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Nachrichten Hamster-Projekt will Gewerbe nicht stoppen
Region Pattensen Nachrichten Hamster-Projekt will Gewerbe nicht stoppen
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14:09 30.07.2019
Ein junger Feldhamster schaut aus seinem Bau heraus. Quelle: Kerstin Hinze
Pattensen

Wenn jetzt die Getreidefelder abgemäht werden, folgen den Dreschmaschinen einige Tage später oft Menschen mit Zollstöcken in der Hand. Manchmal sieht man ganze Ketten, deren Glieder im Abstand von rund drei Metern über ein Stoppelfeld ziehen, den Blick auf den Boden gerichtet: Die Hamsterkartierer sind unterwegs. Sie zählen die Baue der kleinen, stark bedrohten Nagetiere.

Im Stadtgebiet von Pattensen gebe es noch relativ viele von ihnen, aber auch hier sei der Bestand gefährdet, sagt Nina Lipecki, Regionalkoordinatorin für Niedersachsen von der Deutschen Wildtier Stiftung für das Projekt „Feldhamsterland – gemeinsam für lebendige Felder“, das zurzeit in fünf Bundesländern läuft. Am Montagmorgen hat sie mit zwei Helfern das Gebiet am Stadtrand nordöstlich der Jeinser Straße inspiziert – und dort 15 Baue entdeckt. Wie viele Tiere dort leben, sei aber schwierig festzustellen, erklärt Lipecki. Oft handele es sich um sogenannte Mutterbaue – die Männchen leben separat –, von denen man aber nicht wisse, wie viele Junge sich darin tummeln.

Die Eingänge der Baue sind gut zu erkennen

Mit dem Zollstock wird die Tiefe eines Hamsterbaus bei Pattensen vermessen. Quelle: Deutsche Wildtier Stiftung

Die Eingänge sind laut Lipecki relativ gut zu erkennen, weil sie mit einem Durchmesser von rund sieben Zentimetern deutlich größer seien als die von Mäusen mit weniger als fünf Zentimetern. Die Röhren reichen bis zu zwei Meter tief in den Boden. Manche dienen als Fluchtwege, in die sich der Hamster einfach fallen lässt, wenn er von einem Fuchs oder einem Greifvogel bedroht wird. Unterirdisch verbinden Gänge die verschiedenen zu einem Bau gehörenden Kammern. Dazu zählt neben Nest- und Vorratskammern auch eine Kotkammer. Sie ist vor allem während der Winterzeit wichtig, wenn der Hamster seinen Bau nicht verlässt.

Mehrere Röhren führen zu den verschiedenen Kammern eines Hamsterbaus. Darüber lauern Fuchs und Milan auf Beute. Quelle: Grafik: Deutsche Wildtier Stiftung

In Pattensen haben die Feldhamster schon mehrere Bauprojekte in Schwierigkeiten gebracht, unter anderem das Wohngebiet Mitte-Nord. Auch die geplante Erweiterung des Gewerbegebiets stockt wegen der Nager. Pattensen sei in der Region Hannover ein Schwerpunkt der Feldhamsterpopulationen, sagt Lipecki. Aber auch hier habe sich die Dichte inzwischen auf zwei Baue pro Hektar reduziert, während es in den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts noch ein Vielfaches davon gegeben habe.

Dem Projekt der Deutschen Wildtier Stiftung gehe es jedoch keineswegs darum, Gewerbe- oder Wohngebiete in Siedlungsbereichen der Hamster komplett zu verhindern, betont die Koordinatorin. Vielmehr sei man gerade dabei, ein Konzept zu entwickeln, wie man ein Gewerbegebiet hamsterfreundlich gestalten könnte. „Das kann funktionieren“, glaubt Lipecki, „es gibt auch Hamsterfamilien mitten im Dorf“.

An den Feldern von Landwirten, die das Hamsterprojekt unterstützen, werden Informationstafeln aufgestellt. Quelle: Deutsche Wildtier Stiftung

Sie wird in den kommenden Wochen noch weitere Flächen in Pattensen untersuchen und kartieren. Der nächste Termin ist Donnerstag, 8. August. Wer Lust hat, dabei mitzumachen, kann sich unter Mobiltelefon (0176) 83905575 oder per E-Mail an n.lipecki@dewist.de bei Nina Lipecki melden. Das gilt auch für Landwirte, die bereit wären, das Projekt zu unterstützen, indem sie Streifen oder kleine Inseln ihres Getreides für die Feldhamster stehen lassen.

Friedliche Koexistenz von Wild- und Zuchttieren

„Gemeinsam für lebendige Felder“ wirbt das Hamster-Projekt der Deutschen-Wildtier Stiftung. In Pattensen gibt es schon einen Bereich, wo die Koexistenz von Wild- und Zuchttieren funktioniert: den Bio-Legehennenhof der Familie Lütgeharm in Pattensen-Mitte. Dort vertragen sich Hamster und Hühner offenbar problemlos, wie Landwirt Herbert Lütgeharm bestätigt. „Und die Feldlerche haben wir ja auch noch“, fügt er hinzu. Und seit knapp einem Monat gehören auch noch fünf Bienenvölker dazu.

Mit ihnen wollen Christof Thrun und sein Partner aus Adelheidsdorf bei Celle testen, ob Bienen aus den von Lütgeharm angebauten Luzernen Honig gewinnen können. Noch sei nicht absehbar, ob das Experiment erfolgreich war, sagt Thrun. Aber wenn sich das herausstellen sollte, könnte er sich durchaus vorstellen, die Stöcke im nächsten Jahr wieder in Pattensen aufzustellen. Lütgeharm wären sie willkommen, denn sie unterstützen die Vermehrung der Luzerne.

Ein anderes Wildtier würde der Landwirt dagegen lieber nicht mehr auf seinem Hof sehen – lebendiges Feld hin oder her: den Fuchs. „Der hat uns hier schon 50 bis 100 Hühner weggeholt“, meint Lütgeharm, ganz genau lässt sich das bei einer Zahl von bis zu 12.000 Hennen nicht feststellen. tb

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