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Region Langenhagen Nachrichten Keine Lösung im Streit um Eishalle in Sicht
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18:34 05.01.2015
Von Rebekka Neander
Die Eishalle Langenhagen - ein ständiger Sankapfel. Quelle: Sven Warnecke
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Langenhagen

Weihnachten. Das Fest der Liebe? An der Brüsseler Straße bestimmt nicht. Rund um die Eishalle ertönten statt lieblicher Klänge Drohungen und Gerüchte. Wie viel Geld fließt in wessen Kasse? Wem gehört dort was? Ultimaten wurden ausgesprochen - und doch nicht verwirklicht. Denn der Laden brummt. Ein Ende des Streits ist nicht abzusehen. Allerdings auch kein Ende der Halle. Zumindest vorerst.

Um das Chaos ein bisschen zu verstehen, lohnt ein Blick zurück: Vier Jahre dauert das Insolvenzverfahren, ungezählte Interessenten wollten einen Kaufvertrag unterschreiben und ließen es dann doch. Es wurde mehr oder weniger öffentlich diskutiert, verhandelt und verworfen. Vor sechs Monaten erbarmte sich die Stadt und kaufte die Halle des Eissportzentrums zum Schnäppchenpreis von 400.000 Euro aus der Insolvenzmasse heraus. Doch so richtig gelöst wurde dadurch nichts. Offenbar wird dies durch einen 30 Punkte umfassenden Fragenkatalog von SPD-Chef Marco Brunotte - verfasst kurz vor Weihnachten, wie er zugibt, weil er die Erkenntnis leid war, „wie viel wir eigentlich gar nicht wissen, auch wenn wir daran wahrscheinlich selbst schuld sind“. Dabei ist es weniger Brunottes Ratsanfrage als vielmehr die Antwort, die zeigt, wie verkantet die Situation ist.

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Noch immer kein Pachtvertrag

Die Ausgangsposition scheint noch einigermaßen klar: Eigentümerin der Halle und des Grundstückes ist die Stadt. Sie hat mit der Eisraum GmbH einen auf zehn Jahre befristeten Betreibervertrag abgeschlossen. Initiator der Gesellschaft ist der Insolvenzverwalter Peter Baumgarte. Sein Mitarbeiter Christian Borns ist Geschäftsführer der Eisraum GmbH. Als Pächter für das Alltagsgeschäft des Hallenbetriebes samt Gastronomie fungiert die Hannover Scorpions Eishallen- und Spielbetriebs GmbH von Marco Stichnoth.

Das war der Plan. Tatsächlich gibt es bis heute keinen Pachtvertrag mit Stichnoth. Es gibt auch keine belastbare Darstellung, ob Stichnoth die laufende Saison auf Basis des alten oder eines mündlichen Vertrages bestreitet. Weder darüber noch über die Ausgestaltung des neuen Vertrages haben ungezählte Treffen und Verhandlungen zwischen ihm und den Vertretern der Eisraum GmbH eine Erkenntnis geliefert.

Ebenfalls ohne Unterschrift ist ein Vertrag, über den Einigkeit bestand: Ein Sponsor, der mit einer namhaften Einlage Werberechte erwerben wollte und mit der Summe wichtige Wartungsaufwendungen für die Hallentechnik bezahlen sollte, hat sein Geld nun erst mal per Rückstellung über das Ende des Geschäftsjahres retten müssen. Warum der Vertrag nicht unterzeichnet ist, auch darüber wundern sich auf Nachfrage alle Beteiligten. Eine Erklärung gibt es nicht.

Es fehlt das Geld

Dabei ist Geld dringend gefragt: Nicht zuletzt das Drama um den Ausfall der mobilen Eismaschine vor einem der jüngeren Heimspiele sowie jener der Kälteanlage mit anschließendem Schaden an der Ammoniak-Leitung zeigen, in welch desolatem Zustand die Kerntechnik der Halle ist. Wichtige Wartungen und Instandsetzungen konnten mangels Geld nicht getätigt werden. 120.000 Euro ruft Enercity als Eigentümerin der Anlage für eine Komplettsanierung auf. Es scheint, dass trotz aller endloser Verhandlungsmarathonläufe bis heute nicht geklärt ist, wer diese Summe letztlich erwirtschaften muss. Ist es Sache der Halleneigentümerin, also der Stadt? Oder Sache der Betreiberin, also der Eisraum GmbH? Oder des Mieters, also Marco Stichnoths Gesellschaft?

Erschwert werden alle Gespräche durch ein in jüngerer Zeit von Misstrauen genährtem Binnenverhältnis der Beteiligten. Wer die drei Parteien danach befragt, erhält eine Bestätigung, aber keinen Grund. Wüste Gerüchte machen die Runde. Jeder gegen jeden.

