Feuerwehr Neustadt: Wer zahlt für die Wildtierrettung?
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Feuerwehr Neustadt: Wer zahlt für die Wildtierrettung?

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18:00 23.04.2021
2020 musste die Feuerwehr in Bordenau einen abgestürzten Schwan einfangen. Die Alarmierung ging auch in diesem Fall von besorgten Bürgern aus. Theoretisch könnte die Stadt sie dafür zur Kasse bitten. 
2020 musste die Feuerwehr in Bordenau einen abgestürzten Schwan einfangen. Die Alarmierung ging auch in diesem Fall von besorgten Bürgern aus. Theoretisch könnte die Stadt sie dafür zur Kasse bitten.  Quelle: Florian Hake (Archiv)
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Neustadt

Ein Turmfalke verirrt sich in ein Wohnzimmer, die überraschte Hauseigentümerin ruft in Sorge die Feuerwehr um Hilfe. Der zwischen Heizung und Fensterscheibe eingeklemmte Vogel wird gerettet, die Helferin bekommt einige Wochen später zu ihrer Verwunderung von der Stadt eine Rechnung über 169,75 Euro für den Einsatz – denn die Tierrettung kostet in Neustadt gemäß der Feuerwehrgebührenordnung grundsätzlich denjenigen, der einen „freiwilligen Einsatz“ beauftragt. Jüngst hatten sich diese Gebühren noch einmal deutlich erhöht.

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Wer kommt für die Kosten auf?

Die Katze auf dem Baum ist der Klassiker, im ländlich geprägten Neustadt ist auch die Bergung von Tieren aus der Güllegrube keine Seltenheit. In beiden Fällen handelt es sich allerdings um Tiere, deren Halter bekannt sind. Sie haften für ihre Tiere. Doch ist es gerecht, wenn ein besorgter Bürger für einen Feuerwehreinsatz zur Rettung eines Wildtieres aufkommen muss? Nein, lautet die geschlossene Antwort der Stadtpolitik auf den oben beschriebenen Fall, der gerade die politischen Gremien beschäftigt. SPD, Grüne, UWG und FDP haben deshalb angekündigt, einen CDU-Antrag zu unterstützen, der die Bergung herrenloser Tiere in Notsituationen aus dieser Gebührenordnung ausnehmen will.

Gebühr ausgesetzt

„Es kann nicht sein, dass jemand, der ein Wildtier retten will, so eine Rechnung bekommt,“ sagt CDU-Ratsherr Stefan Porscha. „Wir brauchen eine vernünftige Regelung, möglichst auch rückwirkend“, meint auch der Vorsitzende der SPD-Fraktion, Harald Baumann. Die Stadtverwaltung teilt derweil mit, bis zur Sitzung des Feuerwehrausschusses am 11. Mai die Gebühr im Falken-Fall vorerst nicht weiter einzufordern. Der Fall wurde zum Streitfall, weil die besagte Wohnungseigentümerin, in deren Zimmer sich das Tier verfing, gegen den Bescheid Einspruch bei der Stadt eingelegt hatte – vergeblich. Der Naturschutzbund Neustadt (Nabu) hatte sich daraufhin bereit erklärt, die geforderten 165,75 Euro zu übernehmen.

Wie oft kommt das vor?

In Neustadt wurden 2019 ein Vogel aus einem Schornstein, ein Reh aus dem Gleisbett, drei Hunde und eine Schlange von der Feuerwehr aus misslichen Situationen befreit. 2020 stieg die Zahl der Rettungen von Wildtieren leicht an. Die Häufigkeit entsprechender Einsätze hält sich also offenbar in Grenzen. Ob die Stadt anschließend einen Gebührenbescheid verschickt, werde nach jedem Einsatz individuell von der Verwaltung geprüft, teilt Stadtsprecherin Nadine Schley mit. „In der Regel löst die Kostenpflicht von Feuerwehreinsätzen bei den Betroffenen Unverständnis aus“, berichtet Schley.

Die Feuerwehr sei bemüht, Anrufer frühzeitig auf mögliche Kosten hinzuweisen, berichtet Feuerwehrsprecherin Martina Fachmann. Zu den freiwilligen Einsätzen zählen neben der Tierrettung unter anderem auch das Beseitigen von Ölspuren, das Bergen von Gegenständen, das Auspumpen überfluteter Räume, die Beseitigung von Wespennestern oder das Entfernen von Ästen. „Vielleicht müssen wir an der Stelle auch etwas Aufklärungsarbeit beim Bürger leisten“, schlägt SPD-Ratsherr Baumann vor.

Von Mario Moers