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Region Laatzen Nachrichten fairkauf ist mehr als nur ein Kaufhaus
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19:39 19.08.2014
Von Johannes Dorndorf
Wieder mal was gefunden: Felicitas Duijnisveld (rechts) kommt regelmäßig zu fairkauf in Alt-Laatzen. Geleitet wird die Filiale von Nadine Dreyer (links). Quelle: Dorndorf
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Laatzen

Bei der Nachfrage sind die Laatzener allerdings durchaus speziell. Für Felicitas Duijnisveld kam die Ansiedlung von fairkauf wie gerufen. „Ich komme hierher, weil man mit dem Auto direkt vorfahren kann“, sagt die Hannoveranerin aus dem Stadtteil Linden. Duijnisveld kommt etwa einmal wöchentlich hierher, um Gebrauchtes vorbeizubringen oder im Kaufhaus zu stöbern. Heute hat sie Deko- und Haushaltsartikel dabei, die sie gratis abgibt, damit fairkauf sie zum Verkauf anbieten kann. „Ich finde den Gedanken schön, nichts wegwerfen zu müssen - und kann mich leichter von Dingen trennen“, sagt sie.

Auf solche Kunden ist das soziale Kaufhaus angewiesen. Denn alle Waren, die dort angeboten werden, sind Spenden. „Wir kaufen nichts - und wir verschenken nichts“, sagt Nicola Barke, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der gemeinnützigen Genossenschaft. Zu deren Grundgedanken zählt, dass Kunden dort zum kleinen Preis Dinge erwerben können - auch solche, die sich das sonst nicht leisten können. Die soziale Teilhabe ist nicht die einzige Idee hinter fairkauf: Die Einrichtung steht auch für Nachhaltigkeit, Gebrauchtes wird ja wiederverwertet. Vor allem aber geht es um Qualifizierung von Menschen, die sonst kaum Chancen auf Arbeit hätten. „Wir sind angetreten, Menschen für den ersten Arbeitsmarkt zu qualifizieren“, betont Barke. In Laatzen gibt es fünf Angestellte, die teils auch ihre Ausbildung bei fairkauf gemacht haben, sowie zwei Personen, die für Arbeitsgelegenheiten vom Jobcenter gefördert werden.

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Wiederverwenden statt neu kaufen - der Gedanke liegt im Trend. Angefangen hatte fairkauf im Jahr 2008 mit einem Kaufhaus in Hannovers Innenstadt. 2013 kam Laatzen dazu, in diesem Jahr eine Filiale im Langenhagener Einkaufszentrum CCL. Aktuell bemühe man sich um einen Verkaufsraum in Seelze, sagt Barke.

Der Gedanke kommt auch bei der Politik gut an. Der umweltpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Matthias Miersch, hat jetzt die Laatzener Filiale besucht, um sich ein Bild zu machen. Ihn überzeugt - außer dem sozialen Gedanken - die Nachhaltigkeit des Konzepts. „Immer etwas Neues zu produzieren heißt, immer neuen Abfall zu produzieren“, sagt der Grasdorfer.

Am Standort hat sich das Kaufhaus inzwischen etabliert. Aktuelle Zählungen haben ergeben, dass mehr als zwei Drittel der Kunden aus Laatzen kommen. Eine Besonderheit: Im Gegensatz zur hannoverschen Filiale sind hier Textilien stärker nachgefragt, während Bücher eher Ladenhüter seien. Finanziell habe sich die Einrichtung im Turmcenter von Anfang an selbst getragen, sagt Barke.

Auch die anfängliche Skepsis anderer Anbieter, die unliebsame Konkurrenz befürchteten, ist verflogen: „Die Zusammenarbeit ist sehr gut“, befindet Peter Klinger vom Umsonstladen. Denn fairkauf verzichtet in Laatzen nicht nur darauf, wie der Umsonstladen Dinge für Kleinkinder anzubieten, sondern leitet Spenden sogar weiter. Auch Gerold Brockmann vom Zentrum für Arbeit und Qualifizierung (ZAQ), das unter anderem Kleidung, Möbel und Elektroartikel verkauft, ist zufrieden: Die Klientel und teils auch das Angebot seien unterschiedlich. Das ZAQ richte sich noch stärker als fairkauf an Bedürftige.

Stichwort 1: Und so funktioniert’s

Wer ausrangierte Dinge abgeben möchte, kann dies – wie auch bei den anderen Anbietern im Stadtgebiet – kostenlos tun. Fairkauf betont, dass alles angenommen wird. Nur Elektroartikel, die nicht funktionieren und mit Entsorgungskosten verbunden sind, sowie Essbares wird nicht angenommen. Auf Wunsch holen Mitarbeiter größere Sachspenden – etwa Möbel – auch von zu Hause ab. Vom Erlös finanziert fairkauf die eigenen Mitarbeiter sowie die Miete. Willkommen sind auch Ehrenamtliche, die beim Betrieb des sozialen Kaufhauses helfen wollen. Wer möchte, kann auch Mitglied der Genossenschaft werden. Weitere Informationen gibt es im Internet auf der Seite fairkauf-hannover.de und unter Telefon (05 11) 3 57 65 90. Die Filiale im Turmcenter, Hildesheimer Straße?47, ist montags bis freitags von 9.30 bis 19 Uhr sowie sonnabends von 9.30 bis 18 Uhr geöffnet.

Stichwort 2: Hier gibt es weitere Angebote für wenig Geld

Umsonstladen: In dem Raum am Laatzener Gemeindezentrum Arche, Marktstraße 21, gibt es Babykleidung, Spielzeug, Kinderwagen und Möbel für Babys und Kleinkinder bis Größe 104. Das Angebot ist kostenlos. Öffnungszeiten: montags, mittwochs und donnerstags von 10 bis 14 Uhr; donnerstags auch von 14 bis 18 Uhr sowie nach telefonischer Vereinbarung unter Telefon (05 11) 1 64 52 42.

DRK-Kleiderkammer: Die Kleiderkammer, bei der es Textilien und Schuhe gibt, befindet sich direkt neben der DRK-Rettungswache in Alt-Laatzen, Nürnberger Straße 5. Für die ausgegebene Kleidung nimmt das DRK eine geringe Schutzgebühr. Öffnungszeiten: mittwochs von 9 bis 11 Uhr.

ZAQ-Markt: Im Zentrum für Arbeit und Qualifizierung (ZAQ) der Leine-VHS, Karlsruher Straße 14, gibt es einen Möbelladen, der auch Elektroartikel, Schallplatten, CDs, Bücher und Dekoartikel verkauft. Die Einrichtung bietet auch den Kinderladen Zaqolino mit Kinderkleidung ab Größe 86, Spielsachen und Kindermöbeln, das Velozaq mit Gebrauchtfahrrädern und das Zaqond Hand für Erwachsenenbekleidung. Weitere Informationen gibt es unter Telefon (05 11) 59 09 48 09. Öffnungszeiten: montags bis donnerstags von 9 bis 16 Uhr, freitags von 9 - 13 Uhr.

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