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Region Neustadt am Rübenberge Nachrichten Letztes Forum vor der Bürgermeisterwahl
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00:19 16.06.2019
Viel zu sagen gibt es bei der zweiten Runde für die Neustädter Bürgermeisterkandidaten Christina Schlicker und Dominic Herbst. Quelle: Mirko Bartels
Neustadt

Am Donnerstagabend ist in der Aula des Gymnasiums beim zweiten HAZ-Forum zur Bürgermeisterwahl nicht jeder Platz belegt, dennoch ist das Interesse groß. Viele Bürger erhoffen sich letzte Impulse, wen sie am Sonntag wählen werden. Christina Schlicker (SPD) und Dominic Herbst (Grüne) treten am 16. Juni in der finalen Stichwahl gegeneinander an. Vor drei Wochen hatte Schlicker 26,8 Prozent (6126 Stimmen) bekommen, Herbst 25,4 Prozent (5818 Stimmen). Kathrin Götze (HAZ/NP) und Oliver Seitz (Neustädter Zeitung) haben sich erneut Fragen überlegt, mit denen sie noch einmal den Kandidaten auf den Zahn fühlen wollen.

Die Kandidaten im Gespräch beim zweiten HAZ-Forum

Die erste Frage richtet Seitz direkt an Herbst. Wie viel Klimaschutz steckt eigentlich in Herbsts Wahlprogramm? „Der Naturschutz findet sich in allen meinen Punkten wieder, es gibt keinen Extrapunkt dafür“, sagt der 31-Jährige und bleibt wenig konkret.

Und womit könne Schlicker kurzfristig noch überzeugen, fragt Seitz die Kandidatin der SPD? „Ich besuche auch jetzt noch die Ortschaften und bin immer ansprechbar.“ Bis Sonntag fahre sie das komplette Wahlkampfprogramm.

Viel zu sagen gibt es bei der zweiten Runde für die Neustädter Bürgermeisterkandidaten Christina Schlicker und Dominic Herbst, umrahmt von Kathrin Götze (links) und Oliver Seitz (rechts). Quelle: Mirko Bartels

Kathrin Götze spricht die Kandidaten auf die aktuelle Diskussion um den Ausbau von Kita-Plätzen an. Wie werden die Politiker ihren Wählern erklären, dass alles Wünschenswerte auch Grenzen hat? Schlicker sagt: „Es fehlen Plätze, aber es ist ganz wichtig, dass wir die Eltern mitnehmen und Gespräche führen.“ Sie wolle Ängste berücksichtigen und sich für ein „Miteinander von Politik und Verwaltung“ einsetzen, „nur so kann man Dinge in die Wege leiten“.

Herbst sieht vor allem ein Defizit in der Kommunikation von Zahlen und will für mehr Transparenz in Sachen Angebot und Nachfrage von Plätzen schaffen. Er sagt: „Mein Plan ist es, Kinder dort zu betreuen, wo sie wohnen.“

Die Kandidaten verlieren sich vermehrt in Floskeln, es fehlen konkrete Vorschläge zur Lösung des Kita-Platz-Problems.

Viel zu sagen gibt es bei der zweiten Runde für die Neustädter Bürgermeisterkandidaten Christina Schlicker und Dominic Herbst. Quelle: Mirko Bartels

Kandidaten sehen Grundschulen nicht gefährdet

Zu der Frage, wie die Grundschullandschaft im Neustädter Land aussehen soll, bleiben beide ebenfalls vage. Herbst deutet an, dass es vielleicht eine Grundschule weniger in Helstorf geben könnte, sagt aber, dass nach dem Schulausschuss am Donnerstag noch Fragen offen sind. „Ich glaube aber, dass alle anderen Standorte nicht gefährdet sind.“

Schlicker will die Standorte und vor allem die Qualität halten. „Kinder müssen gut beschult werden“, fordert sie. Zur Situation in Helstorf und Mandelsloh könne sie zurzeit nichts sagen. Sorge, dass die Stadt langfristig Grundschulen im Neustädter Land schließen muss, wenn dort weniger als 60 Schüler angemeldet werden, hat die SPD-Kandidatin nicht. „Wir haben auch langfristig 60 Schüler in den Schulen“, sagt sie selbstsicher.

Sparmöglichkeiten im Haushalt

Wo wollen die Kandidaten sparen, will Götze wissen. Schlicker gibt zu: „Unser Haushalt ist sehr angespannt. Aber der Sparmodus kann nicht weitergefahren werden.“ Es dürfe zu keinem Sanierungsstopp bei Straßen oder Schulen kommen, sagt Schlicker. Sie setze auf höhere Gewerbesteuereinnahmen und will mehr Betrieben Platz geben.

