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Region Lehrte Nachrichten Lehrter Wochenmarkt feiert 150-jähriges Bestehen
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18:30 06.09.2019
Für viele Ältere dürften da Erinnerungen wach werden: Der Wochenmarkt an der Matthäuskirche um 1960 in der Straße An der Masch. Quelle: Stadtarchiv Lehrte
Lehrte

Es war am 17. Dezember 1869: Da boten, soweit bekannt, erstmals Händler und Bauern ihre Kartoffeln, Kohl, Eier und Wurstwaren auf einem Markt in Lehrte an. Da war Lehrte noch keine Eisenbahnerstadt, sondern ein kleines Dorf. Noch nicht einmal einen Kaiser gab es, und auch die Matthäuskirche stand noch nicht. Doch eine Tradition nahm damit ihren Lauf und überlebte bis jetzt eineinhalb Jahrhunderte: Am nächsten Wochenende wird das 150-jährige Bestehen des Lehrter Wochenmarkts rund um die Matthäuskirche gefeiert.

Wo alles anfing, ist unbekannt

Vermutlich gab es sogar schon vorher einen Markt im alten Dorf, wie es heute genannt wird. Denn die Geschichte der Märkte reicht bis ins Mittelalter. Ab dem zehnten Jahrhundert bildeten sich viele Städte und damit auch zentral gelegene Marktplätze wie in Lehrte. In der Nähe gab es ja schon die Nikolauskirche, die seit dem Jahr 1302 urkundlich nachgewiesen ist. Doch genau sei das nicht bekannt, sagt Stadtarchivar Jens Mastnak. „Die Überlieferungen dafür sind sehr dünn.“ Dafür müsste man im Niedersächsischen Landesarchiv weitere Nachforschungen anstellen.

So wisse man auch nicht, wo die Stände oder Karren mit Lebensmitteln ursprünglich gestanden hätten. Genauso wenig sei bekannt, wann die Händler ihre Waren erstmals an der Matthäuskirche feilboten, die in den Jahren 1874 bis 1876 erbaut wurde. Lehrte bekam erst 1898 vom Kaiser die Stadtrechte verliehen – fast 30 Jahre nach Beginn des bis dato nachgewiesenen Wochenmarkts.

Fest steht nur, dass der Wochenmarkt seit den späten Fünfzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts zweimal die Woche zunächst rund um die Kirche und vor allem in der Straße An der Masch stattfand und dann später auf den heutigen Kirchplatz wanderte. Da ist es kein Wunder, dass die Matthäuskirche deswegen im Volksmund auch Marktkirche genannt wird. 2008 übernahm die Attraktive Wochenmärkte GmbH den Markt und reduzierte ihn aufgrund der Supermarktkonkurrenz etwas später auf einen Wochentag. Seitdem gibt es dort jeden Sonnabend frische, überwiegend regionale Lebensmittel, Blumen, Backwaren und Textilien.

Verlegung lehnten Lehrter ab

Auch wenn er nicht mehr die Bedeutung hat wie früher: Für viele Lehrter ist der Wochenmarkt unverzichtbar. Quelle: Katja Eggers (Archiv)

Die von SPD und Gründen vor zwei Jahren aufgebrachte Idee, den Wochenmarkt ins Zuckerzentrum oder die Burgdorfer Straße zu verlegen, scheiterte jedoch im ersten Fall am Widerstand der Lehrter und im zweiten an dem der Betreiber. Stammkunden kommen nicht nur aus der Kernstadt, sondern auch aus den Ortsteilen. Doch die Zahl der Stände und die Kundenfrequenz ist jedoch mit dem früherer Zeiten nicht mehr zu vergleichen, da die meisten Menschen ihre Lebensmittel in Discountern kaufen.

Börsings verkaufen seit 1947 Textilien

Seit mehr als 50 Jahren sind Kurt und Karin Börsing jeden Sonnabend mit ihren Textilien auf dem Wochenmarkt vertreten – doch die Familientradition geht noch viel länger zurück. „Unserer Eltern waren nachweislich bereits seit 1947 auf dem Wochenmarkt in Lehrte vertreten“, sagt das Ehepaar. Mit dabei haben sie Kleidung für jede Jahreszeit. „Wir haben uns aber unter anderem auf Wäsche und Strümpfe spezialisiert“, sagt Karin Börsing.

In der dritten Generation ist der Spargelhof Lübbe auf dem Lehrter Wochenmarkt präsent. „Von Äpfeln bis Zwiebeln haben wir fast alles im Angebot“, sagt Tanja Lübbe, die den Betrieb gemeinsam mit Matthias Lübbe führt. Das Unternehmen aus Burgdorf ist seit 1957 mit Gemüse und Obst von Orangen und Kirschen bis Blumenkohl und Paprika vor Ort, erst 1976 kam der Spargelanbau dazu.

Seit immerhin mehr als 30 Jahren kommt auch der Bioland Bauer Stolze an die Mätthäuskirche. Regionale Produkte biologisch anbauen lautet seine Devise nach der Umstellung seines ursprünglich traditionellen Landwirtschaftsbetriebs auf Bioprodukte. „In unserer eigenen Schlachterei stellen wir 40 verschiedene Fleisch- und Wurstsorten her“, sagt Hendrik Stolze. Und bald soll es auch Bioland-Eier geben, erst im Juli hat die Familie einen eigenen Hühnerstall gebaut.

Darüber hinaus finden die Kunden auch Fischwaren, Tiroler Schmankerl wie Grammelschmalz und Schüttelbrot, Backwaren aus einem Steinofen, der seit 1959 ununterbrochen in Betrieb ist und niemals ausgemacht wird sowie frische Blumen direkt vom Feld, Pflanzen für den Balkon und Gestecke auf dem Wochenmarkt vor. Und wenn die nächsten Kundengenerationen bei der Stange bleiben, ist das vielleicht auch in 150 Jahren noch so.

Jubiläum wird von Aktionstag begleitet

Das Jubiläum zum 150-jährigen Bestehen des Wochenmarkts wird am Sonnabend, 14. September, von 8 bis 14 Uhr mit einem Aktionstag begleitet. So präsentiert Falk Laxander die ganze Zeit über etwa Schmiedekunst, und die Spinnerin Roswitha Schrader gibt ebenfalls Einblicke in ihr Handwerk. Um 10 und um 11 Uhr gibt es eine Turmführung in der Matthäuskirche, dort zeigen zudem die Nordsternquilter und Annette Tatchen von 9 bis 13 Uhr eine Quilt-Ausstellung. Diakon Sven-Oliver Salzer lädt von 10 bis 12 Uhr zur Kinderkirche unter dem Motto Speisung der 5000 ein, und um 13 Uhr hält Pastorin Dorothea Jahns eine Andacht. Von 10 bis 13 Uhr ist darüber hinaus Livemusik des Bernd Rüter Jazztrios zu hören. Angebote der Händler, ein Glücksrad und ein Kürbisgewinnspiel runden das Programm genauso ab wie kulinarische Köstlichkeiten von Geschäftsleuten wie der Bäckerei Maaßen, die seit 120 Jahren besteht, des Cafés am Markt (seit 70 Jahren) sowie der Metzgerei Stache (seit 59 Jahren).

Von Oliver Kühn

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