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Nachrichten Innenansichten eines Storchennestes
Region Laatzen Nachrichten Innenansichten eines Storchennestes
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00:29 13.05.2018
Innenansichten eines Nestes: Der Fotograf Julian Stratenschulte hat am Dienstag aus einem Ultraleichtflugzeug heraus und in 300 Meter Entfernung zum Boden den brütenden Storch im Grasdorfer Nest fotografiert. Quelle: dpa
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Laatzen/Nordstemmen

 Bisher wurde es nur vom Boden aus angenommen, nun ist der Beweis auch aus der Luft erbracht: Das Grasdorfer Storchenpaar erwartet wieder Nachwuchs. Jeweils ein Altvogel sitzt dort mit ausgebreiteten Flügeln im Nest, so wie es üblich ist, um die gelegten Eier zu schützen. Bei seinem Rundflug im Ultraleichtflugzeug hielt der Fotograf Julian Stratenschulte am Dienstag den ungewöhnlichen Blick auf das Nest in der Grasdorfer Leinemasch mit der Kamera fest  – und nicht nur diesen.

Weitere Luftaufnahmen aus Laatzen, die Stratenschulte von seinem Platz im sogenannten Gyrocopter 300 Meter über dem Boden machte, zeigen einen Kanufahrerin auf der Leine und etwas mehr als ein Dutzend Wildgänse im Moment der Landung auf dem aufspritzenden Flusswasser. „Das Naturschutzgebiet der Leinemasch ist eine echte Idylle, und aus der Luft sieht es nochmal ganz anders aus“, schwärmt der seit März in Laatzen wohnende Stratenschulte

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Zweimal im Jahr besteigt der Fotograf der Deutschen Presse-Agentur GmbH (dpa) ein Ultraleichtflugzeug, um vom Flugplatz Hildesheim aus den Landkreis und die Region Hannover aus der Luft zu fotografieren. Im Oktober, kurz nachdem das Sturmtief Xavier über Norddeutschland hinweggefegt war, gelang ihm unter anderem das vielfach gezeigte Luftbild von den drei entwurzelten Bäumen, die neben einer Straße auf der Seite liegen. Am Dienstag nun kehrte Stratenschulte von seinem einstündigen Rundflug über den Landkreis Hildesheim und die Region mit weiteren knapp 700 Luftbildern und frühsommerlichen Motiven zurück.

Storchennest im Abendrot: Am Sonntagabend fotografierte dpa-Fotograf  Julian Stratenschulte den Weißstorch im Grasdorf Nest vor der untergehenden Sonne. Quelle: dpa (Julian Stratenschulte)

Die Sammlung enthalte eine Mischung aus bewusst gesuchten und zufälligen Motiven, erklärt der 30-jährige Fotograf. Um wie geplant einen roten Zug vor gelbem Rhapsfeld aufnehmen zu können, habe der Pilot mehrer Runden über Nordstemmen drehen müssen bis der Zug auch wirklich kam.

Das Motiv des Storchennestes in Grasdorf wiederum, das Stratenschulte bereits am Sonntagabend kurz vor Sonnenuntergang vom Boden aus fotografiert hatte, war dagegen ein sichere Sache. Das Nest in der Laatzener Leinemasch zu finden war schon kein Problem, und einer der Altvogel saß auch wie erwartet darin.

Zwar setzt der dpa-Fotograf für Luftaufnahmen auch eine Drohne ein, doch sind mit dieser längst nicht die gleichen Motive möglich. Grund: Die ferngesteuerte Flug-Kamera darf nur in bestimmten Bereichen und nur bis zu einer Höhe von 100 Metern eingesetzt werden, erklärt Stratenschulte. Mit dieser ein Bild wie das vom Storchennest zu machen wäre schon deshalb absolut tabu, weil die Drohne die Tiere massiv stören würde.

Dass mit Stratenschulte nun ein schon mehrfach ausgezeichneter Profi-Fotograf in der Stadt lebt, erhöht die Zahl von professionellen Bildern aus Laatzen. Einen Kalender oder ein Bildband plane er derzeit zwar nicht, so Stratenschulte – aber das könne sich ja vielleicht noch eines Tages ergeben.

Von Astrid Köhler