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Region Pattensen Nachrichten Mirjam Gerull ist die neue Leiterin der KGS Pattensen
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18:01 15.08.2019
Keine Angst vor Herausforderungen: Mirjam Gerull will den gesellschaftlichen Wandel in der digitalen Welt mitgestalten. Quelle: Foto: Tobias Lehmann
Pattensen

Die 34-jährige Mirjam Gerull ist die neue Leiterin der Ernst-Reuter-Schule (KGS) in Pattensen. Die Landesschulbehörde hat sie jetzt offiziell ernannt. Sie tritt damit die Nachfolge von Andreas Lust-Rodehorst an, der in das Kultusministerium gewechselt ist. Gerull freut sich auf ihre neue Aufgabe. „Schade ist, dass ich selbst jetzt nur noch drei Stunden pro Woche unterrichte. Ich bleibe aber durch Unterrichtsbesuche etwa bei besonderen Prüfungen von Schülern oder Referendaren immer noch nah dran“, sagt die 34-Jährige, die gemeinsam mit ihrem Mann bei Celle lebt.

Gerull ist in Munster aufgewachsen, hat 2004 ihr Lehramtsstudium in Hannover begonnen und unterrichtet seit 2011 an der KGS Pattensen. Seit 2015 war sie bereits stellvertretende Direktorin der Schule. Sie weist darauf hin, dass es an der KGS das System der kollegialen Schulleitung gibt, das die Verantwortung auf mehrere Schultern verteilt. „Wir sind ein Team aus sieben Leuten, das gemeinsam diskutiert und auch Entscheidungen trifft“, sagt Gerull. Insgesamt sind rund 90 Lehrkräfte an der Schule beschäftigt.

Bildung hört an der Schule nicht auf

Die KGS ist eine sechszügige Schule mit rund 1000 Schülern. „Den Prognosen nach wird sich diese Schülerzahl in den nächsten Jahren auch nicht wesentlich ändern. Für mich ist das eine schöne Größe“, sagt Gerull. Was sie besonders an Pattensen schätzt, ist der Zusammenhalt in der Stadt. Dieser zeige sich etwa durch Kooperationen vieler Institutionen. „Auch die KGS arbeitet eng mit der Stadtverwaltung, dem Pattenser Bad, dem Verein Mobile, Grundschulen, Altenheimen und weiteren Einrichtungen zusammen. Die Schüler können dort in unterschiedlichen Projekten praktische Erfahrungen sammeln“, sagt die KGS-Direktorin. Schließlich höre Bildung nicht an der Schule auf, sondern finde in allen Lebensbereichen statt. „Demokratie kann zum Beispiel nicht nur theoretisch gelehrt werden, sondern muss auch praktisch erfahren werden“, sagt Gerull. So lobt sie zum Beispiel, dass die Stadt das vom hannoverschen Verein Politik zum Anfassen angebotene politische Planspiel Pimp Your Town mit Schülern der KGS und der Calenberger Schule ausgerichtet hat.

In der Welt des Unterrichts und der Bildung allgemein ist zurzeit vieles im Wandel. Gerull sieht das als Herausforderung und spannende Entwicklung. „Viele aktuelle Probleme lassen sich nicht mit Unterrichtsinhalten aus dem vergangenen Jahrhundert lösen“, sagt sie und spielt damit unter anderem auf den Klimawandel an. Das Bewusstsein für die Herausforderungen der Zukunft zu wecken sei eine klassische Aufgabe der Schule. Hat eine kooperative Gesamtschule Vorteile gegenüber anderen Schulformen? „Für mich ist die KGS das Beste aus allen Welten: Wir bieten einen Förderschulabschluss, einen Real- und Hauptschulabschluss, Fachabitur und einen gymnasialen Abschluss an“, sagt Gerull.

Mirjam Gerull mit Grant Hendrik Tonne, dem Niedersächsischen Kultusminister, bei dessen Besuch in der KGS Pattensen im Mai 2019. Quelle: Torsten Lippelt

Digitalisierung trägt zur individuellen Förderung bei

Auch die Art des Unterrichts werde sich ändern. Heute spiele die individuelle Förderung eine viel größere Rolle. Dazu trägt auch die Digitalisierung bei. An der KGS gibt es bereits eine Tablet-Klasse, eine zweite soll bald folgen. „Schüler können sich auf einem Tablet zum Beispiel einen Vortrag in ihrem eigenen Tempo anschauen. Auch das mehrfache Abspielen einzelner Passagen oder des gesamten Beitrags ist möglich“, sagt Gerull. Der Lehrer stehe dann für weitere Fragen zur Verfügung und betreue die im Zusammenhang mit dem Vortrag gestellten Aufgaben. Gerull betont, dass der digitale Unterricht den analogen nicht ersetzen soll. „Das ist eine häufige Befürchtung der Eltern. Doch aus meiner Sicht, sollen sich beide Welten ergänzen“, sagt Gerull. So werden Schüler zum Beispiel auf dem Tablet schreiben, aber auch weiterhin handschriftliche Notizen anfertigen müssen.

Die Lehrer werden an der KGS regelmäßig für neue Unterrichtsinhalte geschult, speziell auch für die digitalen. „Wenn wir diesen Unterricht anbieten, müssen wir auch kompetent sein“, sagt die 34-Jährige. Generell sei gerade auch in der digitalen Welt das Wissen über Hintergründe wichtig. So wird in Kursen bereits gelehrt, wie Fake News von validen Quellen im Internet unterschieden werden können. Zudem soll das Bewusstsein für Zusammenhänge und Dynamiken in der digitalen Welt geweckt werden.

Beziehungsarbeit spielt eine große Rolle

Eine der aus Gerulls Sicht wichtigsten Aufgaben für Lehrer ist auch die sogenannte Beziehungsarbeit. „Die Lehrer sollten ihre Schüler und deren spezielle Talente kennen, damit diese gezielt gefördert werden können“, sagt die Direktorin. Das gehe jedoch nicht, wenn Lehrer jeweils eine Klasse immer nur 45 Minuten in der Woche unterrichten, was früher nicht unüblich war. „Das führt zu Frustration bei Lehrern und Schülern. Aus meiner Sicht ist das der häufigste Grund für ein Burn-out bei Lehrern“, sagt Gerull. An der KGS unterrichten Lehrer immer jeweils 90 Minuten am Stück und werden nach Möglichkeit auch mehrfach in der gleichen Klasse eingesetzt. „So lernen sich Lehrer und Schüler über Jahre kennen, was für beide Seiten positiv ist und eine individuelle Förderung von Talenten ermöglicht“, sagt Gerull.

Neu eingeführt wird für den jetzt startenden fünften Jahrgang die kooperative Eingangsstufe. Alle Schüler werden drei Jahre lang zusammen unterrichtet, unabhängig davon, ob sie für den gymnasialen, den Realschul- oder den Hauptschulzweig angemeldet sind. Auch dort sieht das Konzept einen gemeinsamen Unterricht bei individueller Förderung vor. „Die Klassenarbeiten schreiben die Kinder auf dem Niveau des Schulzweigs, für den sie angemeldet sind“, sagt Gerull. Nach drei Jahren können sie dann endgültig entscheiden, welchen Schulzweig sie weiter besuchen wollen. Die Klassen werden jeweils zwei Klassenlehrer haben, einen aus dem Gymnasialzweig und einen aus dem Real- und Hauptschulzweig.

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