Seitz will wissen, ob keiner der beiden Kandidaten an die Kürzung freiwilliger Leistungen der Stadt denkt und ob sie nicht bereits konkrete Ideen haben? „Nö“, sagt Schlicker, „das entscheiden wir – der Rat und die Verwaltung zusammen.“ Für die freimütige Aussage erntet Schlicker sanften Applaus aus dem Publikum. Herbst sieht den Haushalt durch hohe laufende Ausgaben belastet. Er gesteht aber ein: „Ich kann jetzt auch nicht sagen, wo man konkret sparen kann.“ Kulturelle und soziale Leistungen müsse und wolle er nicht streichen. Aber letztendlich ist auch Herbst sich sicher: Sparmöglichkeiten müsse der Rat aufzeigen.

Christina Schlicker Quelle: Mirko Bartels

Schlicker nennt als Spar-Beispiel die Entscheidung von SPD und CDU im Rat, unbesetzte Stellen in der Verwaltung zu streichen, um Personalkosten im Haushalt zu minimieren. Konkret sagt sie: „Die Klimaschutzmanagerstelle haben wir für den Hochbau eingesetzt.“ Das komme letztendlich auch dem Bau von Kitas zugute. Dafür erntet die 51-Jährige deutliches Klatschen aus dem Publikum. Jetzt muss Herbst kommen, und er kommt. Sein Statement dazu: „Ich glaube, dass die Klimaschutzstelle eine der wichtigsten Stellen ist und sie einzusparen absolut falsch ist.“

Es geht über zu einem Thema, das sich bei beiden Kandidaten auf dem Programm wiederfindet: Bezahlbaren Wohnraum schaffen. Herbst möchte eine Grundstücksentwicklungsgesellschaft schaffen, was auch ein Punkt auf dem Wahlprogramm des CDU-Kandidaten Stefan Porscha war. „Die Einflussnahme auf eine Grundstücksgesellschaft ist viel größer“, sagt Herbst. Die Nachfrage nach bezahlbaren Wohnraum sei sehr hoch, darauf müsse man reagieren. Schlicker möchte lieber von einer Bauentwicklungsgesellschaft sprechen, mit der man den sozialen Wohnungsbau selber in die Hand nehmen könne. „Also sind Sie sich in diesem Punkt einig. Aber wieso kommt das jetzt?“ will Götze von den beiden Kandidaten wissen. Herbst antwortet, man habe sich in den letzten Monaten während des Wahlkampfs intensiv mit Themen beschäftigt, für die man jetzt Lösungen sehe. Und Schlicker sagt, sie greife lediglich einen Gedanken auf, der schon länger in der Verwaltung gäre.

Dominic Herbst Quelle: Mirko Bartels

Als letzte Frage von Seitz kommt: „Was wünschen Sie sich als Bürgermeister von den Neustädtern?“ Herbst antwortet prompt: „Ich finde die Ehrlichkeit gut und werde Sprechstunden einrichten, um mir die Themen anzuhören.“ Auch die unbequeme Art, mit denen die Neustädter zum Teil auftreten, dürfe ruhig bestehen bleiben. Er wolle am Ball blieben. Zustimmendes Klatschen aus dem Publikum. Schlicker sagt: „Ich wünsche mir, dass die Individualität im Neustädter Land erhalten bleibt.“ Sie wolle auch weiterhin im persönlichen Kontakt mit den Bürgern bleiben und die Besuche in den Ortschaften auch als amtierende Bürgermeisterin beibehalten. Auch hierfür erntet sie Beifall.

Das interessierte Publikum. Quelle: Mirko Bartels

Zum Schluss haben die Bürger noch die Möglichkeit, Fragen an die Kandidaten zu stellen. So möchte ein Gast wissen, was die Politiker für Erfahrung im Verwaltungswesen mitbringen würden. Herbst verweist auf seine langjährige Tätigkeit in der Versicherungsbranche, in der er zahlreiche Schulungen und Seminare durchlaufen hätte und ein kleines Team führen würde. Schlicker erklärt, dass sie nicht nur langjährige Ortsbürgermeisterin von Eilvese sei, sondern auch seit 2016 ein Studium an der Fernuniversität in Sozial- und Verwaltungswissenschaften absolviere.

„Wählen Sie, und nehmen Sie noch fünf Leute mit“

Am Ende des Abends lautet die Empfehlung von Oliver Seitz ans Publikum: „Gehen Sie am Sonntag zur Wahl und nehmen Sie noch fünf Leute mit.“

Von Marleen Gaida

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