Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Region Neue Leute hat das Land
Region Neue Leute hat das Land
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:19 30.10.2014
Von Gunnar Menkens
Foto: Nach den Wahlen im Mai treten am 1. November in einigen Städten neue Bürgermeister ihr Amt an.
Nach den Wahlen im Mai treten am 1. November in einigen Städten neue Bürgermeister ihr Amt an. Quelle: Oliver Berg/Symbolfoto
Anzeige
Hannover

Als die letzten Stimmzettel einer Reihe von Wahlen und Stichwahlen ausgezählt waren und in amtliche Endergebnisse mündeten, da stellten führende Sozialdemokraten in der Region Hannover mehr oder weniger unverhohlen fest: Die Herren Bürgermeister waren selbst schuld, dass sie ihre Arbeitsplätze verloren. An der Partei jedenfalls könne es nicht gelegen haben. Die SPD verlor die Bürgermeisterposten in Laatzen, Langenhagen und Garbsen – die drei größten Städte in der Region nach der Landeshauptstadt. Ein Schlag in die politische Magengrube.

Andererseits: Es gab böse Überraschungen auch für die Union. Zwei der vermögendsten Kommunen in der Region, angeführt bisher von Christdemokraten, fielen an SPD-Kandidaten. Unvorstellbar eigentlich in der Welt der CDU. Das reiche Burgwedel, das schmucke Gehrden mit den vielen neuen Einfamilienhäusern. In der Union äußerten Analysten bald, es habe wohl an den Rathauschefs vor Ort gelegen.
Am 1. November 2014 wechseln jetzt in einigen Städten die Rathauschefs.

In Laatzen, SPD-Hochburg seit ewigen Jahren, wurde Bürgermeister Thomas Prinz mit einem Rückstand von 16 Punkten abgewählt. Kaum zu fassen. Aber dann doch: Der Sozialdemokrat traf unpopuläre Entscheidungen (etwa höhere Grundsteuern), aber in Laatzen war man im Grunde der Ansicht, dass Prinz zu weit von den Menschen entfernt war. Manche sagen: Er wirkte allzu oft von oben herab, auch im Rathaus. Jetzt übernimmt Jürgen Köhne, CDU, sogar ohne Stichwahl.

Ein schwieriges Pflaster für Bürgermeister wird Langenhagen. Mit einem Kalauer könnte man sagen: Hier fliegt man schnell. 2006 wählten die Bürger Susanne Schott-Lemmer (CDU) nach nur einer Wahlperiode ab, es folgte SPD-Mann Friedhelm Fischer. Der unterlag nun seinerseits bei der ersten Gelegenheit gegen Mirko Heuer (CDU) – obwohl Heuer im regulären Wahlgang noch zurücklag. In der Stadt wurde das Ergebnis mit mangelhafter Kommunikation und fehlender Transparenz des Amtsinhabers erklärt. Dazu kam, dass die SPD nicht eindeutig hinter Fischer stand, und sich die Grünen zur Stichwahl zu einer Wahlempfehlung nicht durchringen konnten.

Garbsen war die Stadt, die in den vergangenen Jahren viel durchzustehen hatte. Zahlreiche Brände, Jugendgangs: Bürgermeister Alexander Heuer (SPD) machte auch die Polizei verantwortlich, Herausforderer Christian Grahl (CDU) attackierte Heuer seinerseits wegen verfehlter Sicherheitspolitik. Gegen Heuer sprach am Ende wohl, dass er kaum sichtbare Erfolge vorweisen konnte – und er oft kühl und distanziert wirkte.

So weit das SPD-Desaster aus den Wahlen des 25. Mai und Stichwahlen vom 15. Juni 2014. Aber es gab auch gute Nachrichten. Aus Pattensen zum Beispiel. Sozialdemokratin Ramona Schumann, 35, fehlten im ersten Durchgang nur acht Stimmen gegen Christdemokrat Axel Müller. In der Stichwahl war das Ergebnis eindeutig. Pattensen bleibt in SPD-Hand.

Dass aber die Stadt Gehrden nach mehr als 40 Jahren CDU-Übermacht an die SPD ging, hatten selbst optimistische Sozialdemokraten nicht für möglich gehalten. Hermann Heldermann, Verwaltungsfachmann, regierte solide, gewann den ersten Wahlgang – und scheiterte in der Stichwahl. Cord Mittendorf siegte knapp. Eine Vermutung: zu wenig Bürgernähe bei Heldermann.

Die Serie überraschender Machtwechsel hatte im Februar in Burgwedel begonnen. Die CDU hatte wieder einmal ein männliches Mitglied der Dynastie Hoppenstedt aufgestellt, diesmal mit Vornamen Björn. Das war den Burgwedelern dann doch zu viel. Amtsinhaber Hendrik Hoppenstedt ging nach Berlin, das kostete die CDU das Rathaus. Bei der Bürgermeisterwahl musste SPD-Kandidat Axel Düker nicht einmal in die Stichwahl.

So war es am Ende wohl doch so, wie Parteistrategen vermuteten: Vor Ort zählt die Persönlichkeit.

Hier ändert sich nichts

Nach den Bürgermeisterwahlen in den Monaten Februar, Mai und Juni hat sich in einigen Städten der Region Hannover an der Rathausspitze nichts geändert. Die alten Verwaltungschefs sind auch die neuen, sie wurden mit zum Teil deutlichen Ergebnissen von den Bürgern bestätigt.

Werner Backeberg (SPD) in Uetze behält seinen Arbeitsplatz ebenso wie Claus Schacht-Gaida (SPD) in Hemmingen – beide erhielten im ersten Durchgang mehr als 60 Prozent der Stimmen. In Wunstorf bleibt Rolf-Axel Eberhardt (CDU) im Amt, in Isernhaben behauptete sich der Christdemokrat Arpad Bogja – auch hier waren Stichwahlen nicht nötig. Bürgermeister in der Wedemark bleibt ein Sozialdemokrat, Helge Zychlinski.

Wennigsen am Deister wird weiter von dem Phänomen Christoph Meinecke regiert: Der bundesweit beachtete Einzelbewerber bestätigte seinen Erfolg mit einem unkonventionellen Wahlkampf und holte fast
90 Prozent der Stimmen. gum

Region Lehrte und Großburgwedel laufen Sturm - Widerstand gegen Pläne des Klinikums
13.10.2014
12.10.2014
Region Bevölkerungsentwicklung - Burgdorf und Sehnde legen zu
08.10.2014