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Region Ronnenberg Nachrichten Vor den Firmen kommen die Archäologen
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08:00 30.08.2019
Attila Kis untersucht mit der Schaufel die unteren Erdschichten, die der Bagger freigelegt hat. Quelle: Uwe Kranz
Ronnenberg

Ein bisschen sieht es auf den ersten Blick aus wie ein Schildbürgerstreich. Ein Bagger zieht einen Graben durch einen Acker, um ihn danach gleich wieder zuzuschaufeln. Das, was Attila Kis und seine Mitarbeiter derzeit in Ronnenberg im Bereich hinter der Straßenmeisterei betreiben, ist allerdings alles andere als Quatsch oder Beschäftigungstherapie. Sie arbeiten für die Firma Archaeofirm aus Isernhagen und untersuchen die Fläche des geplanten Gewerbegebietes Ronnenberg Nordost auf archäologisch interessante Funde.

Bislang war die Suche erfolglos. Auf zwei kleineren Teilflächen hatten sie im vorgesehenen Untersuchungsabstand von 30 Metern rund 70 Zentimeter tiefe parallele Gräben gezogen. „Die obere Schicht von 30 bis 40 Zentimetern besteht aus Mutterboden“, erklärt Kis, dann werden weitere 30 Zentimeter Boden abgetragen. Direkt am Feldweg zur Bundesstraße 217 ist alles anders. Dort muss der Bagger tiefer ansetzen, um in die richtigen Schichten vorzudringen. Möglicherweise habe es hier eine Senke gegeben, die zur besseren Bearbeitung aufgeschüttet worden sei, vermutet Kis.

Verdachtspunkte für Blindgänger bestätigen sich nicht

Die Suche ist Grundlage für das letzte Fachgutachten, das die Stadt Ronnenberg gemeinsam mit dem Vermarktungspartner, der Hannover Region Grundstücksgesellschaft (HRG), in Auftrag geben musste. Zunächst hatte sich der Kampfmittelbeseitigungsdienst das Feld vorgenommen. „Es gab einige Verdachtspunkte, die als Bombentrichter identifiziert worden waren“, sagt Wolfgang Zehler, der den zuständigen Fachbereich der Stadt leitet. Bei der Sondierung wurden allerdings keine Hinweise auf Blindgänger gefunden. Bei einer weiteren Begutachtung wurden auch keine besonders schützenswerten Tierarten auf den Feldern entdeckt. „Ohne die Prüfungen hätten die Archäologen das Feld nicht betreten dürfen“, sagt Zehler.

In brennender Hitze steht Kis in dem fast vier Meter breiten Graben. Aber keine Spur von der Sisyphusarbeit mit Löffelchen und Pinsel, deren Mythos seinen Berufsstand umgibt. Noch nicht. Mit einer Schaufel bearbeitet er Stellen, die ihm nach der Freilegung durch den Bagger möglicherweise nicht ganz eindeutig erscheinen. Er sucht nach auffälligen Verfärbungen, die im Boden von Bauwerken selbst dann zurückbleiben, wenn die Bausubstanz aus Holz längst vergangen ist. „Niemand verfüllt diese Stellen mit gewachsenem Boden“, erklärt der Fachmann. Meist sind diese als dunkle Muster zu erkennen.

Die Archäologen suchen Verfärbungen im Boden wie diese Linien. Hier handelt es sich allerdings nur um ein tiefer gelegenes Drainagerohr. Quelle: Uwe Kranz

Doch die einzigen dunklen Linien, die Kis bislang im gelblichen Boden entdeckt hat, stammen von tief im Boden verlegten Drainagerohren. Mit besonderer Sorgfalt müssen die Archäologen vorgehen, um Schäden zu vermeiden. „Es gibt keine Pläne, wo diese Rohre verlegt sind“, sagt Kis.

Aber auch rund um Siedlungsorte zu erwartende Scherben oder Überbleibsel von Gebrauchsgegenständen aus der Frühzeit sind auf diesem Feld Fehlanzeige. Die Erfolgsaussichten für das Archäologenteam schwinden mit jedem neuen Graben, der ohne Befund wieder geschlossen werden muss. Kis trägt es mit Fassung. „Das kommt schon mal vor“, sagt er. Bei seinem bislang letzten Einsatz in Wunstorf sei es ähnlich gewesen. In Rethen habe er dagegen eine Siedlung entdeckt. Die Arbeiten dort zogen sich über elf Monate hin.

Ein Fund würde die Erschließung verzögern

Sollte Kis doch noch auf einen Fund stoßen, würde dies die weitere Erschließung der Gewerbegebietes verzögern. Die Funde müssten fotografiert und dokumentiert werden. Als Untere Denkmalschutzbehörde könnte dann die Stadt Ronnenberg nicht allein über eine Fortsetzung entscheiden und müsste auf ein Urteil des Niedersächsischen Landesamtes warten.

Kein Wunder also, dass Zehler und seine Mitarbeiterin Angela Meyer-Everloh auf eine erfolglose Suche hoffen. Schließlich müssen sie auch noch ein Verkehrsgutachten für das neue Gewerbegebiet beibringen und ein Entwässerungskonzept erstellen. In rund zwölf Monaten – so die Hoffnung der Verwaltung – soll die Erschließung des Gebietes beginnen. „Nach der nächsten Ernte“, sagt Meyer-Everloh, so laute die Absprache mit den Landwirten.

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Von Uwe Kranz

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