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Nachrichten Rettung für Eishalle von Lenny Soccio
Region Langenhagen Nachrichten Rettung für Eishalle von Lenny Soccio
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00:16 01.08.2014
Von Rebekka Neander
Andreas Schilin (v. l.), Betriebshofsleiter Ceno Anders und Karsten Lüdtke präsentieren die neuen Schilder, die den Weg zur Eishalle weisen. Sie werden montiert, sobald der nötige Hubsteiger verfügbar ist – voraussichtlich am Donnerstag. Quelle: Neander
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Langenhagen

Mit der Zahlung löst die Stadt die Halle aus der Insolvenzmasse. Alle beweglichen Güter wie die Eisanlage oder die Küchenausstattung bleiben davon unberührt. Die Stadt zahlt überdies 50 000 Euro, um aufgelaufene Energiekosten zu begleichen. Dieser Betrag wird jedoch in zwei Jahresraten an die Stadt zurückgezahlt. Die letztlich deutliche Mehrheit bei nur fünf Gegenstimmen in nicht öffentlicher Sitzung kam für alle Beteiligten überraschend.

Den künftigen Betrieb der Halle mit Eissport und Veranstaltungen übernimmt die Eisraum GmbH, eine Betreibergesellschaft, die von Insolvenzverwalter Peter Baumgarte ins Leben gerufen worden ist. Zu den Geschäftsführern gehört Christian Borns, ein Kanzleimitarbeiter von Baumgarte. Die Eisraum GmbH kann ihrerseits den Betrieb der Halle an Marco Stichnoth vergeben, der die Halle bereits eine Spielzeit mit den Hannover Scorpions belegt und zudem ein neues gastronomisches Konzept in der Herzblut-Bar etabliert hat. Vor allem der dadurch gestiegene Zuspruch bei Gästen hat in der Politik überzeugt.

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Dem Vernehmen nach geht es bei den noch ausstehenden Vertragsverhandlungen zwischen der Stadt und Baumgarte um die Laufzeit für die Eisraum GmbH. Um alle bestehenden Verpflichtungen beispielsweise mit Brauereien oder auch Enercity als Versorger befriedigen zu können, sind zehn Jahre oder auch zweimal fünf Jahre im Gespräch. Beide Fristen gäben der Halle erstmals eine langfristige Perspektive.

Erstes sichtbares Zeichen für die Rettung der Halle werden Schilder sein, die bislang mit Hinweis auf die ungeklärte Lage der Halle von der Stadt verweigert worden waren. Die ebenfalls noch nicht fertiggestellten Außenanlagen will die Stadt erst endgültig in Angriff nehmen, wenn sich zeige, dass der Betrieb der Halle eine solide finanzielle Zukunft habe, wie Bürgermeister Friedhelm Fischer am Dienstag auf Nachfrage erläuterte. Auch die noch ausstehende endgültige Bauabnahme werde dann in die Wege geleitet. Dabei geht es vorrangig um noch nicht abgeschlossene Wartungsverträge für Brandschutzanlagen in der Halle.

Dringlich geworden war der Ratsbeschluss, nachdem vor Kurzem ein Investor aus Kassel die Stadt und Baumgarte mit unterschriftsreifen Verträgen sitzengelassen hatte. Warum dieser Unternehmer nach wochenlangen Verhandlungen und für ihn kostenintensiven Gutachten abgesprungen ist, bleibt für alle Beteiligten bis heute ein Rätsel. Dem Vernehmen nach war nach diesem jüngsten Scheitern Unruhe im Gläubigerausschuss aufgekommen. Länger habe man auf zwischenzeitlich neuerliche Außenstände nicht mehr warten wollen. Eine erneute Wintersaison wäre somit unmöglich geworden.

Der jetzt verhandelte Preis, mit dem alle zugunsten der Volksbank im Grundbuch eingetragenen Lasten gelöscht werden, ist nur noch ein Bruchteil der eigentlichen Hypothek von mehr als drei Millionen Euro. Wären alle Verhandlungen gescheitert, hätte die Stadt nach Ablauf des Erbpachtvertrages theoretisch nicht nur diese Schuld, sondern auch die Zinsen aus 20 Jahren begleichen müssen.

Lenny Soccio äußerte sich Dienstag noch etwas verhalten: „Wenn es so kommt, freue ich mich sehr – vor allem aber für alle, die über die Jahre an die Halle geglaubt haben.“ Für den einstigen Eishockey-Profi und Namensgeber der von ihm gegründeten Eishalle würde mit dem nun vor dem Abschluss stehenden Insolvenzverfahren eine wahre Achterbahnfahrt enden: Firmengründung, Pleite nach nur einem Jahr und seither Sicherheit immer wieder nur für das nächste halbe Jahr. „Ich freue mich, dass die Halle letztlich doch von den Langenhagenern wahrgenommen worden ist. Die Leute hier haben mit Herz dafür gekämpft, und die Menschen haben realisiert, dass die Eishalle ein schöner Ort für Langenhagen ist.“

Nicht anders reagierte sein Stellvertreter in der Eishockey-Sparten-Leitung beim SCL, Frank Bolz. „Der Vertrag gäbe uns große Sicherheit, auch für die Sponsoren, die wir in der Pipeline haben.“ Die seit 2009 andauernde Hängepartie sei für alle sehr belastend gewesen. Jörg Wedde, beim SCL für die Sledge-Hockey-Spieler zuständig, freut die Perspektive für die Halle besonders, zumal Langenhagen jüngst erneut den Zuschlag als Bundesstützpunkt für den para-olympischen Sport erhalten habe. „Das Nationalteam hat sich zuletzt gerne auch mal in anderen Hallen präsentiert“, sagte Wedde gestern auf Nachfrage. Wenn die Situation in Langenhagen nun langfristig stabil sei, könne man sich auch wieder stärker um den Aufbau von Jugendmannschaften im Behindertenbereich kümmern.

Kommentar

Absolut vernünftig

Endlich! Dieser Stoßseufzer wird den Beteiligten an diesem quälenden Insolvenzverfahren erst über die Lippen kommen, wenn die Tinte unter dem Vertrag trocken ist.

Zu viele „Möchtegern-Investoren“ haben Stadt und Insolvenzverwalter Nerven gekostet. Vor allem aber haben all jene Sportler unter der Unsicherheit gelitten, für die die Halle einst gedacht war: Neben den Eishockeyspielern besonders die Sledge-Hockey-Teams, die eine solch barrierefreie Halle bundesweit kein zweites Mal finden. Deshalb ist der Kauf der Halle durch die Stadt nicht nur überaus vernünftig. Er ist gelebte Inklusion bester Güte. Am Ende haben Politik und Rathaus selten einmütig in der Sache entschieden. Auch dafür: Herzlichen Glückwunsch!

Von Rebekka Neander

Rebekka Neander 28.07.2014
Rebekka Neander 28.07.2014
Jens Niggemeyer 27.07.2014