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Region Laatzen Nachrichten Mauern und Grenzen überwinden
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00:17 24.05.2015
Ein Gefühl von Freiheit inmitten der Trümmer: Im Gazastreifen springt Mohammed durch zerstörte Häuserlandschaften. In den Workshops am Wochenende erzählt er anderen Traceuren von seinem Leben. Quelle: r
Laatzen

Das Laatzener Parkour Camp als Projekt der Evangelischen Jugend Rethen und des Kreisjugenddienstes Laatzen-Springe hat einen Namen in der Szene. Mehr als 5500 Traceure kamen in den vergangenen Jahren zu den Camps. 2009 erhielt es den bundesweiten Jugendprojektpreis (Jupp), 2010 wurde es Vorbildprojekt der Region. Über Pfingsten organisieren die Laatzener mit dem Parkour- und Movementfestival ihre bisher größte und daher nach Hannover ausgelagerte Veranstaltung. Regionaldiakon Gunnar Ahlborn (51) ist einer der Organisatoren. Mit ihm sprach Redakteurin Astrid Köhler.

Morgen beginnt das größte je von Laatzenern organisierte Parkour-Festival. Sind Sie aufgeregt?

Ja und nein. Ja, weil ich natürlich nur hoffen kann, dass alle Vorbereitungen bestens zum Gelingen des Festivals beitragen werden. Nein, weil ich mit einer gewissen Besonnenheit das Festival begleiten werde.

Wie viele Traceure und Helfer haben sich fristgerecht angemeldet?

Mindestens 620 junge Menschen aus wenigstens 15 Ländern, darunter aus den USA, Chile, Frankreich und Ungarn.

Wer sind aus Ihrer Sicht die drei ungewöhnlichsten Traceure?

Im Grunde stellt sich für mich diese Frage nicht, weil jeder Mensch, jeder Traceur, etwas Ungewöhnliches, Einzigartiges hat und ist - Gott sei Dank! Aber in der Ganzheit habe ich von den jungen Traceuren gelernt, dass sie absolut grenzübergreifend, interkulturell und interreligiös denken und handeln. So kommt es auch, dass selbst ein junger Mann aus dem Gazastreifen zu uns kommt.

Erzählen Sie bitte kurz, wie dieser Kontakt zustande kam.

Die Traceure halten Kontakt über soziale Netzwerke und besuchen sich gegenseitig. Hier in Deutschland, in Europa und weltweit. Jede größere Veranstaltung verbreitet sich sehr schnell. So auch unser Festival. Der junge Mann aus Gaza, er heißt Mohammed, hat sich direkt an mich gewandt und gefragt, ob er bei unserem Festival über das Leben im Gazastreifen erzählen dürfte.

Und? Wird er das in seinen Workshops machen?

Ja, Mohammed wird von seinen Lebenserfahrungen im Gazastreifen berichten und davon, wie ihm in dem sehr eingeschränkten Bewegungsfreiraum von Gaza die Sport-„Art“ Parkour hilft, die militärischen Auseinandersetzungen durch Bewegung und Körperbewusstsein zu verarbeiten.

Wie trainieren denn Traceure im Gazastreifen?

Nicht auf öffentlichen Plätzen, das dürfen sie nicht, sondern typischerweise in den Trümmern. Sie gehen dorthin, wo Menschen vertrieben sind und erobern sich ihr Freiheitsgefühl in Häuserlandschaften oder Hafenanlagen, die das Militär zerstört hat. Mit großem Körperbewusstsein und kreativer Lebenseinstellung hoffen die Jugendlichen in Gaza auf offene Grenzen. Ich finde es enorm, dass die jungen Leute das für sich entdeckt haben und nicht die Hamas.

Parkour als Friedensbringer?

In jedem Fall suchen sie nach Gemeinsamkeiten, nicht nach dem, was trennt. Das nehmen sie aus Parkour mit. Deshalb gibt es auch kein böses Wort über Israel.

