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Nachrichten „Die Erde bebte im Bombenhagel“
Region Laatzen Nachrichten „Die Erde bebte im Bombenhagel“
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14:45 22.09.2018
Am Sandberg wurden 1943 sieben Häuser durch Sprengbomben völlig zerstört. Das Bild zeigt die Trümmer von drei zerstörten Häusern an der Hildesheimer Straße. Quelle: Repro: Dorndorf / Flohr
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Grasdorf

Der damalige Grasdorfer Lehrer Martin Burose hat seine Schüler wenige Monate nach der Bombardierung 1943 sowie später zu Jahrestagen Aufsätze schreiben lassen. Abschriften von mehr als zwei Dutzend davon, die unter anderem 1948 und 1950 verfasst wurde, sind im Stadtarchiv Laatzen sowie Buroses Veröffentlichung „Grasdorf 1939 bis 1948“ zu finden. Die Aufsätze sind überschrieben mit Titeln wie „Die Teufelsnacht“, „Die Schreckensnacht“ oder „Das Höllenfeuer“ und zumeist undatiert. Im Folgenden sind Auszüge zu lesen:

„Ich kann mich noch genau erinnern, wie plötzlich meine Mutter ins Schlafzimmer stürzte und rief: ,Schnell aus den Betten, die Flieger sind über uns!“. Noch ganz im Schlaf taumelte ich aus dem warmen Bett. Wir hatten uns kaum angezogen, da fielen schon die Bomben. Wir liefen schnell in den Keller. Viele andere Leute waren auch schon da. Nun sagte mein Vater: ,Jetzt wollen wir ein par Lieder singen zur Beruhigung’. Aber die anderen Leute wollten es nicht. Wir fingen aber doch an. Als wir noch im Singen waren, gingen mein Vater, Herr Müller, Herr Baumgarte und Herr Wolters nach draußen und sahen, was los war. Die Flieger surrten noch. Dann gab es Entwarnung, und wir gingen nach oben. Unser Haus brannte an allen Ecken“ – Veronika Schaaf, 1948, 5. Schuljahr.

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„Unser ganzes Haus erzitterte, die Türen flogen alle auf, das Licht ging aus. In der Nähe schlugen einige Sprengbomben ein. Eine Brandbombe nach der anderen klatschte auf die Straße, und einige fielen auch bei uns ins Haus. Unser Boden mit Heu und Stroh brannte lichterloh. Die Flammen und der Rauch kamen in den Keller. Wir mußten raus. Wir liefen in den Garten. Auch hier konnten wir es vor Rauch und Hitze nicht mehr aushalten. Die beiden Nachbarhäuser standen auch in hellen Flammen. Im Garten steckten die Brandbomben wie brennende Fackeln dicht bei dicht in der Erde. Bei meiner Tante sind wir dann untergekommen. Mein Bruder und ich blieben dort, meine Mutter ging zu unserem brennenden Hause um etwas was zu retten“ – Heinz Haase, 5. Schuljahr.

„Der brennende Phosphor lief am Haus herunter. Wir liefen nach dem Haus meiner Oma. Inzwischen war das ganze Dorf in Flammen. Und immer noch bebte die Erde vom Bombenhagel. Menschen liefen durcheinander, jeder rettet, was zu retten war. Auch unser Haus wurde von einer Bombe getroffen und war ein Trümmerhaufen. Am anderen Tag war das Feuer immer noch nicht aus. Und schon am Vormittag war erneut Fliegeralarm“ – Ilse Striecks, 5. Schuljahr.

„Vorsichtig wagten wir uns wieder aus dem Keller, das schaurige Bild, was sich uns bot, ist gar nicht zu beschreiben: Rechts, links und gegenüber unserem Haus brannte es. Unser Haus war vom Feuer verschont geblieben. Die Fensterschreiben waren entzwei, die Wände waren gerissen, das Dach abgedeckt. Nun galt es, den Nachbarn zu helfen.“, Elli Heuer, 4. Schuljahr

„Die Bomben fielen fürchterlich. Auch konnten wir keine Luft mehr kriegen, weil der ganze Ruß aus dem Schornsteinschieber kam. Der Boden bebte unter uns. Unser Haus schaukelte. Die Männer mußten löschen, weil ein Phosphokanister im 1. Stock lag. Das Feuer über Grasdorf sah schrecklich aus. (...) Rings ums unser Haus lagen Bombentrichter. Wir haben großes Glück gehabt. Aber diese Nacht werden wir nie vergessen.“ – Bärbel Specht, 4. Schuljahr

Von Astrid Köhler