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Region Langenhagen Nachrichten Der Hochbau-Chef Erik Bedijs geht in den Ruhestand
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14:46 11.09.2019
Den direkten Kontakt mit dem Menschen – ob auf der Straße oder im Ratssaal – zog den nun scheidenden Hochbau-Chef Erik Bedijs einst nach Langenhagen. Quelle: Rebekka Neander
Langenhagen

Der dankbare Abschied von einem Beamten ist nicht so einfach. Und so blickt Erik Bedijs am späten Dienstagnachmittag auf zwei kleine Gläser Honig, ein wenig Zeichenmaterial, einen Blumenstrauß und eine Unterschriftenliste auf dem Tisch vor ihm. Auch wenn sich seine Dienstzeit sehr absehbar dem Ende nähert: Noch ist der Hochbauchef im Amt mit allen Geschenk-Beschränkungen, die das Beamtenrecht so mit sich bringt. Oder wie es Bedijs nach der Bescherung zu Beginn des Technischen Schulbauausschusses formuliert: „Das Einzige, das ein Beamter annehmen darf, ist Vernunft.“

Die Nähe zu den Menschen lockte Erik Bedijs (links) nach Langenhagen. Bernhard Döhner (Mitte) und Wolfgang Langrehr, zwei dieser (politischen) Menschen, verabschiedeten Bedijs am Dienstag symbolisch aus der Kommunalpolitik. Quelle: Rebekka Neander

Wenige Tage vor diesem letzten Auftritt in einer öffentlichen Ausschusssitzung ist von Abschiedssentimentalität wenig zu spüren. Wie alt er ist? „Lochkarten.“ Bedijs sitzt in einem Besprechungsraum des Rathauses und umschreibt sein Lebensalter statt mit Zahlen lieber mit dem System der Datenverarbeitung, das seinen Start ins Berufsleben begleitete. 65 Jahre zählt der scheidende Hochbauchef in dieser Woche, am Donnerstag übergibt er die Aufgaben nach 23 Jahren im Rathaus an seine Nachfolgerin Denise Fontaine.

Bedijs’ Erfassung der Schulen ist für Politik legendär

Viele kennen den studierten Architekten in Langenhagen nur als Projektleiter für den Neubau der Wasserwelt („Spannend, das hatte ich vorher noch nie“). Dabei kennt er nach eigenen Worten jede, aber auch wirklich jede Schultoilette der Stadt. Seine geradezu mikroskopische Erfassung aller städtischen Schulgebäude gilt in der Politik inzwischen als legendär. Dennoch: „Von dem Desaster um den fehlenden Brandschutz im Schulzentrum und den drohenden Abriss erfuhr ich aus der Zeitung“, erzählt er und schiebt wie zur eigenen Entschuldigung hinterher: „Ich war ja damals im Bad im Exil.“ Sein Herz gehört zudem dem Standesamt im Rohdehaus, auch wenn diese, seine Pläne für das stadteigene Fachwerkhaus am Parkrand nie Wirklichkeit wurden, und der Freien Waldorfschule Bothfeld.

Bedijs, gebürtig, beschult, studierend und bis heute wohnhaft in Hannover, hat ein durchaus vorzeigbares berufliches Vorleben. Dass er mit einem Kollegen Anfang der Achtzigerjahre „auf einem Kornfeld am Rande der Ortslage“ den ersten Bauabschnitt der Freien Waldorfschule auf die Erde stellte, bezeichnet er heute als „privates Freizeitvergnügen“. Erste Verwaltungsluft schnupperte er als Baureferendar in der einstigen Bezirksregierung Hannover, bevor er Hochbauleiter im Landkreis Hameln-Pyrmont wurde.

Einst sachliche Diskussion eskaliert heute im Rat

Zwei Dinge lockten ihn 1996 nach Langenhagen: „Durch die Pendelei nach Hameln war ich nie zu Hause“, sagt der Vater zweier Töchter (und inzwischen vierfache Großvater). „Und ich war, da der Landkreis ja übergeordnete Aufsichtsbehörde ist, nie wirklich direkt dran an den Menschen.“ Diesen Satz darf man dieser Tage ruhig ein wenig sacken lassen. Denn in den jüngsten Langenhagener Jahren geriet dieser direkte Kontakt mit den Menschen der Kommunalpolitik für Bedijs nicht immer wohlgesonnen.

Die direkte Diskussion habe sich tatsächlich verändert, sagt Bedijs mit Blick auf den Abschied. Als er seinerzeit noch unter Stadtbaurat Jan Sievers in die Büros an der Ostpassage einzog, herrschte im Rat „ein trockenes, aber sachliches Klima“. Heute sei die Diskussion, egal ob es um die vielen jetzt anstehenden Schulum- und -neubauten geht, um das Entstehen des neuen Schwimmbades oder Wohnungsbau, zu oft „emotional, eskalierend oder von einfachen Behauptungen“ geprägt. Viel lieber schaut Bedijs deshalb auf das Team im Hochbau zurück. „Das sind tolle Leute, die nie im Licht stehen“, auf die er sich aber immer habe verlassen können. „Ich hoffe, sie können das auch von mir sagen.“

Die Zukunft gehört der Literatur

Bedijs’ Zukunft gehört der Literatur – die er selbst schreiben will. Drei Jugendkrimis sind bereits seiner Großvater-Erzählkunst am Bett der Enkel („die konnten dann nicht schlafen, weil es zu spannend war“) auf seiner Lieblingsinsel Langeoog erwachsen. Worum es in Zukunft gehen soll, gärt noch. „Es ist doch spannend, was in unserer Welt alles aus der Bahn geraten ist.“

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Von Rebekka Neander

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