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Region Nachfolge im Chefsessel: IHKN-Report deckt Defizite auf
Region Nachfolge im Chefsessel: IHKN-Report deckt Defizite auf
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21:13 19.10.2017
WARNT: IHKN-Geschäftsführer Horst Schrage
WARNT: IHKN-Geschäftsführer Horst Schrage Quelle: Foto: dpa
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HANNOVER

Noch fast alles ungeklärt – so kann man grob zusammenfassen, was der Nachfolgereport der IHK in Niedersachsen zu Tage bringt. Jedenfalls gilt das für eine großen Teil der älteren Unternehmer im Lande. Demnach haben drei Viertel der über 500 befragten Unternehmer im Alter zwischen 55 und 74 Jahren noch keine verbindliche Nachfolgerregel getroffen; mehr als ein Fünftel (23,6 Prozent) hat gar überhaupt noch keine Aktivität entfaltet, um seine Nachfolge zu regeln. Aus Sicht des IHKN-Hauptgeschäftsführers Horst Schrage ein riskantes Spiel, denn „die Mehrheit der Unternehmer bewegt sich leider auf dünnem Eis. Wenn der Ernstfall eintritt, wird es viele Unternehmen kalt erwischen.“

Wesentliche Ursachen dieser Situation sieht Schrage im aktuellen Arbeitsmarkt, der „potenziellen Nachfolgern viele attraktive Alternativen bietet“ und darin, dass eine Tradition wohl kippt: „Der Automatismus vergangener Tage, nämlich dass Tochter oder Sohn den Betrieb übernehmen, ist keine Selbstverständlichkeit.“ Laut dem IHKN-Nachfolge-Report sehen über die Hälfte der Seniorunternehmer in der Nachfolgersuche die zentrale Herausforderung.

Wie drängend das Problem in der Region Hannover ist, hat jüngst die Hypo-Vereinsbank analysiert und dafür Statistiken und ihre Beratungspraxis betrachtet. Erkenntnis: Bis ins Jahr 2025 muss in der Region für etwa 2100 Firmen mit rund 120 000 Beschäftigten die Nachfolge geregelt werden (NP berichtete) Die Lücke zwischen übergabereifen Firmen und Interessenten war bis 2011 okay: Es gab mehr Menschen, die sich dafür interessierten, ein bestehendes Unternehmen zu übernehmen, in irgendeiner Form. Seit fünf Jahren läuft die Sache mit der Nachfolge für alternde Gründer dramatisch in die falsche Richtung: Zuletzt ließen sich bundesweit gut 1500 potenzielle Nachfolger weniger beraten, als Senior-Unternehmer jemanden suchten, der ihr Werk fortführt (laut DIHK-Report im Jahr 2015).

Der aktuelle IHKN-Nachfolgereport offenbart auch, dass 39 Prozent der Befragten eine Nachfolge innerhalb der Familie planen, 36 Prozent sucht einen Kandidaten außerhalb des Unternehmens, nur 25 Prozent schaut sich intern um. Das wichtigste Ziel ist für 60 Prozent der Fortbestand des Unternehmens. Nur 15 Prozent streben mit ihrer Nachfolgeregel einen möglichst hohen Verkaufspreis an – wobei Existenzgründer (43 Prozent) und Wettbewerber (40 Prozent) eher als Käufer erwünscht sind denn Finanzinvestoren (17 Prozent).

Um das Problem anzugehen, fordert die IHKN von der Politik, sie möge die beschlossene Erbschaftssteuerreform „schnell mittelstandsgerecht umsetzen“, zudem soll das Thema „Wirtschaft und Unternehmertum“ bundesweit in den Schulen „verankert“ werden und müssten die Regularien für den Berufszugang auf den Prüfstand gestellt werden, ebenso die Förderprogramme des Landes (da sollen solche mit kleinen Fallzahlen gestrichen und solche, die etwa schon die KfW anbietet, gestrichen werden).

Von Ralph Hübner