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Nachrichten Extremer Sommer: Neustadts Landwirtschaft leidet
Region Neustadt am Rübenberge Nachrichten Extremer Sommer: Neustadts Landwirtschaft leidet
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16:12 30.07.2019
Die sechs Wochen alten Enten von Fred Reinecke sind handzahm. Die Wasservögel kommen mit der Hitze erstaunlich gut zurecht. Quelle: Susann Brosch
Neustädter Land

Es staubt, wenn der Mähdrescher über das Gerstenfeld bei Dudensen fährt. Verdorrt ist das Land, aber für das Mähen ist das gerade recht. Für manche ist die Trockenheit dieser Tage ein Fluch, für das Mähdreschen ein Segen. „Für die Ernte ist das trockene Wetter passend. Seit zehn Tagen sind wir am Dreschen. Regen können wir da nicht gebrauchen“, sagt Matthias Kirchhoff, Landwirt aus Dudensen. Volker Hahn, Vorsitzender des Landvolkkreisverbands Hannover, stimmt Kirchhoff in dem Punkt zu, sagt aber auch: „Wir brauchen in den nächsten 14 Tagen unbedingt Niederschläge, sonst kann sich der Mais nicht ordentlich entwickeln.“ Die Ertragsverluste wären seiner Ansicht nach sonst sehr hoch. „Im Moment sind die Erträge besser als im vergangen Jahr, aber geringer als im Jahresdurchschnitt“, erklärt der Landwirt aus Hagen weiter. „Im Süden von Hannover, im Calenberger Land, sind die Landwirte unzufrieden, weil ihre Ernten deutlich schlechter sind als 2018. Da macht sich der trockene Winter bemerkbar“, berichtet der Vorsitzende. Das Calenberger Land gilt normalerweise als Kornkammer von Hannover. „Die haben dort bessere Böden als wir hier im Neustädter Land“, erläutert er.

Bein Dreschen geht es staubig zu. Quelle: Susann Brosch

Bei der Kartoffelernte ist es ebenfalls eng. „Nur etwa 30 Prozent der gesamten Fläche in Neustädter Land können beregnet werden“, sagt der Landwirt. Am mangelnden Grundwasser liegt es nicht, sondern an den technischen Möglichkeiten. „Grundwasser gibt es genug, doch nicht jeder Landwirt hat so eine Beregnungsmaschine“, berichtet der Hagener.

Gänse und Wasser gehören einfach zusammen. Dennoch kommen sie mit ausreichend schattigen Plätzen gut mit der Hitze zurecht. Quelle: Susann Brosch

Auf dem nachbarlichen Hof von Landwirt Fred Reinecke schnattern sechs Wochen alte Enten und Gänse im Schatten der Obstbäume. Er sorgt sich liebevoll um das Tierwohl bei den hohen Temperaturen. Sie liegen zufrieden im Gras herum oder trinken aus ihrer „Badewanne“. Als Wasservögel sitzen sie auch ganz gerne in den großen Tränken rum. „Bei Temperaturen über 30 Grad Celsius stelle ich einen Rasensprenger auf. Das lieben die Vögel und spielen regelrecht Fangen mit dem Wasserstrahl“, sagt Reinecke und schmunzelt. Die trinken schon mehr Wasser, bestätigt er auf Nachfrage. Die Tränken muss der Landwirt öfter nachfüllen als gewöhnlich. Auch das kann der Vorsitzende Hahn bestätigen. „Alle Tiere in den landwirtschaftlichen Betrieben benötigen bei der Hitze mehr Aufmerksamkeit. Ihre Versorgung muss gewährleistet werden“, betont er. Hitzefrei gibt es in der Landwirtschaft nicht. Viele Landwirte berichten, dass sie versuchen die anfallenden Arbeiten in die frühen Morgenstunden oder späten Abendstunden zu verlegen. „Die Tiere sind ebenfalls eher in den kühleren Stunden aktiv“, erzählt Geflügelhalter Reinecke.

