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Nachrichten "Mit 80 darf auch mal Schluss sein" – Iltens letzter Müller hört auf
Region Lehrte Nachrichten "Mit 80 darf auch mal Schluss sein" – Iltens letzter Müller hört auf
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00:20 16.06.2019
Fritz Weber macht seine Mühle an der Hindenburgstraße in Ilten zu. Quelle: Katja Eggers
Ilten

Wenn Müllermeister Fritz Weber zum 29. Juni seinen Mühlenbetrieb schließt, geht in Ilten eine fast 160-jährige Familientradition zu Ende. Denn zum Unternehmen Mühlen-Weber gehörte nicht nur die Kleinmühle nebst Landhandel an der Hindenburgstraße 27. Webers Vorfahren betrieben in der Umgebung einst auch Windmühlen.

Los ging alles mit der Bockwindmühle an der Straße nach Bilm. Die übernahm Webers Urgroßvater und Firmengründer Wilhelm im Jahr 1860. Als die Bäume im Park der damaligen Wahrendorffschen Anstalten immer größer wurden, blieb jedoch der Wind weg und es wurde immer schwieriger, die Mühle zu betreiben. Wilhelm Weber suchte einen neuen Standort und erbaute 1889 eine Holländermühle an der Bundesstraße 65 nördlich von Ilten. Die alte Bockwindmühle wurde 1930 abgerissen, dort ist jetzt das Café Tessen beheimatet.

Holländermühle ist jetzt ein Wohnhaus

Mit der Bockwindmühle ging 1860 alles los. Quelle: Katja Eggers

Die Holländermühle erbte derweil Wilhelm Webers erster Sohn Rudolf. Mittlerweile wurde das Gebäude zum Wohnhaus umfunktioniert. Für den zweiten Sohn Heinrich errichtete dessen Schwiegervater 1903 an der Hindenburgstraße 27 die besagte Kleinmühle nebst Lebensmittelladen. Weil es weit und breit die einzige Mühle war, die seinerzeit mit einem Elektromotor betrieben wurde, war sie auch bei den Müllern der Windmühlen gefragt. „Wenn kein Wind war, kamen die zu uns zum Mahlen“, erklärt Weber.

1932 übernahm Webers Vater Friedrich den Mühlenbetrieb und ließ das Gebäude in den folgenden Jahren immer wieder umbauen und aufstocken. Auch die Mühlentechnik wurde mehrfach modernisiert, unter anderem im Jahr 1956. „Da gehörten wir dann sogar zu den modernsten Kleinmühlen in Niedersachsen“, berichtet Weber.

Mühle mahlte einst zwölf Tonnen Getreide am Tag

Von 1960 bis 1975 war der Müllermeister Geschäftsführer des Mühlenbetriebes, ab 1975 durfte er sich auch Eigentümer nennen. Seine Elektromühle hat 1969 zum letzten Mal gemahlen. In den Mühlenräumen scheint die Zeit seitdem stehen geblieben zu sein. Unter der alten Mischmaschine mit dem großen Trichter stehen noch die Säcke. Die Dezimalwaage und die Tafelwaage mit den schweren Eisengewichten sind auch noch da. An der Wand prangt ein Schwarzweißfoto von Marylin Monroe, die der Müllermeister bis heute verehrt.

Auf der alten Tafelwaage stehen noch die Eisengewichte. Quelle: Katja Eggers

In Webers Kleinmühle wurden in der Vergangenheit rund zwölf Tonnen Getreide am Tag gemahlen. „Das war schwere körperliche Arbeit“, berichtet Weber. Vor allem das Tragen der zentnerschweren Säcke war ein Knochenjob. Im angrenzenden Geschäft wurden jahrelang Getreide, Futtermittel, Eier und Kartoffeln gehandelt. Ganz früher hat Webers Großmutter dort einen Kolonialwarenladen betrieben.

Ab dem Jahr 1992 beschränkte sich Weber dort auf den Verkauf von Eiern und Kartoffeln. In jüngster Zeit öffnete er nur noch zweimal in der Woche. Bis zuletzt habe er einen Stamm von 400 Kunden gehabt. „Manche kamen nur einmal im Jahr, um einen bestimmten Dünger oder Pflanzkartoffeln für den Garten zu kaufen“, berichtet Weber.

Vielleicht ein Mühlenmuseum?

Was jetzt mit seiner Mühle passiert, ist offen. Vor zwei Jahren hatten zwei Gesellen aus einer Mühle bei Celle Interesse bekundet, das Projekt verlief jedoch im Sande. Weitere potenzielle Nachfolger hat Weber nicht gefunden. „Meine Branche stirbt aus“, sagt er. Mehl würde heute nur noch von Großmühlen gemahlen. Kleinmühlen würden nach und nach schließen. Die Region Hannover habe jedoch angefragt, ob Weber nicht ein Mühlenmuseum einrichten möchte. Der Müllermeister hat sich jedoch erst einmal Bedenkzeit ausgebeten. Dass er seinen Betrieb jetzt nach so vielen Jahren schließen muss, macht den agilen 80-Jährigen aber keineswegs traurig. „Ich schaue immer nach vorne“, sagt Weber und lacht.

Von Katja Eggers

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