfgang Walther verlegt worden. Jetzt sollen weitere der Stolpersteine hinzukommen, die mittlerweile in Berlin gefertigt werden.

Überlebende wünschen sich weitere Stolpersteine

Das Ehepaar Christiane Buddenberg-Hertel und Peter Hertel setzt sich seit Jahren für die vertriebenen Ronnenberger Juden ein. Auf eigene Kosten reisten die beiden zwischen März 2018 und Februar 2019 nach Brasilien, Israel und Amerika und trafen dort die Ronnenberger Holocaust-Überlebenden und deren Angehörige.

Ursula Seligmann-Löwenstein erinnert sich bei Betrachtung der jüdischen Häuser in dem Buch "Die Juden von Ronnenberg" an ihre Kindheit und Jugend in Ronnenberg. Quelle: privat

Die gebürtigen Ronnenberger Ursula Seligmann-Löwenstein (Jerusalem, 96 Jahre), Heinz Seligmann (Rio de Janeiro, 105 Jahre) und Fritz Cohen (Chicago, 97 Jahre) haben gemeinsam mit ihren Familien den Wunsch geäußert, dass in ihrem Heimatort weitere Stolpersteine verlegt werden sollen. „Ich würde mich freuen, wenn auch meine Familie, die aus Ronnenberg vertrieben worden ist, sowie weitere jüdische Ronnenberger, die das gleiche Schicksal erlitten haben, Stolpersteine vor ihren ehemaligen Wohnhäusern erhalten“, teilte Seligmann-Löwenstein schriftlich mit. Gedacht werden soll der Familien Iwan Cohen, Franz Seligmann, Harry Seligmann, Siegfried Seligmann und Julius Philippsohn.

Kleine Tafeln erinnern an Nazi-Opfer

Stolpersteine sind Betonsteine, die vom Kölner Künstler Gunter Demnig erfunden worden sind. Auf ihrer Oberseite befindet sich eine individuell beschriftete Messingplatte. Diese kleinen Gedenktafeln erinnern in der Regel an Menschen, die im Nazi-Terror deportiert und ermordet oder vertrieben wurden. Sie werden jeweils vor den letzten, frei gewählten Wohnhäusern der NS-Opfer in das Pflaster beziehungsweise in den Belag des jeweiligen Gehwegs eingelassen.

Der Wunsch wurde an den Förderverein Erinnerungsarbeit Ronnenberg (FER) herangetragen. „Seit kurzem wissen wir, dass die Stolpersteine noch in diesem Jahr eingesetzt werden“, verkündete nun FER-Projektkoordinator Wolfgang Walther. Im November sollen diese Erinnerungen an 22 aus Ronnenberg vertriebene Juden verlegt werden, die zwischen 1937 und 1939 im Naziterror ins Ausland flüchten mussten. Die Aktion beginnt um 11 Uhr an der Empelder Straße 1a, dem letzten Wohnort von Julius Philippson in Ronnenberg, und soll gegen 14.30 Uhr in der Velsterstraße 2, der heutigen Verwaltungsnebenstelle in der Kernstadt, enden, wo einst Siegfried Seligmann wohnte.

Angehörige aus den USA wollen anreisen

Hertel kündigte an, dass zur Verlegung der Stolpersteine auch jüdische Gäste erwartet werden. Inzwischen haben bereits Jeffrey Seligman aus Tucson, Elizabeth Cohen aus Chicago sowie Evelyn Platschek-Baron und ihr Sohn Daniel Platschek ihr Kommen angesagt. Außerdem werden auch Verwandte von Julius Philippsohn aus Hannover dabei sein.

Das erlösende Telegramm-Original aus den USA, mit dem der Familie 1941 die Ausreise-Visa angekündigt wurden. Quelle: privat

Von ihren Reisen brachte Familie Hertel zahlreiche Dokumente und Bilder mit. Dazu zählt die auf aramäisch und deutsch verfasste Heiratsurkunde von Siegfried und Alma Seligmann, die in der Velsterstraße 2 gewohnt haben. Einige Erinnerungsstücke hatte Ursula Seligmann-Löwenstein bereits an das Holocaust-Museum in Washington gespendet. Allerdings wurden den Hertels Kopien der Dokumente ausgehändigt.

Erste Stolpersteine der Region liegen in Ronnenberg

Die Stadt Ronnenberg hat im Jahr 2005 – damals als erste Kommune in der Region Hannover – drei Stolpersteine verlegt. Seinerzeit wurden für die ehemaligen jüdischen Ronnenberger Rosie Seligmann, Lina Cohen und Max Seligmann Stolpersteine in das Pflaster gelegt. Allegemein wurden Stolpersteine zunächst für die im Holocaust Ermordeten verlegt. Inzwischen ist das Projekt auf jüdische Bürger Ronnenbergs, die von den Nationalsozialisten aus ihren Häusern vertrieben wurden, erweitert worden. Die neuen Steine sollen an folgenden Adresse verlegt werden: Empelder Straße 1a und 2, Velsterstraße 2, Lange Reihe 11, Über den Beeken 15 und Benther Straße 8.

Die drei Holocaust-Überlebenden erzählten darüber hinaus über ihre Kindheit und Jugend in Ronnenberg, die Vertreibung und Flucht im Naziterror, sowie über den schwierigen Existenzaufbau in den Aufnahmeländern. Die umfangreichen Video-Interviews werden nun von Christiane Buddenberg-Hertel in kurze thematische Abschnitte eingeteilt und sollen später veröffentlicht werden. „Die Filme können in Schulen und NS-Gedenkstätten gezeigt werden“, erklärt sie.

Mit der Verlegung der Stolpersteine ist in Ronnenberg eine Bürgerbewegung entstanden, die sich dem Gedenken an Juden und Zwangsarbeiter widmet. Seit 2005 haben Bürger – teils in Kooperation mit der Stadt – Kulturabende durchgeführt, CDs und Bücher herausgebracht sowie Ausstellungen erarbeitet und organisiert. 2014 gründete sich der gemeinnützige Förderverein Erinnerungsarbeit Ronnenberg. Er ist über Ronnenberg hinaus tätig und hat auch auswärtige Mitglieder. Ehrenvorsitzender ist Ronnenbergs Ehrenbürger, der 97-jährige in West-Lafayette lebende Fritz Cohen.

Heiratsurkunde von Siegfried und Alma Seligmann auf aramäisch. Quelle: privat

Der Förderverein plant für die feierliche Zeremonie am 23. November ein Rahmenprogramm. „Da die jüdischen Gäste weitgehend nicht deutsch sprechen, soll im Mittelpunkt einer Begegnung mit der Ronnenberger Bevölkerung ein Konzert stehen“, kündigt Hertel an. Das Gernsheim-Duo mit Anna Gann (Sopran) und Naoko Christ-Kato (Klavier) trägt Lieder von jüdischen Komponisten des 19. und 20. Jahrhunderts vor. Sopranistin Gann ist eine gebürtige Ronnenbergerin und Mitbegründerin des Fördervereins Erinnerungsarbeit Ronnenberg.

Über die jüdische Geschichte in Ronnenberg und die Stolpersteinverlegung gibt der Verein darüber hinaus eine zweisprachige rund 50-seitige Broschüre heraus.

Von Ann Kathrin Wucherpfennig und Heidi Rabenhorst

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