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Nachrichten Expertin appelliert: Junghasen sitzen lassen
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Auch wenn es Märzhase heißt, sind die ersten Jungtiere bereits geboren

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09:39 18.06.2020
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Langenhagen

Während Menschen derzeit warm gekleidet in der frostig idyllischen Feldmark spazieren gehen, setzt die Häsin dort bereits ihre Jungtiere in die Welt. Der Feldhasennachwuchs bleibt die ersten Wochen Tag und Nacht im Lager – der sogenannten Sasse – und verhält sich dabei möglichst unauffällig. "Mancher mag denken, die Hasenkinder wurden im Stich gelassen", weiß Jungtier-Expertin Diana Erdmann (53) von der Wildtierhilfe Lüneburger Heide. Doch das ist beileibe nicht so, sondern die Überlebensstrategie der Tiere.

Jetzt bekam Erdmann von der Wedemärker Tierärztin Antonia von Preyss das erste Jungtier zur Wildtier-Auffangstation nahe Soltau gebracht. Der wenige Tage alte Feldhase war am Rande Kaltenweides nicht von einem Menschen gefunden, sondern von einer Katze aufgestöbert und nach Hause apportiert worden. Später wurde die Tierärztin zu Rate gezogen.

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Am tierfreundlichsten sei es, appelliert Erdmann, Jungtiere einfach in Ruhe zu lassen. "Wer versehentlich einen jungen Feldhasen angefasst hat, kann ihn mit Blättern oder Stroh abwischen und wieder zurück ins Lager setzen." Die Häsin werde ihren Nachwuchs dann weitersäugen. Das geschehe normalerweise erst in der Dämmerung. Doch wenn das Kleine nach Mensch – also dem Feind – rieche, suche die Mutter das Weite. Das Jungtier wäre dann verloren, erläutert Erdmann.

Dank ihrer Erfahrung, der richtigen Aufzuchtmilch und einer Bauchmassage nach jeder Mahlzeit ist die Überlebensrate der kleinen Langohren beachtlich, wie das Stationsfundbuch der vergangenen Jahre der Auffangstation belegt. Dort würden pro Saison 40 bis 60 Feldhasenbabys eingeliefert. Oft wiegen sie nur 100 oder 150 Gramm, was knapp über dem Geburtsgewicht liegt. Zu Kräften gekommen, werden die Jungtiere in einem Freilaufgehege gehalten, damit sie genügend Kondition für die freie Wildbahn aufbauen können. Nach etwa sechs Wochen, wenn das Entlassungsgewicht der Hasen von etwa einem Kilogramm erreicht wurde, geht es dann wieder zurück in die Natur.

Die Brut- und Setzzeit

Wegen der nahen Brut- und Setzzeit gibt es Verordnungen zum Schutz des Tiernachwuchses. Aufgrund des beginnenden Vogelnestbaus dürfen Büsche und Gehölze nur bis Ende Februar beschnitten werden. Am 
1. April startet dann die sogenannte Brut- und Setzzeit. Ab diesem Tag bis zum 15. Juli sind Hunde nur angeleint auszuführen. Und das gilt nicht nur in der freien Landschaft, sondern etwa auch in vielen städtischen Grünanlagen.

Von PATRICIA CHADDE

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