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Region Ronnenberg Nachrichten Drei Minuten pro Schüler sind zu wenig
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13:45 23.01.2019
Drei Minuten Sprachförderung pro Kind wird dem Bedarf an der Theosdor-Heuss-Schule nicht gerecht.
Drei Minuten Sprachförderung pro Kind wird dem Bedarf an der Theosdor-Heuss-Schule nicht gerecht. Quelle: dpa
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Empelde

Die Entscheidung des Kultusministerium hat für Verstimmung in der Theodor-Heuss-Schule gesorgt. Der Empelder Grundschule hatte einen Bedarf von 104 Unterrichtsstunden zur Sprachförderung beantragt. Genehmigt wurden der Schule nur 32 – verbunden mit dem Hinweis, man solle doch stattdessen sprachsensiblen Unterricht anbieten.

„Das ärgert mich für unser gesamtes Kollegium. Uns fehlt da die entgegengebrachte Wertschätzung“, sagt Schulleiterin Andrea Schirmacher. Auch Forderung und Wortlaut des Ministeriums gefallen ihr gar nicht. „Das klingt so, als wenn wir überhaupt nichts tun. Wir machen seit Jahren sprachsensiblen Unterricht.“

Und das war der Anstoß

Elternvertreter der Theodor-Heuss-Grundschule hatten dagegen protestiert, dass Kinder nichtdeutscher Herkunft zu wenig Sprachförderung erhalten. Diese Initiative rief die Grünen im niedersächsischen Landtag auf den Plan. In einer Anfrage an die Landesregierung wollte die Partei wissen, warum die Landesschulbehörde nur 32 Stunden genehmigt hat – obwohl sich der Antrag der Schule auf 104 Stunden belief. Die Landesregierung führte aus, dass in Regelklassen am besten gelernt werden könne und die Lehrer den normalen Stoff unterrichten, sich aber möglichst einfach ausdrücken sollten – mit einem „durchgängig sprachsensiblen Unterricht“, so der Wortlaut, der in der Grundschule auf Unverständnis stieß. hg

Zum 1. August 2018 wurden der Schule 32 Unterrichtsstunden pro Woche zur Sprachförderung zugesagt, um damit die insgesamt 19 Klassen (vierzügig in der ersten Klasse, jeweils fünfzügig in den weiteren Jahrgängen) abzudecken. Damit kann die Schule dem Bedarf aber bei weitem nicht gerecht werden. Denn davon entfallen bereits 30 Stunden für Schüler der Klassen zwei bis vier. Es verbleiben zwei Stunden für 29 Erstklässler. „Und bei 29 Schüler mit wöchentlich 90 Minuten sind das drei Minuten pro Schüler – so lässt sich keine Sprachförderung betreiben“, sagt Schirmacher.

Die gewünschte Anzahl der Stunden habe man sich auch nicht ausgedacht, „sondern wir haben unsere Schüler getestet und dann den Bedarf beantragt“, berichtet die Schulleiterin. Die nackten Zahlen: 387 Kinder werden derzeit an der Grundschule unterrichtet. Davon benötigen 243 Schüler – 56 deutscher und 187 nichtdeutscher Herkunft – eine Sprachförderung.

Wie geht die Schule nun mit der Situation um? Es wird viel mit Materialen gearbeitet, mit Bildern und das alles in sachkundlichem Unterricht – auch in Gruppen, in denen Sprachlernkinder integriert sind. Ein Beispiel: Der Torso des Menschen ist Teil des Unterrichts. Hier lassen sich genauso Begriffe, die auch die Kinder mit Deutsch als Muttersprache nicht kennen können, beibringen. Auch im Werken oder Sport wird der Unterricht für den Lernprozess deutscher Wörter und sprachlicher Zusammenhänge genutzt. Die Namen von Werkzeugen und Materialen lassen sich somit verinnerlichen, im Sport gehören Vokabeln wie „schnell“, „langsam“, „links“ oder „rechts“ zur Basissprache.

Von Stephan Hartung