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Region Langenhagen Nachrichten Sinkt Zahl der Nachtflüge wieder?
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17:14 12.12.2018
Gut 50 Gäste verfolgten die Aufzeichnung der Radio-Diskussion in den Räumen der Energie BKK in Hannover. Quelle: Rebekka Neander
Hannover/Langenhagen

Die Zahl der Nachtflüge am Flughafen Langenhagen wird wieder sinken. Davon jedenfalls geht Niedersachsens Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) aus. „Bei einem sich durchweg konsolidierenden Markt gehen wir nicht von einer weiteren Steigerung der nächtlichen Flugbewegungen aus“, sagte Althusmann am Dienstag während der Aufzeichnung der Radio-Diskussion „Jetzt reicht’s“ unter dem Motto „Gegenwind für Nachtflieger“. Mittelfristig werde sich der Wert von Ende 2017 mit rund 14.000 Nachtflügen wieder auf das Niveau von 2016 mit gut 12.000 Flügen einpendeln. Überzeugen konnte er die gut 50 erschienenen Zuhörer aus der nordöstlichen Region damit allerdings nicht. Die überwiegend den Bürgerinitiativen gegen nächtlichen Fluglärm zuzurechnenden Gäste ließen ihrem Frust durch wiederholte Zwischenrufe und höhnisches Gelächter trotz mehrfacher Ermahnung auch durch die NDR-Moderatorin Anke Genius freien Lauf.

Ähnlich erging es Aage Dünhaupt, dem Kommunikations-Manager der in Langenhagen ansässigen Fluggesellschaft Tui-Fly. Er appellierte in der Diskussion an die Solidarität der anderen Bundesländer, den dortigen Flughäfen mit Nachtruhe eine höhere Toleranz bei verspäteten Flügen zu erlauben. „Wir haben in diesem Sommer allein zwischen Juni und August rund 100 Lärmereignisse in Langenhagen erzeugen müssen, weil wir Flüge von anderen Flughäfen nachts nach Langenhagen umleiten mussten“, ergänzte Dünhaupt nach der Sendung auf Nachfrage dieser Zeitung. „Die anderen Fluglinien sind dabei noch gar nicht berücksichtigt.“ Die Hauptlast der in diesem Sommer außerordentlich vielen Flugverspätungen lag in der Nacht ausschließlich auf dem Rücken der Anwohner rund um Langenhagen sowie Köln/Düsseldorf, sagte Dünhaupt in der Diskussion. Nur diese Flughäfen haben für Touristikmaschinen rund um die Uhr geöffnet.

WHO will nächtlichen Fluglärm begrenzen

Für die Seite der Fluglärmgegner sprachen Dietmar Poppe, Sprecher der Interessengemeinschaft Bon-Ha (Besser ohne NachtflugHannover Airport) aus Isernhagen, und der Mainzer Kardiologe Prof. Thomas Münzel. Poppe warf dem Minister vor, die immer wieder deutlich über die als „Belästigungs“-Grenze eingestuften 60 Dezibel liegenden „Einzellärmereignisse“ in der Nacht nicht ausreichend zu würdigen. Münzel, der an der Universtätsklinik Mainz seit vielen Jahren zur Gesundheitsgefährdung durch Lärm forscht, unterstrich dies. Verschiedene Studien belegten inzwischen, dass insbesondere nächtlicher Fluglärm „klare Auswirkungen hat auf die Reaktion der Gefäße, der Enzym-Produktion und den Blutdruck“ und damit Herzkreislauf-Erkrankungen und Depressionen fördere. Dies auch, wenn Menschen gar nicht aufwachten. Damit, so Münzel, litten auch jene Anwohner unter Fluglärm, die ihn subjektiv gar nicht ablehnten.

Althusmann zog sich bei diesem Thema wiederholt auf die Pauschal-Einstufung zurück, die beteiligten Ministerien bewegten sich „im Rahmen des Gesetzes“. Ohnehin sei der Bund weisungsbefugt, Niedersachsen im Zweifel eine Nachtruhe in Langenhagen zu untersagen. Münzel führte neuere Erkenntnisse der Weltgesundheitsorganisation WHO ins Feld, die aufgrund aktueller Forschung maximal 40 Dezibel für die nächtliche Belastung von Flughafen-Anwohnern empfehle. „Sollte dieser Wert Eingang finden in die EU-Gesetzgebung, könnte dies auch in Deutschland eingeklagt werden.“

Ministerium startet Informationsreihe bis Mitte 2019

Getragen war die Diskussion vornehmlich vom Austausch beidseits bekannter wie jeweils angezweifelter Zahlen zu Lärmverstößen, Umsatzzahlen und drohenden Einnahme- und Arbeitsplatzverlusten, sollte das Wirtschaftsministerium in Hannover Ende 2019 dem Flughafen mit der dann notwendigen Neuregelung der erlaubten Flugzeugtypen eine klare Nachtruhe verordnen. Althusmann kündigte nach Ende der Aufzeichnung im Gespräch mit dieser Zeitung an, bis zum kommenden Frühsommer mit einer Reihe von Informationsveranstaltungen rund die neue Nachtflugregelung zu beginnen.

Info: Die Radiosendung „Jetzt reicht’s“ wird am Donnerstag um 19 Uhr auf NDR 1 Niedersachsen ausgestrahlt.

Kommentar: Eigentor

Sicher, der Titel dieser Radio-Diskussion lädt ein zu einer turbulenten Debatte: „Jetzt reicht’s“ umschrieb am Montagabend denn auch ziemlich gut die Tonlage des Publikums. Jahrelang gewachsener Frust ob gestiegenen Lärms in der Nacht und eine stetig als latent gleichgültig empfundene Haltung seitens der Behörden erklären vielleicht die immer wieder lautstark protestierende Reaktion der Publikumsmehrheit.

Als Entschuldigung jedoch taugt dies nicht. Die Art, in der sogar die Furcht eines Betriebsratsvorsitzenden des Bodenpersonals vor dem Verlust von Arbeitsplätzen im Falle eines Nachtflugverbots höhnisch entwertet wurde, war wirklich kein Ruhmesblatt für die Bürgerinitiativen. Da half nicht einmal die wiederholte Bitte der Moderatorin, man möge fair miteinander umgehen.

Das ist fatal. Denn die Bürgerinitiativen entkräften sich damit selbst. Wer so agiert, dem wird mühelos weiterhin mit Ignoranz begegnet. Dabei sind ihre Argumente richtig und wichtig. Kern ihres Protestes ist derzeit die Nachtflugregelung. Doch liegt das Problem eigentlich in der Gesetzgebung des Bundes, der Hannover nachts nahezu alleine zurücklässt. Wer hier ernsthaft Gehör finden will, muss seriös agieren. Sonst kann man sich weitere Diskussionen gleich sparen.

Von Rebekka Neander

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