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Nachrichten Eltern klagen für einen Integrationsplatz in Kita
Region Lehrte Nachrichten Eltern klagen für einen Integrationsplatz in Kita
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00:16 04.01.2019
Mandy Nesemann freut sich über den Betreuungsplatz für ihren Sohn Moritz (14 Monate) .
Mandy Nesemann freut sich über den Betreuungsplatz für ihren Sohn Moritz (14 Monate) . Quelle: Patricia Oswald-Kipper
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Lehrte

Nach viel Ärger, viel Hin und her und sogar einer Klage gegen die Stadt Lehrte hat Familie Nesemann aus Lehrte nun einen Betreuungsplatz in einer Integrationsgruppe für ihren Sohn, der mit einem Down-Syndrom auf die Welt kam, erhalten.

Weil es in Lehrte bislang keine Integrationskrippenplätze gibt, war Moritz (14 Monate) seit Sommer 2018 bei einer Tagesmutter in Lehrte untergebracht. „Bei ihr konnten wir allerdings die notwendigen Therapien für unseren Sohn nicht durchführen“, sagt Mutter Frauke Nesemann. Zudem habe ihr Sohn dort zunächst nur bis 12 Uhr betreut werden können. Die Therapien mit einer externen Fachfrau wurden in den vergangenen Monaten zweimal die Woche nachmittags zu Hause durchgeführt. Vater Michael Nesemann musste unter anderem aufgrund der umfangreichen Betreuungsstunden die Stundenzahl bei seinem Arbeitgeber um die Hälfte reduzieren, was die finanzielle Situation der Familie, die noch einen zweiten Sohn hat, enorm verschlechterte. „Das hat uns ganz schön reingerissen“, sagt Michael Nesemann. Mindestens bis 14 Uhr müsse eine Betreuung sichergestellt sein, um so viel arbeiten zu können, damit die Familie finanziell über die Runden komme, meint Michael Nesemann.

Familie Nesemann sah sich aufgrund des mangelnden Therapieangebots bei der Tagesmutter benachteiligt und verklagte die Stadt Lehrte. Vor wenigen Wochen später bot man der Familie nun für ihren Sohn einen Platz in einer städtischen Einrichtung in Ahlten an. Aus Mangel an entsprechenden Plätzen für Unter-Dreijährige wird Moritz Nesemann ab Mitte Januar in einer integrativen Kindergartengruppe betreut. „Wir sind sehr sehr erleichtert, dass das jetzt geklappt hat“, sind sich Frauke und Michael Nesemann einig. „Das nimmt uns eine große Last.“

Bei der Stadt Lehrte sieht man kein Versäumnis. Die Stadt sei bemüht, „für jedes Kind den optimalen Betreuungsplatz zu finden“, sagt Stadtsprecher Fabian Nolting. Und nicht jedes Kind müsse in einer Einrichtung untergebracht werden. Tagesmütter ergänzten das Betreuungsangebot – auch für behinderte Kinder gebe es Angebote, so Nolting. Bislang habe es einfach keine Nachfrage nach integrativen Krippenplätzen gegeben. Deswegen habe die Stadt auch kein Angebot vorgehalten, so Nolting.

Die Stadt will in dem Bereich aber nun aber nachrüsten. „In den geplanten neuen fünf Kitas wird es ein entsprechendes Angebot geben“, erklärt Nolting. Vor 2020/21 sei damit aber nicht zu rechnen.

Dennoch will Michael Nesemann sein Engagement für mehr Krippenplätze in Lehrte nicht so schnell aufgeben. Er kenne weitere Familien, die auf einen Platz warteten, sagt er. “Was sich die Stadt Lehrte bei dem Thema leistet, ist unglaublich“, meint der Familienvater. Im aktuellen Kitajahr fehlen nicht nur rund 160 Krippenplätze, sondern auch fast 100 Kitaplätze. Nesemann hat zusammen mit anderen Eltern aus diesem Grund bereits eine Demonstration für den 1. März 2019 auf dem Lehrter Rathausplatz angemeldet. Die Eltern wollen an diesem Tag gegen die Kitapolitik der Stadt protestieren.

Nur wenige integrative Krippenplätze in der Region

Die Region Hannover hat bislang noch keine Statistik über Krippenplätze in sogenannten integrativen Gruppen in den Umlandkommunen erstellt. Es gibt in den Kommunen vereinzelt Plätze. Laut Regionssprecherin Sonja Wendt haben „Kinder mit einem festgestellten besonderen Förderbedarf“ grundsätzlich Anspruch auf einen integrativen Betreuungsplatz in einer Kindertagesstätte – in einer integrativen Gruppe oder als Einzelintegration.

Katrin Sommerfeld berät bei der Einrichtung Menschenskind Eltern von Kindern mit Behinderung in Hannover und der Region. Für sie sind die Nesemanns kein Einzelfall. In der Region Hannover gebe es bislang kaum Plätze für die Betreuung von behinderten unter Dreijährigen. Die meisten Kommunen verfügten nur über ein kleines Angebot. „Es gibt aber auch Kommunen wie Lehrte oder Isernhagen, die sich da noch gar nicht auf den Weg gemacht haben“, sagt Sommerfeld. Den Eltern werde es schon schwer gemacht, zu erfahren, in welchen Einrichtungen Plätze angeboten werden: „Es gibt keine übergeordnete Stelle, die alle Plätze auflistet und diese verteilt“, sagt Sommerfeld. Die Eltern müssten jede Kita in der Region selber anfragen. Die Betreuung in einer Krippe biete mehr Förderung als eine Tagesmutter, sagt Sommerfeld: „In einer integrativen Krippe gibt es zehn Stunden Heilpädagogik pro Woche für jedes Kind – und es sind speziell ausgebildete Kräfte, die das Kind betreuen“, sagt sie. Für berufstätige Eltern seien diese Therapiestunden zu den anderen Arztterminen, die mit ihrem Kind sowieso anfielen, am Nachmittag „nur schwer unterzubringen“.pos

Von Patricia Oswald-Kipper