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Nachrichten Fachmann Stummeyer informiert über Wölfe
Region Neustadt am Rübenberge Nachrichten Fachmann Stummeyer informiert über Wölfe
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00:17 26.03.2019
Sachlich und zugleich fesselnd geht Wolfsberater Helge Stummeyer auf das Informationsbedürfnis der Zuhörer ein. Quelle: Patricia Chadde
Otternhagen

Als reißerisches Medienthema hätte der Wolf inzwischen ein goldenes Bambi verdient, doch Neustadts Wolfsberater Helge Stummeyer (49) bevorzugt Sachkunde und erklärt unaufgeregt, wie der Wolf frisst. 120 Zuhörer folgten seinen Ausführungen am 21. Februar im Restaurant Perl, nicht jeder Interessierte bekam einen Platz. So entschloss sich der CDU-Ortsverein Otternhagen zu einem Zusatz-Termin. Am Donnerstag wollten noch einmal rund 50 Menschen etwas über die zurückgekehrten, tierischen Mitbewohner wissen, die selten jemand in freier Wildbahn zu Gesicht bekommt.

Nutztierschaden durch Hund oder Wolf?

Was er dazu zeigen könnte, wären zerfetzte Tierleiber von Fohlen, Kälbern und Schafen. Das wirkt drastischer als Schlachtvieh in gekachelten Räumen. Neustadts Wolfsberater verzichtet auf diese emotional wirkenden Motive. Ob die tierische Beute auf das Konto von Wolf oder Hund geht, zeigt sich nämlich erst durch die DNA-Probe, die im Senckenberg-Institut ausgewertet wird. „Wir haben in Deutschland die größte Wolfs-DNA-Datenbank“, sagt Stummeyer.

Die Ergebnisse zu elf Schafsrissen in Laderholz Anfang März stehen noch aus. Warum die Auswertung so viel Zeit erfordert? „Im Gegensatz zu einer menschlichen Speichelprobe, die man zum Beispiel im Rahmen der Knochenmark-Typisierung nimmt, können an einem Schaf auch DNA-Spuren des Schäfers, von anderen Schafen und vom Hütenhund sein. Am toten Tier kann neben Wolf auch Fuchs oder Dachs gefressen haben und die seriöse Auswertung eines solchen DNA-Cocktails erfordert eben Zeit“, erläutert Stummeyer.

Stummeyer verbildlicht die Gesetze der Wildbahn

Der Wolfsberater versteht es, die Handlungsweisen des Wolfsrudels in freier Wildbahn zu verbildlichen. Vor allem kranke und schwache Tiere werden Beute der Caniden. Wölfe räumten den Tierbestand auf, vergleichbar mit der Funktion weißer Blutkörperchen, erklärt er. Doch ob der Wolf hinter einem flinken Reh herhetzt oder die Schafherde im Pferch als leicht zu bekommendes Nahrungsangebot begreift, sei bei dem opportunistischen Beutegreifer natürlich keine Frage. Die Bequemlichkeit gewinnt und das männliche Elterntier des Wolfsrudels „kauft“ auf Vorrat ein.

„Was würden Sie sagen, wenn Sie nach dem Großeinkauf den Kühlschrank vollgeräumt haben und beim nächsten Blick ins Kühlfach ist plötzlich alles weg?“, fragt Stummeyer. So ergeht es dem Wolf, der sich nicht mit dem deutschen Tierseuchengesetz auskennt. Bis zu fünf Kilo Fleisch kann der Rüde zum Rendezvous-Platz schleppen, um Fähe und Nachwuchs zu ernähren. Kehrt er dann wieder zum gerissenen Nutztier zurück, wurden das bereits entsorgt, also weggeworfen. Die Möglichkeit, dem streng geschützten Wolf die sowieso schon tote Beute zu überlassen, lässt sich derzeit nicht mit den gesetzlichen Vorgaben in Einklang bringen.

Auch Menschen wurden Opfer von wild lebenden Wölfen: Zwischen 1950 und 2000 kamen weltweit vier Personen durch Angriffe tollwütiger Wölfen ums Leben. Noch einmal vier Tote gingen im gleichen Zeitraum auf das Konto gesunder Wölfe. Was es jedoch nicht in freier Wildbahn gibt, ist der Leitwolf. „Das ist Disney“, so Stummeyer über die falsche, aber verbreitete Begrifflichkeit. Nur in künstlich zusammengesetzten Rudeln wird ein Tier der Leitwolf. Der Rüde, der die Menschen derzeit umtreibt ist für den Wolfsberater dagegen ganz sachlich das „männliche Elterntier“.

Von Patricia Chadde

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