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Region Ronnenberg Nachrichten Julia Böbel kämpft um das Image der Metzgerei
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12:07 24.08.2018
Auch das reine Handwerk gehört zu dualen Ausbildung von Julia Böbel im Meisterbetrieb Scheller. Quelle: Uwe Kranz
Empelde

Julia Böbel kämpft einen täglichen Kampf. Es geht um ihre Herkunft, um ihren Beruf –und um ihre Zukunft. Die 19-Jährige aus Mittelfranken versucht das Bild des „blutverschmierten Metzgers“ aus der Welt zu schaffen, wie sie sagt. Ein Bild, dass sich selbst in den Köpfen ihrer Freunde festgesetzt hat. Und das, obwohl diese ihre Herkunft aus einer renommierten Fleischerfamilie im kleinen Rittersbach, südlich von Nürnberg, kennen.

Jetzt hat Böbel eine weitere Vorreiterrolle übernommen. Erstmals in Deutschland absolviert sie eine Duale Ausbildung, in der ein Bachelor-Studium Lebensmittelhandwerk mit einer Ausbildung zur Fleischerin kombiniert wird. Die Möglichkeit dazu hat sie im Betrieb von Carsten Scheller in Empelde erhalten. Ihr Pioniergeist bringt allerdings auch Probleme mit sich. „Es gibt zum Beispiel noch keine Formulare zur Anmeldung an der Berufsschule oder bei der Berufsgenossenschaft“, erzählt Scheller und fügt mit einem Augenzwinkern hinzu: „Vielleicht machen wir hier sogar etwas Illegales.“

In jedem Fall etwas Neues. Und neu sind auch viele Eindrücke, die Julia Böbel bei vier Auslandsaufenthalten innerhalb eines Jahres in den USA, Rumänien, der Schweiz und in Irland bei anderen Lebensmittelbetrieben gesammelt hat. „Ich will von ihr auch Dinge erfahren, die sie dort kennengelernt hat“, erklärt Scheller die Win-win-Situation für Chef und Auszubildende.

Mit dieser Vorgeschichte ist es für die junge Frau auch nicht belastend, dass ihr Ausbildungsort mehr als 500 Kilometer von zu Hause entfernt liegt. „Man lernt mehr, wenn man nicht zu Hause ist“, stellt sie in ihrem sympatischen fränkischen Akzent nüchtern fest. Allerdings ist Julia Böbel auch nicht ins kalte Wasser gesprungen. Scheller und und ihr Vater sind Mitglieder in einer Gemeinschaft von bundesweit 40 bis 50 im Internet gut vernetzten Metzgermeister. „Ihr Vater ist der Internetmetzger par excellence“, sagt der Empelder Fleischer über seinen Kollegen.

Beide Betriebe setzen auch auf Innovation. So bietet Scheller eine Kundenwurstschule an, in der er Kleingruppen „das zeigt, was wir in unserem Betrieb machen“. Allerdings sind diese Kurse bereits bis Mitte nächsten Jahres ausgebucht. Böbels elterlicher Betrieb in Bayern eröffnet im September ein themenbezogenes Bratwürstchen Hotel. Die Aussicht, diesen später einmal zu übernehmen ist ein weiteres Motiv für ihr starkes Engagement in Sachen Metzgerei. Schon heute leuchten ihre Augen merklich auf, wenn sie von Bratwürsten spricht.

Gute Auszubildende sind zu finden

Seit 15 Jahren bildet Carsten Scheller in seinem Unternehmen aus. Mit gutem Erfolg, wie er meint. „Alle haben ihre Prüfung mindestens mit gut bestanden“, sagt er. Darunter seien aber auch regelmäßig Prüfungsbeste, Regionsbeste und sogar Landessieger gewesen. In einer Zeit, in der viele über die Schwierigkeiten Auszubildende zu bekommen und deren mangelhaften Voraussetzungen mecker, will der Metzgermeister eine Lanze für eine qualitativ hochwertige Ausbildung brechen. Allerdings räumt auch er ein, es gäbe unter den Bewerbern heutzutage nur noch „Topleute, die genau wissen, was sie wollen – oder Schnarchnasen“. Sich an Letzteren zu orientieren, und das Niveau ständig nach unten zu korrigieren, hält er jedoch für falsch. „Die Anforderungen müssen hoch sein“, sagt er, als Aushängeschild des Handwerks und damit sei einen Unterschied zur Industrie darstellen.

Vier Tage in der Woche betriebliche Ausbildung, dazu einen Tag Berufsschule – das Studium absolviert sie an der Hochschule im bayerischen Weihenstephan-Triesdorf. Und trotzdem bleibt ihr noch Zeit, weiter für ihre Passion ins Feld zu ziehen: Ab September startet Julia Böbel ihren Internblog wurstjuly.de, mit dem sie ihre duale Ausbildung online begleitet. Damit will sie vor allem auf die Möglichkeit einer Verknüpften Ausbildung im Handwerk aufmerksam machen. „Ich schreibe aber nicht nur über die Tätigkeiten im Beruf und den Verlauf des Studiums, sondern werde ab und an auch einige Rezepte und Ideen einfließen lassen“, verspricht sie.

Von Uwe Kranz

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