Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Nachrichten Kein Personal: Sportclub muss Sommerfreizeit aufgeben
Region Langenhagen Nachrichten Kein Personal: Sportclub muss Sommerfreizeit aufgeben
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:35 31.07.2019
Damit Oliver Wild auch ohne Sommerfreizeit an der Ostsee keinen Mangel an Sandspielzeug haben möge, erhielt er bei der Rückkehr am SCL-Parkplatz einen Förmchen-Satz von seiner SCL-Vorstandskollegin Maren Zöller-Jähner. Quelle: privat
Langenhagen

Mehrere Busse voller quirliger Kinder werden am Freitag wieder von Langenhagen aus aufbrechen zur lang ersehnten Sommerfreizeit am Meer. Oberster Reiseleiter, wenn man ihn so nennen möchte, ist Stefan Polzer. Der stellvertretende Leiter der Musikschule Langenhagen hat die Nachrichten um das nach mehr als 55 Jahren nunmehr zu Grabe getragene Sommerzeltlager des Sportclubs Langenhagen eng verfolgt. Überrascht hat ihn die Nachricht seines Reiseleiter-Kollegen beim SCL, Oliver Wild, nicht. Und ein bisschen fürchtet er, was deswegen jetzt auf ihn zukommen mag. Aus mehreren Gründen.

Neben dem SCL gehört die Musikschule zu den zwei Anbietern für mehrwöchige Sommerfreizeiten in Langenhagen. Beide haben in den vergangenen Jahren in jedem Sommer den Eltern von gut 120 Kindern eine Ferienbetreuung mit Anspruch liefern können. Über mangelnde Nachfrage bei den Anmeldungen mussten sich beide nie sorgen.

Über die sinkende Trefferzahl bei der Suche nach geeigneten Betreuern allerdings sehr wohl. Das geht bei Polzer jetzt so weit, dass er unumwunden einräumt, in diesem Jahr auch gut zwei männliche Begleiter mehr hätte verkraften zu können. Anfragen dazu habe es zwar gegeben, aber eben von den Falschen. „Und bevor ich jemanden mitnehme, der während der Freizeit dem Druck des 24-Stunden-Programms nicht gewachsen ist, fahre ich lieber ohne“, sagte Polzer wenige Tage vor der Abfahrt. „Die müssten die anderen Helfer nur mitbetreuen.“ Das aber wolle er denen nicht zumuten.

55 Jahre Lensterstrand – Erinnern Sie sich? Machen Sie mit!

55 Jahre am Lensterstrand, davor nicht mehr zählbare Jahre Sommerfrische am Priewall – das sind Erinnerungen, Erlebnisse, geknüpfte Freundschaften, die wohl die meisten Teilnehmer der SCL-Freizeiten nicht mehr missen möchten. Welche Abenteuer haben Sie erlebt? Welche Freundschaften aus jener Zeit begleiten Sie bis heute? Welches war Ihr liebstes Spiel mit den Betreuern? Lassen Sie uns teilhaben an Ihren Erinnerungen und schicken Sie uns Ihre Erzählungen und Bilder aus fröhlichen Strandtagen am Lensterstrand – bei Facebook oder per Mail an langenhagen@haz.de. Wir freuen uns auf Ihre Beiträge!

Mühsam sei diese Suche immer gewesen, sagt auch Wild. Nach der Rückkehr von der dreiwöchigen Zeltfreizeit am Lensterstrand an der Ostsee sitzt der 50-Jährige nicht übermäßig fröhlich am Tisch. Wie es ihm geht? „Schlecht.“ Sein halbes Leben lang hat Wild das Zeltlager des SCL geleitet. „Das hat mich im Grunde das ganze Jahr beschäftigt.“ Zwei Jahre sei die Entscheidung gereift, Ende Juli 2019 endgültig den Schlussstrich zu ziehen. „Es ist ja nicht so, dass wir nicht nach Lösungen gesucht hätten.“ Aber die Zeiten seien eben, wie sie sind: ohne eine ausreichende Zahl junger Erwachsener, die bereit seien, drei Wochen an der Ostsee im Team die Verantwortung zu übernehmen.

„Die Freizeit verkürzen? Der Aufwand bleibt der gleiche.“

„Wir haben alles überlegt“, sagt Wild. Die Freizeit auf zwei Wochen verkürzen? „Das haben wir in einem Jahr gemacht. Und dann festgestellt, dass am Ende der zwei Wochen alles gerade so richtig lief und jetzt eigentlich die nette Phase begonnen hätte. Und dann mussten wir fahren.“ Der Aufwand sei jedoch der gleiche. Geld bezahlen? „Tja, und wie viel und woher nehmen? Und wollen wir die, die nur deswegen mitfahren? Ist das nicht die falsche Motivation?“ Anstrengend sei dann die Freizeit vor zwei Jahren gewesen. „Wir sind mit einem Team losgefahren, das unrund war.“ Und wenn alles am Ende nur noch Mühe ist, dann könne man es auch bleiben lassen.

