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Region Laatzen Nachrichten Künftiger Pastor von St. Petri ist ein Quereinsteiger
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00:19 31.01.2019
"Das ist meine Traumstelle": Der Vikar Jens Wening wird neuer Pastor der St.-Petri-Gemeinde und am 10. Februar in Rethen ordiniert.
"Das ist meine Traumstelle": Der Vikar Jens Wening wird neuer Pastor der St.-Petri-Gemeinde und am 10. Februar in Rethen ordiniert. Quelle: Astrid Köhler
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Rethen

 Geschichts- und Religionslehrer werden oder doch eher eine Universitätskarriere? Jens Wening hatte die Wahl, doch der Sohn eines Bremer Seemanns fand nach dem ersten Staatsexamen sowie anschließenden Auslandsjahr und Doktorarbeit über Jerusalems Stadtquelle „Siloah“ seine Berufung in der kirchlichen Arbeit. Am 10. Februar wird der 38-Jährige als neuer Pastor von St. Petri in Rethen ordiniert.

„Ich bin ein Quereinsteiger“, sagt der Vikar der Martinsgemeinde in Engelbostel-Schulenburg. Zugleich ist er überzeugt, die Aufgabe gefunden zu haben, die zu ihm passt. Zu den wichtigen Momenten im Werdegang gehört für den einstigen Hamburger Lehramtsstudenten die Entscheidung, einen Schnupperkursus Bibelhebräisch zu belegen. „Die Sprache hat mich ihn in den Bann gezogen“, erzählt Wening, der das Hebraicum ablegte und fortan alttestamentarische Texte im Original lesen konnte. „Ich habe gemerkt, wie berührend ich die Texte der Bibel finde, dass es Moment gibt, wo in die Buchstaben Leben hineinkriecht und es bedeutungsvoll wird“. Pastor zu werden hatte er gleichwohl noch nicht im Sinn.

Erst einmal ging er 2005 zum Studieren nach Jerusalem. Dort belegte er zusätzlich zu Kursen in Jüdische Studien und rabbinischer Literatur solche in Archäologie. „Babylonier, Assyrer, Perser, Syrer, Römer, Kreuzfahrer, Briten – alles was es in der Weltgeschichte gibt ist da gewesen“, betont der promovierte Philosoph. „Jerusalem ist mein Lebensthema geworden“, erzählt der im christlich-jüdischen Dialog Engagierte, der bereits mehr als ein Dutzendmal Israel besuchte, sogar schon mit dem Auto.

Auf die Idee, Pastor zu werden habe ihn schließlich eine befreundete Vikarin gebracht, als er selbst wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Theologie und Religionswissenschaften in Hannover war und seine berufliche Zukunftspläne überdachte. Anfänglich sei er skeptisch gewesen und habe er sich viele Fragen gestellt: „Bekomme ich das hin, eine öffentliche Person und immer ansprechbar zu sein? Hat man sich irgendwann leer geredet und was ist, wenn etwas wirklich Schlimmes passiert?“ Die Erfahrung als Leiter von Hamburgs größtem evangelischem Studentenwohnheim habe ihm rückwirkend geholfen, so Wening. Dort sah sich in drei Jahren mit allen Facetten des menschlichen Zusammenlebens konfrontiert – auch mit Schwierigkeiten, verschiedene Unglücksfälle bis hin zu einem Suizid. In der Vikariatszeit konnte er sich weiter ausprobieren. „Ich habe gemerkt: das ist meins, das passt zu mir.“ Was ihm auch helfe: „Ich bin ein Mensch, der gern auf andere zugeht und habe Interesse an Fremden – Das macht mir vieles sehr leicht.“

"Das ist meine Traumstelle": Der Vikar Jens Wening wird neuer Pastor der St.-Petri-Gemeinde und am 10. Februar in Rethen ordiniert. Quelle: Astrid Köhler

Die Stelle in Rethen wurde Wening wie bei Vikaren üblich von der Landeskirche zugewiesen. Der Familienvater betont aber, dass er sich auch beworben hätte, wäre dies schon möglich gewesen. „Es ist meine Traumstelle. Eine Großstadtgemeinde hätte ich nicht unbedingt gewollt.“ An Rethen schätze der passionierte Kinogänger und Hobbygärtner die dörfliche Struktur mit Freiwilliger Feuerwehr, funktionierendem Gemeinsinn und Natur. Zugleich gehören die Gemeinde zum Pfarrverbund der Kirchenregion Laatzen und ist Teil des urbanen Laatzens vor den Toren Hannovers. Dort arbeitet seine Frau als Beamtin in der Justizvollzugsanstalt geht der 17-jährige Sohn zur Schule.

Die besondere Situation bei St. Petri seit dem überraschenden Tod von Pastor Jürgen Hannes im Sommer 2017 ist Jens Wening voll bewusst: „Ich glaube, es gibt noch Leute in der Gemeinde, die darüber nicht hinweg sind, andere wollen nach 1,5 Jahren Schwebezustand weitergehen.“ Seine Herausforderung: „Die richtige Geschwindigkeit zu finden und beim Vorangehen niemanden zu verlieren.“ In den nächsten Wochen und Monaten will Wening „viel auf Achse“ sein, sich vorstellen und die Gemeinde kennenlernen. Er komme nicht mit einem fertigen Plan, betont Wening, aber mit offenen Ohren, dem Willen zur Moderation und Mitgestaltung – der Option zu bleiben.

Ordinatiosgottesdienst am 10. Februar

Der neue Pastor von St. Petri in Rethen, Jens Wening, wird am Sonntag, 10. Februar, von Landessuperintendentin Dr. Petra Bahr ordiniert. Der Gottesdienst beginnt um 14 Uhr in der Kirche. Im Anschluss an die Ordinationsfeier sind die Besucher zu einem Empfang ins Gemeindehaus an der Steinstraße eingeladen.

Von Astrid Köhler