Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Nachrichten Wieviel Schallschutz genießen Flughafen-Anlieger künftig?
Region Langenhagen Nachrichten Wieviel Schallschutz genießen Flughafen-Anlieger künftig?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
06:00 02.04.2019
Es begann mit lärmdämmenden Fenstern - und endete mit einem komplett gedämmten Haus samt neuem Dach: Der Bungalow des Ehepaar Meyers in Langenhagen unter der Einflugschneise des Flughafens. Quelle: Rebekka Neander
Langenhagen

Eva-Maria Meyer hat endlich ihre Ruhe – obwohl ihr Haus direkt in der Einflugschneise des Langenhagener Flughafens liegt. Aber es war mühsam. Erst bekam ihr Bungalow dickere Fenster. Daran aber passten die Rollläden nicht mehr. Für sie gab es neue Kästen außerhalb des Hauses. Auf die trommelte dann jedoch lautstark der Regen. Also kam Dämmung ans Haus, um darin die Kästen verschwinden zu lassen. Dazu passte der Dachüberstand nicht mehr. Kurz: Der Bungalow ist jetzt dick verpackt unter neuem Dach. Von Handwerkern möchte Eva-Maria Nagel wirklich nichts mehr hören. Aber ihr Beispiel zeigt, wie kompliziert Lärmschutz sein kann.

Schutzzonen seit 2010

Langenhagen war 2010 einer der ersten Flughäfen in Deutschland, der gesetzlich definierte Lärmschutzzonen erhielt. Wer in einer solchen Zone wohnt, hat gute Chancen auf bezahlten „passiven Schallschutz“. Heißt: einen Zuschuss für Umbauten am Haus, die den Lärm reduzieren. Basis ist das Bundesfluglärmgesetz von 2007. Dieses löste in Langenhagen das freiwillige Zuschussprogramm des Flughafens von 1996 ab. Die Umsetzung auf Landesebene war ein zäher Prozess bis 2010. Trotzdem hatte Niedersachsen die Nase vorn, die anderen Bundesländer folgen erst später. Zehn Jahre später wird das Fluglärmgesetz nun überprüft. Helfen wird den Meyers das nicht.

Der Bungalow der Meyers steht im Gehege-Viertel im Osten Langenhagens. Eine grüne Insel voller netter Einfamilienhäuser. Die Pferderennbahn zur einen, der Wietzepark zu anderen Seite. Nur oben drüber, da verläuft die Ein- und Abflugschneise der Südbahn des Flughafens. Und auf der Terrasse helfen die dicksten Fenster nichts. Die Meyers wohnen in der sogenannten Tagschutzzone 2. Sie umreißt in Langenhagen (nach der Tagschutzzone 1 vordringlich mit Flughafen und Gewerbe) all jene Wohnhäuser, die dem ärgsten Lärm der Flugzeuge ausgesetzt sind. Um dieses längliche Areal schmiegt sich zudem die Nachtschutzzone. Diese reicht von Isernhagen im Osten bis Garbsen im Westen. Während in Meyers Gebiet im Mittel auch tagsüber maximal 60 Dezibel im Haus ankommen dürfen, liegt dieser Messwert in der Nachtschutzzone bei 55 Dezibel. Erlaubt sind dort nachts „am Ohr des Schläfers“ noch weitere maximal 57 Dezibel für bis zu sechs „Einzelereignisse“.

Die Zonen sind das Ergebnis komplizierter Berechnungen, an deren Ende ein für den Laien noch wirreres Geflecht von Lärmwerten steht und die für Menschen wie das Ehepaar Meyer bares Geld bedeuten: Wer bekommt wie viel Geld für welchen Lärmschutz in welchen Zimmern? Welches Material ist erlaubt, wer darf es einbauen? Antworten auf diese Fragen liefert seit 2010 per Behördenbescheid unter anderem Brigitte Matthes im Rathaus Langenhagen. Wer in Langenhagen Geld will, muss sein Gebäude von ihr prüfen lassen. Für alle Antragsteller gilt: Zuschüsse gibt es – wenn überhaupt – nie für das ganze Haus, sondern nur für Fenster in Schlaf- beziehungsweise Aufenthaltsräumen sowie unter Umständen für die Dachdämmung exakt darüber.

Flughafen zahlt Zuschüsse

Wer sinnigerweise gleich alle Fenster oder das ganze Dach anfasst, zahlt den Rest aus eigener Tasche. Die Zuschüsse ermöglicht der Flughafen aus eigener Kraft. Steuergeld ist nicht im Spiel. Matthes gilt in der Region als eine der sehr wenigen, die das Fluglärmgesetz in all seinen Landesverordnungen verinnerlicht hat. Zwischen 2010 und 2015 durften Anwohner der Tagschutzzonen 1 und 2 ihre Ansprüche anmelden, seit 2015 gilt dies für die Nachtschutzzone. Deren Frist endet am 22. September kommenden Jahres. Auch Matthes kann von Ruhe nur träumen.