Traceure gehen ihren Weg

Das Wort Traceur stammt ebenso wie Parkour aus dem französischen und bedeutet so viel wie „der, der den Weg ebnet“, was auch verstanden werden kann als: der seinen Weg geht. Traceure oder Traceusen, so die weibliche Form, bewegen sich mit größtmöglicher körperlicher Effizienz durch ihre Umgebung und überwinden dabei alle Arten von natürlichen oder urbanen Hindernissen. Wichtig ist ein hohes Maß an Selbstkontrolle und Einschätzungsvermögen. „Ein guter Traceur wird Gefahren erkennen, richtig einschätzen und vermeiden“, schreibt Robert Schild auf der Internetseite le-traceur.net. Die Kontrolle über das Wirken sei ein wichtiger Faktor. „Wiederholtes Training ist ein Muss. Es zählt nicht der Kick, sondern die Nachhaltigkeit.“

Wo werden in den nächsten Tagen überall Traceure sein?

Hauptaustragungsort wird das Eisstadion am Pferdeturm in Hannover sein. Von den gut 620 Teilnehmern werden rund 500 in einem eigens aufgebauten Camp auf einer riesigen kircheneigenen Wiese übernachten. Zusätzlich zum Eisstadion laufen die Jugendlichen mehr als 20 verschiedene urbane Orte in Hannover an, unter anderem den Raschplatz, den Pavillon, das Leineufer und das Expo-Gelände.

Gibt es auch Aktionen auf Laatzener Gebiet?

Ja, Laatzen-Mitte ist für die Traceure eine in Beton gegossene urbane Stadtlandschaft, die sie mit ihren körperlich spektakulären Bewegungen gern zurückerobern, um Leben in die Stadt zu hauchen. Dort wird sicher mindestens ein Workshop sein.

Apropos Workshops. Wie viele gibt es bei so vielen Teilnehmern?

Am Sonnabend gibt es zwei, Sonntag drei Zeitblöcke mit jeweils rund 20 Workshops, die alle zeitgleich stattfinden. Nach der offiziellen Begrüßung in Hannover werden sich etwa 500 Traceure gemeinsam aufwärmen und dann ausströmen.

Sie kooperieren für das Festival mit dem hannoverschen Jugendsportzentrum. Wer ist wofür zuständig?

Wir kooperieren bereits seit drei Jahren und begleiten die Jugendlichen und jungen Erwachsenen gemeinsam. Das Jugendsportzentrum stellt häufig Equipment und beteiligt sich an inhaltlichen Fragen. Wir haben auch Equipment, aber vor allem sorgen wir für begleitende Seminare und Freizeiten oder übernehmen seelsorgerliche Aufgaben.

Die Teilnehmer haben 5 Euro bezahlt. Angesichts des Angebots mit rund 100 Workshops, freier Verpflegung und Übernachtungsplätzen - was kostet das Festival, und wer beteiligt sich daran?

Die Gesamtkosten belaufen sich auf etwa 35 000 Euro. Wir haben eine Menge Privatpersonen, Firmen und Banken, die uns unterstützen, außerdem Stiftungen und die öffentliche Hand.

Sind Zuschauer an den beiden Haupttagen des Festivals, am Sonnabend und Sonntag, eigentlich willkommen?

Wir haben das Festival in dieser Hinsicht nicht beworben, es ist ja auch keine Show-Veranstaltung, sondern quasi ein Training. Aber Interessierte können uns besuchen - gern gegen eine kleine Spende.

Was erhoffen Sie sich für die Teilnehmer von dem Festival?

Ich erwarte einen enormen internationalen Austausch der unterschiedlichen Parkour-Gruppen und neben dem Training die Auseinandersetzung über die Werte des Lebens. Ebenso zählen die Gemeinsamkeiten, der Respekt und die Dinge, die ein Miteinander ermöglichen. Wenn die Teilnehmer auch nur einen Teil dieser diskutierten Inhalte mitnehmen, dann halte ich das Festival für gelungen.

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