Einig sind sich alle Beteiligten – und dazu gehört auch Enercity, die jederzeit den Saft abdrehen könnte, allerdings darin, an der Halle festzuhalten. Denn: Sie können vielleicht nicht so gut miteinander, aber offenbar in keinem Fall ohne den anderen. Nicht ohne Stichnoth und sein Eishockey-Netzwerk, nicht ohne Insolvenzverwalter Peter Baumgarte, der noch am ehesten weiß, wem hier wann was gehört hat, und nicht ohne die Stadt als Eignerin von Halle und Grundstück.

Kommt finanzielle Unterstützung der Stadt?

Mehr noch. Der neue Bürgermeister Mirco Heuer (CDU) lehnt sich mit Marco Brunotte unabgesprochen aus demselben Fenster: an der Halle festhalten, unter Umständen sogar mit finanzieller Unterstützung der Stadt. Derart klare Aussagen sind neu – für Langenhagen. Für den Rest der Republik nicht: Kaum eine Eishalle kommt ohne kommunalen Zuschuss aus. Einig sind sich Heuer und Brunotte auch in der Bedingung: Es muss bezahlbar sein. Um dies beurteilen zu können, verlangen beide nun aber Zahlen und Fakten. Das ist nur einfach gesagt. Schon die einzelnen Eigentumsverhältnisse machen die Buchführung unübersichtlich. Die Küche, die unlängst bei einem Brand beschädigt wurde, gehört wiederum einer eigens gegründeten Betriebsgesellschaft, die für Stichnoths Nutzung ein Entgelt erhält. Das ist Insolvenzrecht für Fortgeschrittene, wohl aber nichts für ehrenamtliche Ratspolitiker. Welche Rechte haben die bislang beteiligten Brauereien? Wie werden die Eishockeyspieler bezahlt? Welche Schäden gibt es an der Halle? Welche Art von Werbung ist laut Baugenehmigung überhaupt erlaubt?

Diese und noch viele Fragen mehr teilt Brunotte mit vielen Ratskollegen. „Dass wir uns nicht früher wirklich dafür interessiert haben, kann man uns vorwerfen“, sagt Brunotte mit bemerkenswerter Offenheit. Doch diese Vergangenheit zu beleuchten, erscheint ihm dabei ebenso müßig wie die bis heute schwer nachvollziehbare Geschichte der Halle, die nach nur einem Jahr in die Insolvenz ging.

Wie Brunotte spürt auch Heuer, dass die Stadt sich positionieren muss. „Ich möchte von der Politik jetzt ein Signal, ob sich die Verwaltung wirklich die Arbeit machen soll, sich in all diese Zahlen und Verstrickungen hineinzuknien und ein Engagement der Stadt auf seine Verhältnismäßigkeit zu prüfen“, sagt Heuer. Das müsse kein Ratsbeschluss sein. Ein Signal der von ihm wiederbelebten Runde der Fraktionschefs würde ihm schon genügen.

Wie es jetzt weitergeht, vermag keiner der Beteiligten zu beschwören. Brunottes Fragen sollten zeitnah Antworten folgen, sagte Heuer vor Weihnachten. Eine sportliche Ansage. Denn noch bis kurz vor Heiligabend zog sich das Hin und Her wohlwollend vereinbarter, vergrätzt abgesagter und gnädig wiederbelebter Gesprächstermine zur Analyse der Zahlen hin. Da spielte das durchaus unterschiedliche Temperament der Protagonisten in diesem Schauspiel durchaus seine eigene Rolle. Zimmerlautstärke jedenfalls war auf dieser Bühne noch nie eine Selbstverständlichkeit. Aber nun reden sie wieder miteinander. Immerhin.

Sanierung kostet in diesem Jahr 100.000 Euro

Seit Montag hat Marco Brunotte Antworten auf seinen Fragenkatalog. Und offenbar beginnt die Diskussion nun erst richtig. Grundsätzlich bestätigt fühlt sich Brunotte durch die Einschätzung der Verwaltung, die Halle lasse sich ohne „nennenswerte“ dauerhafte Unterstützung seitens der Stadt betreiben. Gleichwohl beziffert die Verwaltung den akuten Sanierungsbedarf auf rund 100.000 Euro, die auch im Haushalt 2015 eingestellt werden sollen. Betroffen sind davon vor allem diverse kleine Arbeiten für den Brandschutz. In den darauffolgenden Jahren kommen noch einmal rund 275.000 Euro dazu für die noch unfertigen Außenanlagen (vorrangig Parkflächen). Das ist keine Überraschung: Schon bei der Übernahme der Halle hatte die Verwaltung angekündigt, die Außenanlagen nach den Bedürfnissen einer Eishalle erst dann fertigzustellen, wenn sich der Betrieb über drei Jahre als stabil erwiesen haben würde. Brunotte will nun über Fragen und Antworten in der Fraktion beraten. Ausgang offen.

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