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Region Neustadt am Rübenberge Nachrichten So wurde vor 70 Jahren Weihnachten gefeiert
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15:50 21.12.2018
Die alte Holzlok, Weihnachtsgeschenk vor 70 Jahren, hält Klaus Ridder noch in Ehren. Quelle: Klaus Ridder
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Helstorf/Siegburg

Ein Ur-Helstorfer erinnert sich: Klaus Ridder liebt es, Geschichte mit Berichten aus eigener Anschauung zu verdeutlichen. Hier erzählt er von seinem Weihnachtsfest vor 70 Jahren, als noch ganz andere Werte zählten als der allgegenwärtige Konsum:

„Das Jahr 1948 war für mich ein besonderes Jahr. Mein Vater kam aus englischer Kriegsgefangenschaft zurück und es wurde zum ersten Mal gemeinsam Weihnachten gefeiert. Ich wurde in die Helstorfer Schule eingeschult und musste da erst einmal bei unserer Lehrerin Ilse Jürgens hochdeutsch lernen (ich konnte ja nur „platt körn“). Auch mein Opa, mit dem ich sehr verbunden war (er war ja eine Art Ersatzvater) starb an Krebs. Mein Vater wurde nach der Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft gleich Schützenkönig – man müsste richtig „Kegelkönig“ sagen, weil die Deutschen nach dem verlorenen Weltkrieg noch keine Gewehre haben durften. Aber ich möchte hier über das schöne Weihnachtsfest berichten, an das ich mich noch gut erinnere.

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Es gab in der Nachkriegszeit noch nicht viel an Kinderspielzeug zu kaufen, auch noch keine elektrische Eisenbahn – so wurde eine robuste Holzlok vom Weihnachtsmann gebracht. Die Werkstatt dafür war die Küche von Willi Wiegmann. Die Lok wurde aus Kistenbrettern gefertigt, als Räder dienten Stücke aus einem Besenstiel, scheibchenweise abgesägt. Der Schornstein war dann das dünne Ende des Stiels.

Es gab damals in der armen Zeit nur kleine Geschenke und meine Frau Geschi, die als Flüchtlingskind ab 1950 bei Bauer Heinrich Rabe wohnte, kann sich daran erinnern, dass bei Rabes die Geschenke nach Weihnachten aus Sparsamkeitsgründen wieder eingepackt wurden und im nächsten Jahr brachte sie der Weihnachtsmann wieder neu.

Der alte Adventskranz aus Holz ist in Würde gealtert. Quelle: Klaus Ridder

Wir hatten einen Adventskranz aus Holz, das ist eine Rarität. Er kam aus England. Mein Vater Heinrich Ridder war dort bis 1948 in englischer Kriegsgefangenschaft und im dortigen Lager wurde allerhand gefertigt, so auch dieser Kranz aus Lindenholz. Die Tannenzweige wurden aufgemalt. Der Kranz hat mittlerweile viele Gebrauchsspuren und ist auch schon mehrfach angekokelt – aber seinen Zweck erfüllt er heute noch.

Und der Tannenbaum? Der wurde von Vater wohl aus dem Wald geholt. Ob es unser eigener Wald war, das weiß ich heute auch nicht mehr. Die Kugeln kamen aus Lauscha im Thüringer Wald und wurden sorgsam von meiner Mutter aufbewahrt. Sie waren mit Runenzeichen verziert und dabei waren auch Runen in Form des heute verbotenen Hakenkreuzes – aber davon hatte ich ja keine Ahnung, was das mal bedeutete.

Im rheinischen Siegburg, wo wir heute unseren Alterssitz haben, erinnern wir uns gern an die Kinder- und Jugendzeit in Helstorf. Lok, Adventskranz, Weihnachtskugeln und auch ein Modell des Elternhauses aus Ton werden in die weihnachtlich geschmückten Zimmer zur Dekoration mit einbezogen.“

Geschi und Klaus Ridder feiern ihre Weihnachtsfeste jetzt im rheinischen Siegburg. Quelle: Klaus Ridder

Von Klaus Ridder