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Region Lehrte Nachrichten Ein Automat für den sicheren Drogenkonsum
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14:19 23.04.2019
Thomas Tschirner (links), Leiter der Drogenberatungsstelle Lehrte, und Sponsor Steffen Felix von der Felix GmbH zeigen den Automaten an der Bahnhofstraße, der saubere Utensilien zum Drogenkonsum bereit stellt. Quelle: Gabriele Gerner
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Lehrte

Einweg-Spritzen, Crack-Pfeifen, Alkoholtupfer: All das sind Dinge, die man nicht unbedingt in einem Automaten vermuten würde. In Lehrte gibt es jetzt solch einen Automaten. Er befindet sich an der Drogenberatungsstelle Lehrte (DroBeL) an der Bahnhofstraße und soll dabei helfen, dass suchtkranke Menschen ihre Droge sauber konsumieren und sich nicht mit HIV und Hepathitis infizieren. Möglich gemacht hat diesen außergewöhnlichen Service das Bauunternehmen Felix GmbH, das den Automaten an der DroBeL mit 1500 Euro sponsert. Die kompletten Anschaffungskosten belaufen sich auf 1680 Euro.

„Mit dem Angebot stellen wir uns auf das Konsumverhalten unserer Klienten ein“, sagt DroBeL-Leiter Thomas Tschirner. Während Heroin fast gar nicht mehr konsumiert werde, habe die Verbreitung von Kokain und Crack stark zugenommen. „In Lehrte hat sich inzwischen eine regelrechte Crack-Szene entwickelt“, meint Tschirner. Darauf müsse man sich einrichten und den möglichen Folgen der Sucht entgegenwirken.

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Angebot soll Infektionen vermeiden helfen

Damit die Suchtkranken Heroin nicht in mehrfach benutzten Löffeln oder auf den Kopf gestellten Coladosen erhitzten und Crack-Konsumenten Röhrchen zum Inhalieren immer wieder verwendeten, biete die DroBeL nun spezielle erhitzbare Alufolie und Einmalstrohhalme für den Konsum an, erläutert der Leiter der Beratungsstelle. Zum Verflüssigen der Droge hält der Automat sogar destilliertes Wasser vor, „damit Drogenkranke nicht in ihrer Not verunreinigtes Wasser aus Pfützen verwenden“, wie Tschrirner schilder. Denn so etwas komme durchaus vor.

Auch Filter, die Schmutz aus der Droge filtern, und Spritzen sowie Kanülen in verschiedenen Größen gibt der Automat aus, ebenso wie Einmal-Crack-Pfeifen und Kondome. 50 Cent kostet jedes Päckchen, das die DroBeL-Mitarbeiter vorab sorgfältig zusammenstellen.

Angebot ist nicht neu, der Automat sehr wohl

Dass Utensilien zum geschützten Drogenkonsum bei der DroBeL ausgegeben werden, ist an sich nichts Neues. Bislang war dies allerdings nur während der Geschäftszeiten montags bis freitags von 8 bis 17 Uhr möglich. Jetzt können Suchtkranke auch abends oder nachts, am Wochenende und an Feiertagen an saubere Hilfsmittel gelangen. „Das ist extrem wichtig, um eine Ansteckung mit schweren Krankheiten zu vermeiden“, sagt Steffen Felix, dessen Firma die Anschaffung des Automaten ermöglicht hat.

Auch Kondome sind gefragt

Bevor der Automat gekauft wurde, hatten die DroBeL-Mitarbeiter eine Abfrage unter ihren Klienten durchgeführt, welche Dinge darin angeboten werden sollen. Dabei gab es auch für die Fachleute Überraschungen – etwa, dass auch günstige Kondome gebraucht werden, und zwar für Menschen, die ihren Drogenkonsum mit Sexdienstleistungen finanzieren.

Rund 40 Päckchen wurden aus dem Automaten bereits entnommen – innerhalb eines knappen Monats seit der Aufstellung des Geräts. Das übersteigt sogar die Erwartungen des DroBel-Teams. „Aber das zeigt, dass wir mit dem Automaten auf dem richtigen Weg sind“, sagt Tschirner.

Die DroBeL feiert 25-jähriges Bestehen

Am Mittwoch, 22. Mai, feiert die Drogenberatungsstelle Lehrte (DroBeL) ihr 25-jähriges Bestehen. Zwischen 14 und 18 Uhr wird in der Einrichtung an der Bahnhofstraße 12 ein Programm für die ganze Familie angeboten: Ein Rauschbrillen-Parcours, eine Tombola und viele Informationen – unter anderem der Selbsthilfe – sollen für einen interessanten Nachmittag sorgen.

Von Gabriele Gerner