Kita-Öffnung: Land bringt Stadt Langenhagen in Bedrängnis
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Nachrichten Kitas mit 50 prozentiger Belegung: Stadt weiß nicht, wie das mit Blick auf den Infektionsschutz gehen soll
Region Langenhagen Nachrichten Kitas mit 50 prozentiger Belegung: Stadt weiß nicht, wie das mit Blick auf den Infektionsschutz gehen soll
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17:48 22.05.2020
Mit einem übers Wochenende gestalteten CD-Baum haben Eltern und Kinder der Kita Stadtmitte das Betreuungsteam überrascht, um sich für ihren Einsatz zu bedanken. Quelle: privat
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Langenhagen

Am Ende ist es einfache Mathematik: „Wenn ich weiterhin immer dieselben Erziehenden nur mit denselben Kindern zusammenbringen darf, kann ich die gewünschten Öffnungsquoten nicht erfüllen“: Jugendamtsleiterin Heidi von der Ah muss sich dieser Tage ungewollt, wie sie sagt, zur „Spaßbremse“ machen. „Aber der bestehende Stellenschlüssel lässt eine volle Belegung der Kitas nur bei gruppenübergreifendem Einsatz zu.“ Solange aber das Infektionsschutzgesetz dies untersagt, fehle es der Stadt schlicht an Personal, um beispielsweise Pausenzeiten oder Früh- und Spätbetreuung abdecken zu können.

Erst einmal höre sich der jetzt vom Land veröffentliche Stufenplan sehr erfreulich an, sagt auch Langenhagens neue Sozialdezernentin Eva Bender. Ziel sei es, zum Start des neuen Kindergartenjahres am 1. August alle Einrichtungen wieder voll belegen zu können. Bis Mitte Juli dürfen die Kita-Träger die Plätze bis auf 50 Prozent hochfahren. Der Rest folge dann in den letzten 14 Tagen bis zum neuen Kita-Jahr. Aktuell seien knapp 20 Prozent aller Plätze besetzt. „Grundsätzlich ist es sehr gut, dass sich damit auch der Blick auf die Schulanfänger richtet“, ergänzt von der Ah. Doch der Spagat für die Stadt und die freien Träger zwischen Kindeswohl und Schutz auch der Mitarbeitenden werde durch die angekündigten Öffnungen der Kitas nun noch schmerzhafter.

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Nicht nur an der Kita Stadtmitte erleben die Betreuenden viele gute Aktionen, um den Kontakt zwischen den betreuten Kindern und jenen, die noch zu Hause bleiben müssen, am Leben zu halten. Quelle: privat

Eingewöhnung mit Eltern bleibt verboten

„Auch die Teams in den Kitas leiden stark darunter, dass so viele Kinder noch immer nicht in die Kitas gehen dürfen“, sagt von der Ah. Aber sie wissen beim besten Willen nicht, wie eine großflächige Öffnung ohne weiteres Personal zu stemmen sei. Während sich die Stadt aufgrund der Vielzahl ihrer eigenen Einrichtungen noch stellenweise selbst helfen könne, fiele dies für kleine Träger komplett aus.

Ganz unabhängig von der Personalfrage machen sich Bender und von der Ah auch Sorgen um jene Kinder, die nach bislang achtwöchiger Abwesenheit wieder zurückkommen werden. „Die Eltern dürfen die Kitas weiterhin nicht betreten. Alle unsere bisherigen Eingewöhnungsmodelle greifen damit nicht mehr“, betont von der Ah. Insbesondere die neuen Krippenkinder ab August könnten nicht mit der eigentlich jetzt ansetzenden Eingewöhnungsphase beginnen. Wie dies zu lösen ist, dafür gebe es derzeit keine Idee. „Was wir aber sehr wohl im Blick haben, ist der Abschied der künftigen Schulkinder“, betont die Jugendamtsleiterin. „Wir bereiten derzeit überall kleine Geschenke vor und überlegen uns eine große Feier, die wir vielleicht im Eichenpark begehen können.“

