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Region Langenhagen Nachrichten Junge Eltern fragen nach Begrüßungspaket
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14:42 22.11.2018
Sina Rezo mitten in ihrem Begrüßungspaket: Mit dem Karton voller Präsente erhalten die Eltern eine umfassende Beratung. Quelle: Rebekka Neander
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Langenhagen

Die Socken sind ein gutes Beispiel. „Die werden von einer Gruppe von Frauen im Mehrgenerationenhaus nur für uns gestrickt. Und, nein: Kaufen kann man die dort nicht.“ Sina Rezo muss das sagen. Und dass sie das muss, zeigt vielleicht am besten, warum das Begrüßungspaket der Stadt für alle neugeborenen Langenhagener so ein Erfolg ist.

Aus dem kofferförmigen Karton, der an diesem Morgen in einem Besprechungsraum des Rathauses liegt, holt Rezo nach und nach, was für die Begrüßung eines Säuglings angebracht erscheint: Ein Beißring, ein Lätzchen, ein Zahnputz-Becher samt Bürste und eben diese Mini-Ringel-Söckchen. Wichtiger aber ist wohl, was seit Oktober 2017 drumherum nicht nur die Luft im Karton füllt. Denn neben der Vielzahl von Zetteln, Checklisten und Adressen im Begrüßungspaket offeriert seither die Sozialarbeiterin Rezo eine Beratung – jeweils abgestimmt auf die konkrete Situation des Kindes und seiner Eltern.

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80 Prozent der Eingeladenen wünschen einen Termin

Ein Konzept, das offenkundig aufgeht: „Rund 80 Prozent antworten auf die Einladung, die wir nach der Geburt des Kindes schicken, und vereinbaren einen Termin, um uns zu besuchen“, sagt Rezo. Die Rücklaufgruppe – wie auch jene, die nicht antworten – setzt sich quer durch die gesamte Gesellschaft zusammen. „Sie kommen von überall her. Egal, aus welchem Ortsteil, egal, aus welcher Schicht, und egal, wie gut sie Deutsch sprechen.“ Mehr noch: „Und es kommen auch jene, die schon mehrere Kinder haben. Denn jedes Kind ist anders.“

Und dies führt Sina Rezo zu der Anekdote mit den Socken: „Wir hatten schon Mütter, die danach ins Mehrgenerationenhaus gegangen sind und dort Socken kaufen wollten. Aber das haben die Damen dort dann freundlich abgelehnt.“ Auch wenn ein solcher Kauf ausscheidet, ist Rezos Plan damit eigentlich voll aufgegangen. „Hinter all den Informationen und den Geschenken steht ein riesiges Netzwerk, das wir aufgebaut haben.“ Dazu gehören nicht nur Hebammen-Praxen, Frauen-Ärzte oder Kinder-Zahnärzte, sondern auch alle Formen der Beratungs- und Anlaufstellen und Treffpunkte. „Und wir beraten die jungen Eltern über Zuschuss- und Fördermöglichkeiten.“ Hinzu komme der richtige Umgang mit dem Online-Anmeldeverfahren für Betreuungsplätze. „Auch da leisten wir Schützenhilfe.“ Eine Fülle, die offenkundig auch gut situierte und gebildete Eltern in der Ausnahmesituation kurz nach der Geburt an ihre Grenzen führt.

Bundesstiftung bezahlt Stelle jeweils nur für ein Jahr

Finanziert wird diese Beratung durch die Bundesstiftung Frühe Hilfen. Sie richtet sich an Eltern von Kindern bis zum dritten Lebensjahr und bezahlt die Personalkosten für eine kommunale Halbtagsstelle. „Leider muss man jedes Jahr aufs Neue den Antrag stellen“, berichtet Rezos Vorgesetzte Marita Neumann. Rezos Stelle könne damit auch jeweils immer wieder nur auf ein Jahr befristet werden. Für Rezo, die hörbar Spaß an ihrer Aufgabe hat, heißt es deshalb bald Abschied nehmen. Die Mutter zweier Kinder nutzt die Chance, bei der Stadt eine unbefristete Stelle anzunehmen. Sie kehrt damit in ihr früheres Fachgebiet des Kinderschutzes zurück. Neumann zeigt sich jedoch zuversichtlich: „Die Beratung zum Begrüßungspaket geht in jedem Fall weiter.“

Von Rebekka Neander