Auch Milchbauern leiden unter der Dürre

Auch in Schneeren müssen sich Bauern an die Hitzeperiode anpassen. Sven Klingemann betreibt mit seiner Familie einen Milchproduktionsbetrieb. Er sagt: „Wir haben große Probleme, genug Futter für das nächste Jahr zusammen zu bekommen, da noch eine Versorgungslücke vom letzten Jahr besteht.“ Das Problem sei auf den Äckern und Flächen rund um Schneeren ersichtlich. „Der Mais ist verdorrt, und die Wiesen sind vertrocknet. Das Gras geht tot“, so fasst es der Landwirt kurz und knapp zusammen. Klingemann, der sein Futter selber anbaut, muss auch teilweise Futter dazukaufen, aber das sei teuer geworden. Am Ende müsse man aufpassen, dass die Kosten-Nutzen Rechnung noch stimmt. Und noch ein Problem sieht Klingemann: „Im verdorrten Mais und in dem trockenen Gras steckt nicht genügend Energie drin. Das Futter hat keine Qualität.“ Das wiederum spiegelt sich in der Milchabgabe der Kühe wieder – die produzieren weniger Liter Milch als sonst.

Landwirte erhalten Unterstützung bei Extremdürre

Nicht nur dieser Sommer, auch der vorige war bereits überdurchschnittlich heiß und trocken. Zahlreiche Landwirte sind von der außergewöhnlichen und lang anhaltenden Dürre im vergangenen Sommer erheblich betroffen. Daher haben Tausende Landwirte in Niedersachsen eine Unterstützung aus dem gemeinsamen Hilfsprogramm von Bund und Ländern beantragt. Von der Trockenheit besonders betroffene Landwirte konnten im Zeitraum vom 1. November bis 30. November 2018 bei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen einen Antrag auf Dürrehilfe stellen. Antragsberechtigt waren landwirtschaftliche Betriebe, die ihren Betriebssitz in den Bundesländern Niedersachsen oder Bremen haben. Die Dürrehilfe ist auf 500.000 Euro je Unternehmen begrenzt.

Für die Dürrehilfe hat der Bund für Niedersachsen anfangs 17,8 Millionen Euro bereitgestellt, das Land hatte dieselbe Summe aufgebracht. Durch nachträgliche Zuweisungen von Bund und Land stehen Niedersachsen derzeit insgesamt 45,8 Millionen Euro zur Verfügung. Die Gesamtzahl der bei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen eingereichten Anträge liegt bei rund 4600, wie das Landwirtschaftsministerium mitteilt.

Bundesfinanzminister Olaf Scholz hat angekündigt, das Versicherungssteuergesetz ändern zu wollen, damit sich Landwirte günstiger gegen Dürreschäden versichern können. Staatliche Dürrehilfen, wie im vergangen Jahr, könnten in diesem Zusammenhang nur eine akute Hilfe bei Extremwetterereignissen von nationalem Ausmaß sein.

Und überhaupt – auch dem Milchvieh gehe es bei den Temperaturen nicht gut, erklärt der Bauer. „Die Tiere fühlen sich bis 18 Grad am wohlsten. Besser noch sind null bis 15 Grad.“ Denn auch die Kühe bekämen ähnlich wie Menschen Probleme mit dem Kreislauf und seien nicht so leistungsfähig. Das größte Problem sieht Klingemann darin, dass man die Tiere nicht mehr so versorgen könnte, wie es ideal wäre und, dass sie nicht mehr die Milch geben, wie sie geben könnten. „Und wir merken das, in dem wir weniger im Portemonnaie haben.“ Wie auch andere Bauern bereits musste er schon einige seiner 250 Kühe notschlachten, da Versorgungsengpässe sich ankündigten. Dies seien aber Tiere, die früher oder später eh zum Schlachter gegangen wären.

Kurz und knapp gesagt lautet das aktuelle Dilemma also: Futterkosten sind zu hoch und die Leistungen der Tiere zu niedrig. Aktuell verdiene Klingemann etwa 0,30 bis 0,31 Cent pro Liter. Und so lange es noch genügend Milch aus anderen Regionen Deutschlands wie Baden-Würtemberg und Bayern gebe, bleibe es wohl bei dem niedrigen Ertrag. „Auf dem Milchmarkt spiegelt sich das noch nicht wieder“, sagt der Landwirt. Aber wer weiß schon, wie das Anfang des kommenden Jahres aussehe. Im Grund sieht der Bauer nur drei Szenarien für eine Ertragssteigerung: „Entweder wir kaufen Kraftfutter hinzu, investieren in eine sehr teure Beregnungsmaschine oder wir stocken den Tierbestand auf.“ Das Hoffen auf Regen sei aktuell keine Option.

Von Susann Brosch und Marleen Gaida

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