Hoffnungen auf weitere Lockerungen im Juni

Die Hoffnungen in Langenhagens sozialem Rathaus richten sich nun vor allem auf die auf Landesebene bereits angedeuteten Lockerungen bei den Kontaktsperren für Anfang Juni. „Selbst wenn wir gruppenübergreifend arbeiteten, könnten wir im Infektionsfall alle Kontaktketten lückenlos aufzeigen“, betont von der Ah. Offiziell hat das Land die konkrete Umsetzung der Kita-Besetzung in die Hände der Kommunen gelegt. „Wenn sich bei den Kontaktsperren auch die Vorschriften im Rahmen des Infektionsschutzgesetzes anpassten, könnten wir sofort mehr Kinder aufnehmen.“

In den zurückliegenden acht Wochen „unter Hochspannung“ habe Langenhagen deutlich mehr Fürsorge gezeigt als viele anderen Kommunen. „Wir haben stadtweit mit den freien Trägern abgesprochen, dass wir auch die Betreuungsteams intern als systemrelevant einstufen und damit ihnen die Notbetreuungsplätze öffnen“, sagt Bender. Unter dem Strich, so von der Ah, war dies eine klare Abwägung. „Eine nicht ausfallende Betreuungskraft hilft stadtweit mehr Eltern, als das für sie aufzunehmende Kind an Plätzen wegnimmt.“ Inzwischen habe allerdings auch der Städtetag Erzieher als systemrelevant anerkannt.

Großes Lob für Zusammenhalt zwischen Kitas und Eltern

Beide sprechen sowohl den Teams in den Einrichtungen als auch den Eltern ein großes Lob aus für die zurückliegenden Wochen. Obwohl nicht immer alle Wünsche auf einen Notbetreuungsplatz erfüllt werden konnten, sei der Umgang untereinander stets sehr konstruktiv und geprägt von großem Verständnis voneinander gewesen. „Als wir anfangs Anträge noch ablehnen mussten, weil beispielsweise nur ein Elternteil einen systemrelevanten Beruf hat, haben wir die Eltern immer ermutigt, gegebenenfalls den Antrag zu reaktivieren, wenn sich die Bestimmungen ändern“, sagt von der Ah. Renate Grätz, die im Rathaus zum Team frühkindliche Förderung gehört, lobt überdies die Kita-Leitungen. Sie alle seien stets präsent, keine habe sich ins Homeoffice zurückgezogen.

Einzig bei der digitalen Ausstattung der Einrichtungen zeige sich jetzt ein deutlicher Nachbesserungsbedarf. „Viele der so kreativen Wege der Kontaktaufnahme zwischen den Kindern draußen und den Einrichtungen drinnen liefen am Ende nur Dank des Einsatzes vieler privater Endgeräte“, räumt die Jugendamtsleiterin ein. „Aber da wissen wir den Bürgermeister klar an unserer Seite.“

Erhebt die Stadt ab Juni wieder Essensgeld?

Bis auf Weiteres erhebt die Stadt keine Gebühren für den Besuch der Kitas in Langenhagen, dies gilt auch für jene Eltern, deren Kinder in der Notbetreuung sind. So hatte es der Rat in seiner letzten öffentlichen Sitzung vor Beginn der Pandemie beschlossen. Eine Rücknahme dieses Beschlusses wäre frühestens am 15. Juni möglich, dies aber lehnt Sozialdezernentin Eva Bender ab, auch wenn andere Kommunen derlei inzwischen bereits wieder erwägen. „Solange wir nichts Genaueres wissen, wie wir eine weitere Öffnung überhaupt umsetzen können, bereiten wir keine Drucksache für einen Rücknahmebeschluss vor.“

Anders verhält es sich jedoch beim Essensgeld. Dieses gehört nicht zu dem Votum des Rates. „Wir haben allerdings verwaltungsintern bislang auf die Abbuchung verzichtet“, sagt Sozialdezernentin Eva Bender. Derzeit prüfe die Stadt, ob künftig das Entgelt für das Essen wieder erhoben wird. Dies, so Bender, werde dann aber frühestens für Juni wirksam. Eine rückwirkende Erhebung für den Mai schließt sie aus.

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Von Rebekka Neander