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Nachrichten Antworten zum Südlink durch Neustadt
Region Neustadt am Rübenberge Nachrichten Antworten zum Südlink durch Neustadt
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00:19 28.02.2019
In solchen Rohren werden die Südlink-Kabel verlegt. Quelle: Roland Weihrauch/dpa
Neustadt

 Der erste Schreck ist verdaut, nun kommen die Fragen. Nachdem vergangene Woche Stromnetzbetreiber Tennet angekündigt hat, für die Stromtrasse Südlink die Strecke westlich Hannovers und damit auf langer Strecke durch Neustadt führen zu wollen, gibt Tennet-Referentin Elisabeth Benecke erste Antworten. Das Beteiligungsverfahren läuft weiter.

Elisabeth Benecke ist Referentin für Bürgerbeteiligung zum Südlink bei Tennet. Quelle: Friedrich-Wilhelm Schiller (Archiv)

Erst hieß es, eine Strecke östlich Hannovers sei Favorit für den Südlink. Wie kommt es, dass jetzt die Westtrasse bevorzugt wird?

Für die Trassenuntersuchungen hat Tennet inzwischen rund 150 Kriterien angesammelt. Im Bereich Hannover waren vielfach Umweltschutzfragen entscheidend. Für ein Erdkabel wurden zunächst Flussauen und Flora-Fauna-Habitat-Gebiete als großes Hindernis betrachtet. Inzwischen sei aber klar, dass solche empfindlichen Bereiche unterbohrt werden können, sagt Referentin Benecke. Damit ist beispielsweise die Leine-Querung zwischen Wulfelade und Basse deutlich einfacher geworden. Auf der Westtrasse lägen überdies weniger als zehn Kilometer Wald, der durchquert werden müsste, östlich sind es weit mehr.

Auf der Strecke durch Neustadt sind vor allem landwirtschaftliche Flächen betroffen. Was bedeutet das für die Nutzer?

Auch Ackerflächen versuche man nach Möglichkeit auszuweichen, sagt Benecke. Doch viele Alternativen gibt es nicht, weil Siedlungsgebiete und Straßenverläufe nicht geeignet sind. Während der Bauzeit kann selbstverständlich nichts angebaut werden. Vor dem Bau würden Bodenschutzkonzepte erarbeitet und es gebe eine „bodenkundige Begleitung“, sagt Benecke. „Nachweisliche Ertragsverluste werden wir ausgleichen“, versichert sie. Wie ein solcher Nachweis zu führen ist, darüber werde noch verhandelt. 

Gibt es Einschränkungen, was über der Leitung angebaut werden darf?

Einschränkungen gebe es, wenn die Kabel gefährdet werden, die etwa 1,30 bis 1,50 Meter tief unter der Oberfläche liegen. Pfähle oder andere Verankerungen, die tief in den Boden dringen, sollen nicht zugelassen werden. Einschränkungen für Spargel, die bei einem anderen Projekt im Gespräch gewesen seien, habe man inzwischen zurückgezogen, sagt Benecke. Auch dabei sei es um die Verankerung für Folien gegangen. Nicht zugelassen sind Bäume, die tief wurzeln. Sie könnten bei Windwurf die Kabel mitreißen oder Wartungsarbeiten bei Defekten am Kabel erschweren. Auch Gebäude dürfen nicht auf der Trasse errichtet werden. Wirtschaftswege müssten abgestimmt werden, sagt die Referentin.

Wie wirkt sich die Wärmeabstrahlung aus?

Wie weit entstehende Wärme im Boden weitergeleitet wird, hänge von Feuchtigkeitsverhältnissen und Bodenmaterial ab. „Sand ist zum Beispiel ein schlechter Wärmeleiter“, sagt Benecke, Die Temperatur des Leiters im Kabelkern kann bis 60 oder 70 Grad Celsius ansteigen, am Kabelmantel kämen wohl durchschnittlich noch 40 Grad an, sagt Benecke. Sie gehe davon aus, dass bei mehrtägigem Frost auch der Boden über dem Kabel gefriert. Wärme ist nach ihrer Einschätzung nicht das größte Pro­blem, sondern eher Verdichtung und Strukturänderung im Boden.

Kann die elektromagnetische Strahlung schädlich sein?

Die Grenzwerte für elektromagnetische Felder würden unterschritten, versichert Benecke. Das Erdkabel gebe weniger Strahlung ab als ein Mobiltelefon.

Gibt es die Möglichkeit, über landwirtschaftlichen Flächen doch Freileitungen statt der Erdkabel zu bauen?

Für einen Antrag auf Freileitung durch eine Gemeinde sei es bereits zu spät, sagt Benecke. Diese Option hätte bereits im vergangenen Jahr bei den Antragskonferenzen beantragt werden müssen. Für die dafür nötigen Kabelübergangsanlagen brauche man große Flächen, eine habe etwa die Abmessungen eines Fußballfelds, sagt Referentin Benecke.

Wie geht es weiter?

Tennet reicht den Trassenvorschlag bis Ende März bei der zuständigen Bundesnetzagentur ein. Ab 25. März gibt es weitere Infoveranstaltungen in den betroffenen Kommunen, etwa in Garbsen voraussichtlich Ende Mai. Genaue Termine werden noch veröffentlicht. Dann legt die Bundesnetzagentur die Planunterlagen öffentlich aus und macht sie auch über das Internet zugänglich. In zweimonatiger Frist können dann Einwendungen bei der Bundesnetzagentur eingereicht werden (nicht bei Tennet!). Die Einwender werden dann gegebenenfalls zu Erörterungsterminen gebeten.

Wo kann man die Trassenführung einsehen?

Karten und weitere Informationen sind auf www.tennet.eu verfügbar, der Abschnitt durch Neustadt ist dort unter dem Kürzel TKS_055 zu finden.

Von Kathrin Götze

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