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Region Lehrte Nachrichten Schauspiel ist wie ein szenisches Blitzgewitter
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00:20 29.04.2019
Wieviel ist Liebe wert? Diese Frage stellt sich auch beim freizügigen Angebot einer Prostituierten an ihren Freier, gespielt von Sandra Förster und Helge Gutbrod. Quelle: Susanne Hanke
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Lehrte

Leise Töne und behutsame Annäherungen wechseln mit lauten, aggressiven Ausbrüchen und Rangeleien. Diesen Spagat der Gefühle beherrschen die Schauspieler des Theaters der Altmark in dem Schauspiel „Die Wiedervereinigung der beiden Koreas“, das am Donnerstagabend im Kurt-Hirschfeld-Forum zu sehen ist, perfekt. Viel Zeit bleibt den Akteuren nicht, um die schwankenden Stimmungen darzustellen. Denn in nur kurzen Sequenzen des Stücks spulen sie ein Kaleidoskop der Emotionen ab. Autor Joel Pommerat hat sie in seinem Stück über die Unwahrscheinlichkeit der Liebe quasi wie Blitzlichter positioniert. Das wirkt fast schockierend und ist höchst eindrucksvoll.

Pommerat beleuchtet dabei alltägliche Situationen, die er in der Kürze überspitzt darstellen lässt. So eskaliert ein Gespräch mit einem Pädagogen und Eltern über ihren Sohn in Minutenschnelle. Die Fürsorge des Lehrers für seinen Schüler wird von den Eltern als Missbrauch gedeutet. Auch hier geht es um die Definition von Liebe, die schließlich der Zuschauer für sich beantworten muss –und dieses eigentlich gar nicht kann.

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Herausforderung für Schauspieler und Publikum

Denn schon wird das Publikum in die nächste Szene hineingezogen, die eine Frau und einen Mann zeigt, die auf ihren jeweiligen Ehepartner warten. Hier ist Situationskomik Trumpf. Auch ohne viel Worte ist zu erahnen, dass sich zwei einsame Herzen zueinander hingezogen fühlen und die Ehepartner fremd gehen.

Skurril wird es bei der Sequenz, in der es um ein Ehepaar geht, das sich sich seine Kinder in ihrer Fantasie vorstellt und dafür eine reale Babysitterin einstellt. So entstehen immer wieder neue Bilder, die für die Zuschauer und Schauspieler gleichermaßen eine Herausforderung darstellen, auf die sich aber beide gern einlassen.

Wie schnell eine Freundschaft zerbrechen kann, zeigen Frank Siebers und Jochen Gehle. Quelle: Susanne Hanke

Als Glanzlichter fungieren dabei die ebenfalls sehr kurzen musikalischen Herz-Schmerz-Einlagen. In Glitzerkostüm und mit Luftballons wird der kitschigen Liebesvariante eine Stimme gegeben. Denn es gibt Hoffnung für die Liebe. Auch in der Realität ist inzwischen eine vorsichtige Annäherung der beiden Koreas zu beobachten.

Der Sohn zieht in den Krieg. Mutterliebe steht gegen Vaterstolz und zerreißt das Ehepaar, gespielt von Barbara Wurster und Frank Siebers. Ole Xylander im Hintergrund. Quelle: Susanne Hanke

Von Susanne Hanke