„An der Realität vorbei“

Denn der drei Jahre währende Anpassungsprozess des Bundesgesetzes auf Landesebene bis 2010 waren für sie und ihre Kollegen in Garbsen sowie der Region Hannover (für die Gemeinde Isernhagen) ein aufreibender Ritt. Und vieles, was seither gesetzliche Grundlage der Umsetzungsverordnungen ist, geht in Matthes Augen an der Realität vorbei: Dass Anwohner neuer Flughäfen weniger Lärm aushalten müssen als jene rund um Bestandsanlagen wie Langenhagen. Dass es in Altbauten lauter sein darf als in Neubauten. „Es sind zusammen 8  Dezibel“, sagt Matthes. Lärmexperten wissen: Das sind Welten. Umso mehr ärgert sich Brigitte Matthes über den ersten Bericht der Bundesregierung zur Novellierung des Fluglärmgesetzes. Denn von all diesen Unterschieden ist darin keine Rede. Immerhin sei zu begrüßen, dass die Lärmschutzzonen laut Bericht der Bundesregierung in keinem Fall schrumpfen sollen und es Erleichterungen beim Schallschutz für Kindergärten, Schulen und Krankenhäuser geben soll.

Dass aber die Ansprüche für den passiven Schallschutz zeitlich befristet sind, kann Matthes nicht nachvollziehen. „Gesundheitsschutz endet ja nicht nach fünf Jahren.“ Bis heute erreichen Matthes Anfragen auch von (neuen) Hauseigentümern, für deren Grundstücke die Anspruchsfrist längst abgelaufen ist. Seit 2010 hat sie rund 300 Anträge für das aufwendige Prüfverfahren auf den Tisch bekommen, 100 davon sind in der baulichen Umsetzung noch offen. Auch der Flughafen hat aus seinem freiwilligen Schallschutzprogramm zwischen 1996 und 2010 noch Verfahren laufen. Nicht alles, was Flughafen und Kommunen bewilligten, ist bislang verbaut worden.

Das Ehepaar Meyer konnte die Umbauten an seinem Bungalow letztlich doch zu den Akten legen – musste ihn aber zu einem großen Teil selbst bezahlen. Was erstattungswürdig war, zog anderes – vernünftigerweise – nach sich. Wenn Eva-Maria Meyer heute auf die Ordner schaut, die auf viel Papier noch mehr Frustration dokumentieren, zieht sie einen ernüchterten Schlussstrich. „Wenn wir das gewusst hätten, hätten wir verkauft.“

Lesen Sie dazu auch:

Fluglärm: Jetzt sind die Kommunen gefragt

Was wird aus Klage gegen den Flughafen?

Um die Bürgerinitiative Bon-Ha (Besser ohne Nachtflug – Hannover Airport) und ihre angestrebte Klage gegen den Flughafen ist es ein wenig still geworden. Abgerückt ist sie von ihrem Vorhaben aber nicht, wie Mitinitiator Hans-Peter Wendorff berichtet.

Der Spendenstand stagniere aktuell bei rund 40.000 Euro, „wir wollen aber erst wieder in der Öffentlichkeit in die Offensive gehen, wenn wir Neuigkeiten vom Rechtsanwalt haben“, sagte Wendorff dieser Zeitung. Zuletzt waren Bon-Ha-Mitglieder Gast bei der Landtagsfraktion der Grünen, um für ihr Vorhaben zu trommeln. Gleichwohl fordert die inzwischen mehrfach konsultierte Fachanwaltskanzlei offenbar die Geduld der Initiative. „Die prüfen derzeit die gesamte Materie. Und das dauert offenbar länger als wir es uns gewünscht hätten.“

Von Rebekka Neander

Nachrichten Nachtflugregelung für Langenhagen - Fluglärm: Jetzt sind die Kommunen gefragt

Wie laut ist der Flughafen? Das will das Land jetzt von den betroffenen Kommunen wissen. Parallel zur neuen Nachtflugregelung für Langenhagen steht in Berlin die Novellierung des Fluglärmgesetzes an.

01.04.2019

Der Sportring Langenhagen hat gewählt: Der alte und neue Vizepräsident heißt Norbert Naethe. Nebenbei sind Bürgermeister Mirko Heuer und Ulrich Görtemöller für ihre Verdienste um den Sport geehrt worden.

04.04.2019

Erneut hat sich ein schwerer Verkehrsunfall auf der Kananoher Straße in Kaltenweide ereignet. Dabei sind am Montag drei Menschen leicht verletzt worden. Die Feuerwehr ist mit einem Großaufgebot ausgerückt.

01.04.2019