„Wenn wir eine Besprechung beenden mit dem Appell, nun eine Aktion zu starten, und 19 stehen auf und einer zündet sich erst einmal eine Zigarette an, dann macht das niemandem Spaß“, sagt Wild. Mehr noch: „Wenn ich eine Gruppe losschicke zu einem Ausflug, dann muss ich mich darauf verlassen können, dass am Ende auch alle Kinder wieder mit zurückkommen.“ Passiert sei zwar nichts, aber das ungute Gefühl macht mürbe. 2018 war „besser, aber immer noch mühsam“. Das Team der nun letzten Fahrt bleibt als „Granatentruppe“ in bester Erinnerung. „Aber auch nur, weil viele mitgefahren sind in der Gewissheit der letzten Chance.“

Oliver Wild hat in seinem privaten Fotoarchiv gegraben und einen kleinen Rückblick auf die SCL-Jahrzehnte am Lensterstrand zusammengestellt. Quelle: privat

Wild selbst ist vor 41 Jahren als damals Neunjähriger erstmals an den Lensterstrand mitgefahren. Seine Mutter war seinerzeit selbst Übungsleiterin im Sportverein, fuhr aber nicht mit. Acht Personen pro Zelt auf der entsprechend präparierten Anlage des Kreissportverbandes Neumünster, dafür jeweils ein Betreuer – an diesem Schlüssel hat sich bisher nichts verändert. Ja, die Kinder seien heute zuweilen unselbstständiger als früher. Aber ein Klagelied über kompliziertere oder gar gewalttätigere Kinder und womöglich anspruchsvollere Eltern will Wild auf keinen Fall anstimmen. „Ja, wir haben bei den Jungs irgendwann das Mindestalter von acht auf neun Jahre hochgesetzt“, räumt Wild ein. Das war’s. In all den Jahren als Betreuer oder gar Leiter des Lagers habe er nur sehr wenige Ausnahmesituationen erlebt.

Alle Läusemittel der Region aufgekauft

Am brisantesten sei immer noch der gesundheitliche Zusammenbruch eines jungen Betreuers am Tag vor der Abfahrt gewesen, bei dem sich später eine krankhafte Herzrhythmusstörung herausstellte. Und auch das Jahr mit dem Läusebefall, als das SCL-Team letztlich sämtliche Läusemittelvorräte in Grömitz und Umgebung aufkaufen musste, bleibt unvergessen. Heute kann Wild darüber lachen. „Die Hitze spielte uns in die Hände. Wir konnten alle Wäschestücke und Kuscheltiere in Tüten verpacken und einfach in die Sonne legen – 60 Grad, das haben wir darin spielend erreicht.“ Klar, verändert habe sich dagegen die Atmosphäre im Verein, dessen zweiter Vorsitzender Wild heute ist. „Der SCL ist inzwischen so groß. Früher, als er noch kleiner war, war es auch persönlicher und es gab auch im Verein eine größere Bereitschaft, als Betreuer mitzufahren.“

Stefan Polzer mag über all das in diesen Tagen nur bedingt nachdenken. „Wir haben dort ein Landschulheim und keine Zelte, das unterscheidet unsere Betreuerstruktur vom Zeltlager des SCL.“ Gleichwohl: „Oliver Wild und ich haben uns in all den Jahren oft ausgetauscht, wenn wir Betreuer gesucht haben.“ Sogar eine gemeinsame Fortbildung speziell für Ferienfreizeiten stellten sie auf die Beine. Und Polzer ist sich sicher, dass der Anmeldesturm auf die Freizeit der Musikschule im kommenden Jahr – wenn der SCL zu Hause bleibt – nicht eben kleiner wird.

Ob das Folgen haben wird für die Musikschulfreizeit, die bislang immer offen war auch für Nichtmusikanten? „Kann ich nicht sagen.“ Vor zwei Jahren musste die Musikschule erstmals an ihrem Anmeldemodus etwas ändern. „Wir mussten damals die ersten 14 Tage nur den Musizierenden vorbehalten, damit wir wirklich alle Stimmen besetzen konnten. Erst danach haben wir die Anmeldungen auch für alle Freunde und Interessierten freigegeben.“

Von Rebekka Neander

Unbekannte haben übers Wochenende 18 Lichtkuppeln auf dem Dach des IGS-B-Traktes beschädigt. Die Räume können trotzdem genutzt werden. Die Stadt hofft auf Reparatur noch vor dem Ende der Ferien.

30.07.2019

Ein Lkw hat am frühen Dienstagmorgen in Langenhagen Kraftstoff verloren. Vor Ort stellte die Polizei fest, dass Unbekannte Diesel gestohlen und den Tank beschädigt hatten. Die Feuerwehr streute den Kraftstoff ab.

30.07.2019

Ein Rucksack als Versteck: Ein Mann hat aus einem Supermarkt in Langenhagen mehrere Lebensmittel gestohlen. Als er hinter den Kassen die Alarmanlage passierte, löste diese aus. Polizisten nahmen den Dieb fest.

30.07.2019