Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Nachrichten Offene Kirche bietet Ruhe und Gespräch
Region Lehrte Nachrichten Offene Kirche bietet Ruhe und Gespräch
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:10 30.12.2018
Nach dem Einkauf auf dem Markt in die Kirche: Auch Birgit Baars nutzt die offene Kirche und zündet bei ihrem Besuch gern eine Kerze am Fürbittenleuchter an.
Nach dem Einkauf auf dem Markt in die Kirche: Auch Birgit Baars nutzt die offene Kirche und zündet bei ihrem Besuch gern eine Kerze am Fürbittenleuchter an. Quelle: Katja Eggers
Anzeige
Lehrte

Die Offene Kirche hat in Lehrte mittlerweile Tradition. Immer wenn sonnabends auf dem Marktplatz der Wochenmarkt für Trubel sorgt, macht die Matthäuskirche von 10 bis 12 Uhr ihre Türen auf. Die Besucher nutzen das Angebot aus ganz unterschiedlichen Gründen. Für die Einen ist das Gotteshaus ein Ort der Besinnung, Ruhe und Zuflucht. Andere suchen dort das Gespräch und ein wenig Geselligkeit. Wieder andere wollen etwas über die Architektur der Kirche erfahren oder sich im Winter einfach nur mal aufwärmen.

Viele verbinden den Besuch der Kirche mit dem Einkauf auf dem Wochenmarkt. So auch Birgit Baars. „Ich genieße es, dass es hier dann ganz ruhig ist und dass ich innehalten kann“, sagt die Lehrterin. Fast immer zündet sie dann auch eine Kerze am Fürbittenleuchter an. Manchmal setzt sie sich aber auch an den großen Tisch im Foyer der Kirche.

Denn jeden Sonnabend ist stets auch ein Ehrenamtlicher aus der Gemeinde in der Kirche und steht Besuchern für Gespräche zur Verfügung. Sechs Helfer sind es derzeit, drei haben gerade aufgehört. Sie werden am Sonntag, 6. Januar, 10 Uhr, in einem Gottesdienst verabschiedet, gleichzeitig werden neue Kräfte begrüßt. „Damit wollen wir diesen eher stillen Dienst, der ansonsten gar nicht so wahrgenommen wird, entsprechend würdigen“, erklärt Pastorin Gesa Steingräber-Broder.

In der Matthäuskirche finden Besucher sonnabends von 10 bis 12 Uhr Ruhe und Besinnung. Quelle: Katja Eggers

Die offene Kirche gibt es in Matthäus bereits seit 1984. Der damalige Diakon führte sie in der Weihnachtszeit ein. Bis heute hält ein Team Ehrenamtlicher das Angebot am Laufen, dafür gibt es sogar Dienstpläne. „Viele wissen gar nicht, dass die Matthäuskirche sonnabends für zwei Stunden öffnet – außer zu Gottesdiensten und Veranstaltungen ist die Kirche ja sonst geschlossen“, erklärt Steingräber-Broder. Das Angebot verbinde den Wochenmarkt mit der Kirche und damit Nahrung für den Laib mit Nahrung für die Seele. „Es funktioniert aber nur, wenn der Markt auch tatsächlich an der Kirche bleibt“, betont die Pastorin. Als seinerzeit über eine Verlegung des Wochenmarktes vor das Citycenter an der Burgdorfer Straße diskutiert wurde, sei daher ein Aufschrei durch die Gemeinde gegangen.

Als es in der Vergangenheit auch noch mittwochs einen Wochenmarkt gab, habe man die Kirche auch an diesem Tag regelmäßig geöffnet. Besucher hätten dieses Angebot jedoch nicht genutzt. Auch die damals gereichten Schmalzbrote und warmer Tee stießen nicht auf Resonanz. „Die Leute fühlten sich verpflichtet, sich hinzusetzen und etwas zu spenden“, erinnert sich Juliane Schmidt, die die offene Kirche 1984 mit ins Leben gerufen hat. Heute würden viele Besucher nur kurz im Vorraum grüßen und gleich weiter zum Altar gehen. „Das sehen wir dann als Zeichen, dass sie lieber allein sein möchten, da drängen wir uns auch nicht auf“, sagt Helferin Angela Busse.

Andere Besucher würden indes gezielt das Gespräch suchen. Auch Trauernde, Menschen mit Depression und Obdachlose waren schon zu Gast. Viele kommen regelmäßig, andere seien sonst keine Kirchgänger. Mechthild Witzmann, die nach 18 Jahren aus dem Team ausscheidet, kann sich zudem an Besucher erinnern, die nach langer Zeit mal wieder schauen wollten, wie sich die Kirche verändert hat. „Die haben dann früher in Lehrte gewohnt oder hier in der Kirche geheiratet“, berichtet Witzmann.

Laut Koordinatorin Anita Ebensen nutzen derzeit durchschnittlich um die 20 Besucher regelmäßig die offene Kirche. „Je mehr auf dem Markt los ist, desto mehr kommen auch in die Kirche“, sagt sie.

Das aktuelle Team der offenen Kirche und seine Ehemaligen (von links): Mechthild Witzmann, Doris Klotzsch, Juliane Schmidt, Reinhard Lieske, Rosemarie Thiele, Angela Busse, Anita Ebensen und Inge Helbing. Quelle: Katja Eggers

Von Katja Eggers