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Nachrichten Eishalle Langenhagen: Eishockey-Fans können Inventar kaufen
Region Langenhagen Nachrichten Eishalle Langenhagen: Eishockey-Fans können Inventar kaufen
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00:19 30.03.2019
Noch liegen die ehemaligen Leih-Stiefel in der verwaisten Herzblut-Bar. Quelle: Rebekka Neander
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Langenhagen/Mellendorf

„Naja. Vielleicht fühlen sich die Scorpions dann ja beim Gastspiel am Pferdeturm ein bisschen wohler.“ Marco Stichnoth klingt an diesem Morgen nicht wirklich sentimental. Der frühere Manager der Langenhagener Eishalle steht in einer der längst verwaisten Umkleideräume und weist auf jene Bänke, die einst dem umfänglichen Umkleideritual der Eishockey-Spieler dienten. Die Bänke sind so gut wie verkauft. Sie werden an den Pferdeturm und damit ins Indians-Revier umziehen. Stichnoth ist das recht. Was weg ist, landet nicht auf dem Müll. Denn vieles hier gehört definitiv nicht in den Abfall: Deshalb wird es am 17. und 18. Mai einen Basar geben, der besonders für Eishockey-Fans interessant sein dürfte. Ein Teil des Erlöses könnte nach ersten Planungen der Para-Eishockey-Jugend zugute kommen, die die barrierefreie Halle in Langenhagen räumen musste.

Von Siegestaumel und Aufbruch ist in diesem riesigen Hallenkomplex an der Brüsseler Straße unterdessen wahrlich nichts mehr zu spüren. Da helfen auch die übergroßen Banner unter dem Hallendach nichts. Der eine oder andere an die Umkleidenwand kunstvoll gepinselte Motivationsspruch klingt ebenso höhnisch wie die obligatorischen Hinweise: „Bitte die Kabine SAUBER hinterlassen!!“

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Ziehen Sitzschalen in den Soccerpark um?

Das möchte Stichnoth allzu gerne. Deshalb führt er dieser Tage doch wieder ein paar mehr Menschen durch die eigentlich seit Monaten buchstäblich still stehende Halle. Die Sitzschalen gehen wohl an Frank Hartmann, den einstigen Geschäftspartner im Soccerpark Engelbostel. Für die Bande gibt es Interessenten. Es werde aber kompliziert, weil sich die Sicherheitsanforderungen der höheren Ligen verändert haben. Der einst angedachte Umzug nach Mellendorf scheint nicht mehr so einfach. Küche und Tresen sind eigentlich etwas für Profis: „Die sind hier aber alle passend eingebaut“, sagt Stichnoth. Es werde sich zeigen, wer das noch verwenden kann.

In den vielen Nischen und Nebenräumen der Eishalle aber türmt sich noch viel mehr: Ausrüstung, neu oder gebraucht, Schränke, Schlittschuhe, überdimensionierte Wäschekörbe – all das muss noch sortiert und auf die einstige Eisfläche geräumt werden, bevor es von kauffreudigem Publikum begutachtet werden kann. Die große Technik der Halle samt Eismaschinen steht indessen nicht zum Verkauf. Jedenfalls nicht durch Stichnoth. All dies gehört wie die Halle selbst der Stadt Langenhagen. Sie will sie abreißen. Wann genau ist offen.

Stadt akzeptiert Vergleich mit Eishallen-Gesellschaft

Dies hängt unter anderem an dem möglichen Insolvenzverfahren der Eishallen-Gesellschaft. Stichnoth hat den Antrag bereits gestellt. Für die Verfahrenseröffnung ist ein aktuell entstehendes Gutachten nötig, ob die Insolvenzmasse ausreicht, um überhaupt die Verfahrenskosten zu tragen. Der Langenhagener Finanzausschuss hat seinen Teil dazu am Dienstag beigetragen: Wie Bürgermeister Mirko Heuer am Mittwoch berichtete, empfiehlt das Gremium, den langwierigen Streit um den Mietvertrag mit der Eishallen-Gesellschaft mit einem Vergleich zu beenden. Die Stadt, so Heuer, zahle „einen Betrag“ an die Eishalle, bleibe aber Gläubigerin im Verfahren. Mehr kann Heuer nach eigenen Worten aus der nichtöffentlichen Drucksache nicht berichten. Damit aber sei ein langwieriges Gerichtsverfahren ausgeräumt, dem Abriss der Halle stehe nun nichts mehr im Wege, so Heuer. Weil die bereits ermittelten Abrisskosten im aktuellen Haushalt nicht gedeckt seien, müsse die Politik als nächstes über die Finanzierung beraten. Erst dann könne die Stadt den Abriss selbst ausschreiben.

Von Rebekka Neander