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Nachrichten Frau randaliert nackt und betrunken am Marktplatz
Region Pattensen Nachrichten Frau randaliert nackt und betrunken am Marktplatz
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00:19 29.03.2019
Das Amtsgericht Springe stellt das Verfahren gegen die Frau aus Pattensen ein. Quelle: Andreas Zimmer
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Pattensen/Springe

Mit einem Atemalkoholpegel von 2,6 Promille und splitterfasernackt wurde eine 42-jährige Pattenserin im vergangenen Sommer in der Altstadt von Polizeibeamten angetroffen. Weil die Frau eine Beamtin mit ihrem Schlüsselbund attackierte und vielfach beleidigte, musste sie sich jetzt vor dem Amtsgericht Springe verantworten.

„Ich war auf einem ganz schlimmen Trip“, berichtete die Angeklagte jetzt vor Gericht von jener Nacht, die sie zwar noch heute als „Horror“ empfand, an die sie sich aber kaum mehr erinnern konnte. Aus persönlichen Gründen hatte sie sehr viel Alkohol getrunken, als sie sich in einem Restaurant in der Altstadt aufhielt. Dann soll sie Gäste belästigt haben: Sie fasste in deren Essen, schlug einem Gast ins Gesicht und begann, sich auszuziehen. Der Gastwirt setzt die Frau vor die Tür und alarmierte die Polizei. Zwei Beamte fanden die Frau dann völlig entblößt und klitschnass vor dem Restaurant am Marktplatz neben einem Brunnen.

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Notdürftig bekleidet im Streifenwagen

„Ich habe der Frau eine Decke übergelegt und mich um sie gekümmert“, berichtete die Polizistin in ihrer Zeugenaussage vor Gericht. Zwar riss sich die 42-Jährige die Bedeckung immer wieder ab und wollte auch die Zuwendung der Beamtin nicht. Letztlich gelang es aber doch, die Frau notdürftig anzukleiden und in den Streifenwagen zu bugsieren. Auch ihre Adresse fand die Polizei schließlich heraus. Die Beamtin setzte sich zu der 42-Jährigen auf die Rückbank, ihr Kollege steuerte.

Während der Fahrt habe die Frau dann angefangen zu randalieren und versucht, ihr ein Schlüsselbund an den Kopf zu werfen und sie „durchbeleidigt“, berichtete die Polizistin. Dann habe sich die Frau ihre Fingerringe abgezogen und in die Lüftungsschlitze des Autos geworfen. Offenbar hatte es vorher einen Beziehungsstreit gegeben. Die Polizisten musste sich abschnallen und fixierte die Frau schließlich mit Handschellen, um sie ruhig zu stellen. Die Polizisten rief dann einen Krankenwagen, die Frau wurde in ein Krankenhaus gebracht. Dort wurde ein pathologischer Alkoholrausch diagnostiziert.

„Ich habe mich bedroht gefühlt und mich deshalb gewehrt“, erzählte die Angeklagte. Sie habe geglaubt, dass die Polizisten nicht echt waren und sie überfallen werde. Das liege sicherlich an den vielen TV-Filmen, in denen derartige Szenerien gezeigt würden.

Bei Restaurantbesitzer und Polizeibeamtin entschuldigt

Sowohl bei der Polizei als auch bei dem Restaurantbesitzer und seinen Gästen hat sich die Pattenserin wenige Tage nach diesem Vorfall in einem Brief entschuldigt. Das tat sie auch noch einmal persönlich während der Verhandlung bei der Polizistin. Die Frau berichtete, an Depressionen zu leiden und sich bald einer entsprechenden Behandlung zu unterziehen.

Das Gericht stellte das Verfahren gegen die Frau ein. Sie muss aber einen Nachweis erbringen, dass sie tatsächlich eine therapeutische Maßnahme absolviert hat.

Von Annegret Brinkmann-Thies