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Region Pattensen Nachrichten Erstes Repair Café kommt gut an
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00:16 24.10.2018
Gerd Heuer repariert das Bügeleisen einer Besucherin. Quelle: Daniel Junker
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Pattensen-Mitte/Hemmingen

Zufriedene Gesichter beim ersten Repair-Café in Pattensen, das der Verein Mobile am Sonnabend im Mehrgenerationenhaus angeboten hatte: Mehr als 15 Besucher kamen, um nicht mehr funktionierende Gegenstände unter Hilfe von Ehrenamtlichen zu reparieren. Auch diese zeigten sich mit der dreistündigen Veranstaltung zufrieden.

Vom Rollo über die Spielzeugeisenbahn und das Taschenradio bis zur Nähmaschine war alles dabei. Am Ende gingen die meisten Besucher nicht nur mit wieder funktionierenden Geräten nach Hause, sie hatten auch Kontakte geknüpft und gute Gespräche geführt.

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Zorka Martiċ hatte zum Beispiel eine nicht mehr funktionierende Lego-Spielzeugeisenbahn ins Mehrgenerationenhaus gebracht. Mehr als eine Stunde tüftelte sie mit einem Helfer daran, das Problem zu lösen. Das hat zwar nicht geklappt, dafür hat Martiċ sich aber gut unterhalten. „Ich komme aus Heilbronn und bin vor einem Jahr zu meiner Familie nach Pattensen gezogen. Ich habe hier heute ein paar nette Leute kennengelernt.“ Vielleicht lasse sich das Problem aber später noch lösen. „Wir bleiben miteinander in Kontakt“, sagte Martiċ.

Erika Förster wollte ein batteriebetriebenes Polizei-Spiel-Auto reparieren lassen. Sie betreut bei Mobile eine Kindergruppe, das Auto hatte jemand der Gruppe gespendet.„Die Sirene funktionierte plötzlich nicht mehr “, hatte Förster festgestellt. „Da fiel mir das Repair-Café ein.“ Die Helfer Peter Schunk und Eckhard Wähler schraubten das Auto auseinander. Am Ende war das Problem schnell gelöst: „Offenbar war nur eine Batterie locker“, stelle Förster nach zehn Minuten fest. „Eventuell ist sie durch Schütteln oder heftiges Spielen herausgefallen.“

Karin Siemer hatte ein Taschenradio mitgebracht. „Es ist mir runtergefallen, seitdem lassen sich die Sender nicht mehr speichern.“ Das Radio präsentierte sich Uwe Gäbel und Peter Wolter als störrisches Gerät. „Es lässt sich leider nicht einfach so öffnen“, urteilten die Helfer. „Das Ding ist wirklich zum Wegschmeißen gemacht.“ Dabei gibt es das Repair-Café auch deshalb, weil sich die Helfer dem Wegwerfwahn entgegenstellen wollen. Mit vereinten Kräften, Einsatz mehrerer Schraubendreher und auch mit etwas Gewalt konnten Gäbel und Wolter das Radio aber schließlich doch noch öffnen.

Das gemeinsame Basteln weckte den Ehrgeiz, Lösungen zu finden. „Wir wissen ja nicht, wer mit welchen Dingen zu uns kommt“, sagte Mark Jacobs, der seit fünf Jahren das Repair-Café in Hemmingen leitet. Er hatte die Idee, in Pattensen ein ähnliches Angebot zu etablieren – und rannte damit bei Mobile offene Türen ein. „Unsere Vorsitzende Annette Köppel hatte selbst schon überlegt, ob wir so etwas nicht anbieten können“, sagte Elke Eicke vom Mobile-Vorstand. „Wir wussten nur nicht, wie wir das umsetzen können.“ Mit Jacobs und Gerd Heuer, der ebenfalls aus Hemmingen gekommen war, hatte der Verein die passende Unterstützung gefunden.

„Wir sind mit dem ersten Treffen sehr zufrieden“, sagte Eicke. Im Januar oder Anfang Februar solle es wieder ein Repair-Café geben und langfristig die Idee bei Mobile weiter etablieren. Vorgesehen sind vier bis fünf solcher Veranstaltungen pro Jahr. Am Sonnabend hatte sich mit Hasan Abdulkader sogar ein Nachbar spontan dazugesellt, dessen Kinder die Einrichtung häufiger besuchen. Er brachte die Lichtanlage von zwei Fahrrädern wieder in Gang.

Im September hatte Mobile zu einem Vortreffen eingeladen. „Zwölf Besucher hatten damals ihre Bereitschaft signalisiert, als Helfer beim Repair-Café mitzumachen“, sagt Elke Eicke vom Mobile-Vorstand. Zwar waren am Sonnabend nicht alle Interessenten dabei, dafür kamen aber andere, um mit den Besuchern an den mitgebrachten Dingen zu schrauben. So waren es am Ende doch wieder Dutzend Helfer.

Eine Seniorengruppe kam, ohne dass sie etwas zum Reparieren dabei hatten. „Sie hatten von dem Café gelesen, wussten aber nicht, dass hier heute Gegenstände repariert werden“, sagte Eicke. Kuchen und Kaffee hätten die Seniorinnen trotzdem bekommen. Schließlich soll beim Repair-Café nicht nur geschraubt werden. „Wir finden es genauso wichtig, dass die Leute miteinander sprechen und Kontakte knüpfen.“

Weitere Bilder zum Thema unter haz.de/repair

Von Daniel Junker