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Region Neustadt am Rübenberge Nachrichten So trotzen die Neustädter der Hitzewelle
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18:10 24.07.2019
Artur Winkert von der Tiefbau-Firma E. Can schützt sich beim Straßenbau mit einem nassen Handtuch und viel Sonnencreme.
Artur Winkert von der Tiefbau-Firma E. Can schützt sich beim Straßenbau mit einem nassen Handtuch und viel Sonnencreme. Quelle: Susann Brosch
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Neustadt

Die Sonne brennt, die Temperaturen steigen. Auch Neustadt stöhnt unter der nächsten Hitzewelle, die die Stadt jetzt voll erwischt hat. Wir haben einige Neustädter gefragt, wie sie mit den hohen Temperaturen fertig werden.

Am Dönergrill ist wenig zu tun

Einige haben es besonders schwer. Zum Beispiel Erdal und Barbara Campolat, die Inhaber des City-Grills am Heini-Nülle-Platz. Sie stehen mit Handtüchern im Genick vor dem Grill und schneiden das Dönerfleisch vom Spieß. „Wir haben zurzeit sehr wenig Kundschaft, mindestens 50 Prozent weniger. Denen steht nicht der Sinn nach Döner“, sagt Campolat. Am Donnerstag wird das Ehepaar den Imbiss zwischen 14 und 17 Uhr schließen. „Am Abend kommt auch wieder mehr Kundschaft“, da ist sich Campolat sicher.

Bei Barbara und Erdal Campolat vom City-Grill ist angesichts der Hitze wenig los: Am Donnerstag schließen sie den Imbiss während der heißen Nachmittagsstunden ausnahmsweise. Quelle: Susann Brosch

Nasskaltes Tuch schützt vor Sonnenstich

Der Hitze regelrecht ausgeliefert sind die Angestellten der Tiefbaufirma E. Can aus Dörverden. Zurzeit verlegen sie in Mariensee auf einer Strecke von 600 Metern Glasfaserleitungen für schnelles Internet. „Wir fangen bereits um 6 Uhr an statt um 7 Uhr“, sagt Geschäftsinhaber Erhan Can. Außer der Frühstücks- und Mittagspause sind mehrere Trinkpausen obligatorisch. Mitarbeiter Artur Winkert hat vorgesorgt. „Ich habe ein nasses Handtuch in die Kühlbox gelegt. Während der Arbeit bedecke ich damit meinen Kopf, um mich vor einem Sonnenstich zu schützen“, erzählt er. An die Sonnenschutzcreme und mehr Trinkwasser hat Winkert auch gedacht.

Mit Kühltasche zum Schokoladenkauf

Die Inhaberin des süßen Kaufhauses in der Marktstraße hat es leichter. „Die Klimaanlage kühlt den Laden auf 22 Grad Celsius, sonst würde die Schokolade schmelzen“, sagt Ulrike Reichelt schmunzelnd. Sie beobachtet ein verändertes Kaufverhalten bei ihren Kunden. „Die kommen ganz früh am Morgen, und manche bringen sogar ihre Kühltasche mit“, berichtet sie.

Ulrike Reichel vom süßen Kaufhaus hat gut Lachen: Sie hat für die empfindliche Ware eine Klimaanlage, die den Verkaufsraum auf angenehme 22 Grad Celsius temperiert. Quelle: Susann Brosch

Feuerwehr darf in leichter Kleidung zum Einsatz

Jean-Luc Behrens (von links), Steffen Titze und Christian Kellner sichern einen Gully vor ausgelaufenem Öl - das geht auch ausnahmsweise in reduzierter Einsatzkleidung, ohne Helm und Schutzjacke. Quelle: Feuerwehr Neustadt

Die Feuerwehr hatte bis Mittwochmorgen zum Glück nur leichtere Einsätze zu bewältigen. Die schwere Einsatzkleidung mit Hose, Stiefeln und der dicken schwarzen Jacke konnten die Kollegen etwa beim Abstreuen einer Ölspur auch ausnahmsweise am Haken lassen. „Wenn es der Einsatz erlaubt, wird Marscherleichterung befohlen“, sagt Sprecher Florian Hake. Dann müssen die Einsatzkräfte nur eine Warnweste überziehen, um für die Autofahrer gut erkennbar zu sein.

Pferde saufen 30 bis 40 Liter mehr pro Tag

Auch die Tiere leiden unter der Hitze. Wenn sie die Möglichkeit dazu haben, suchen sie instinktiv schattige Plätze auf. „Sowohl bei der Offenstall-Haltung als auch bei den Paddock-Boxen stehen die Pferde überwiegend im Schatten“ sagt Friesenpferd-Züchter Hans-Jürgen Bothmer aus Dudensen. „Pferde kommen mit Hitze eigentlich gut klar, wenn sie entscheiden können zwischen Schatten und praller Sonne“, erläutert er. In seinem Stall stehen 35 Pferde, darunter auch einige Einsteller. „Wir sorgen hier für ausreichend Luftzirkulation durch offene Tore und Fenster“, sagt er weiter. Ein ausgewachsenes Pferd säuft üblicherweise 40 bis 50 Liter Wasser am Tag. „Bei dieser Hitze sind es aber locker 80 bis 90 Liter“, berichtet Bothmer. Außerdem erhalten die Tiere zusätzlich Heu. „Die Weiden sind staubtrocken, da wächst nichts mehr nach“, sagt der erfahrene Pferdezüchter und deutet auf die Steppe hinter sich.

Viel Wasser saufen und sich im Staub wälzen, das ist bei Pferden besonders bei Hitze beliebt. Die Weide gleicht eher einer Steppe. Quelle: Susann Brosch

Den Legehennen vergeht der Appetit – sie legen kleinere Eier

Auf Andreas Kehrbachs Hof in Laderholz können die Legehühner ebenfalls frei entscheiden. „Die bleiben tagsüber im Stall. So ab 18 oder 19 Uhr gehen sie raus und bleiben bis 23 Uhr im Freien“, sagt Kehrbach. Im Stall sind es laut Kehrbach, trotz aktiven Luftaustauschs, 30 Grad Celsius – immerhin vier Grad weniger als draußen. Dennoch trotzen einige Hühner der Hitze und sind auch tagsüber draußen. „Die halten sich nur im Schatten auf, gehen regelrecht an der Schattenkante entlang“, erzählt der Landwirt. Kehrbach verzeichnet einen bis zu 50 Prozent höheren Wasserverbrauch bei seinen Tieren. Der Appetit wird aber geringer. „Das ist wie bei uns Menschen. Viele essen dann ja auch weniger“, sagt er. Weniger Futter bedeutet auch weniger Energie. „Die Eier, die die Hühner in einigen Tagen legen werden, werden deutlich leichter sein als die von heute“, erläutert Kehrbach. Er selbst trägt die Hitzeperiode mit Fassung. „Die Feldarbeit versuchen wir auf die frühen Morgenstunden zu legen oder spät in den Abend. Ansonsten geht alles seinen gewohnten Gang“, sagt der Landwirt.

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Von Susann Brosch und Kathrin Götze