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Region Laatzen Nachrichten Laatzen trauert um Zeitzeugen und Ehrenbürger Finkelstein
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00:19 30.06.2019
Salomon Finkelstein ist am Mittwoch wenige Tage vor der Vollendung seines 97. Lebensjahres in Hannover gestorben. Quelle: Daniel Junker
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Laatzen

Salomon Finkelstein hatte Strahlkraft und genoss große Bewunderung. Mit seinem beständigen Appell für Toleranz, Rechtsstaatlichkeit und Menschlichkeit wurde er Tausenden zum Vorbild. Am Mittwoch nun ist der Holocaust-Überlebende und Laatzener Ehrenbürger im Alter von 96 Jahren gestorben. Die Albert-Einstein-Schule (AES) hält ihm zu Ehren am Freitag, 28. Juni, 12 Uhr eine Gedenkfeier ab.

Mehr als ein Jahrzehnt war Finkelstein eng mit der Stadt und der Schule verbunden. Auf Einladung des damaligen Ortsbürgermeisters Andreas Neumann kamen er und sein Auschwitz überlebender Freund Henry Korman 2008 im Zuge der an die Judenverfolgung und Pogromnacht erinnernde „Reihe 70“ nach Gleidingen. Die dort mitwirkende Autorin Corinna Luedtke wiederum brachte die AES über ihr Seminar „Schreiben gegen das Vergessen“ in Kontakt mit den Zeitzeugen. Seit 2010 berichteten Finkelstein und der im Herbst 2018 verstorbener Henry Korman an der AES alljährlich bis zu 400 Zehntklässlern sehr persönlich von ihren Erlebnissen während des Nationalsozialismus. 2013 wurden beide zu Ehrenbürgern ernannt, 2017 trugen sich Korman und Finkelstein ins Goldene Buch der Stadt Laatzen ein.

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Am 7. Juni 2019 erhielt Salomon Finkelstein (Mitte) im Beisein seiner Tochter Ilana und seines Enkels David das Ehrenabitur der AES. Quelle: Daniel Junker (Archiv)

Nach dem letzten gemeinsamen Besuch mit Korman im Jahr 2018 kam Finkelstein noch einmal nach Laatzen, wo ihm Anfang Juni in Anerkennung seines Tuns das Ehrenabitur der AES verliehen wurde. Bei allem Schmerz und Abschied sei die Schule dankbar, dass diese Feier noch möglich gewesen sei, betonte AES-Fachbereichsleiter Wilhelm Paetzmann. „Wir haben Respekt vor seiner menschlichen Größe, die nach all den schrecklichen Erlebnissen der NS-Zeit nicht in Resignation und Verbitterung verharrte“, so Schulleiter Christian Augustin weiter.

Die Lücke die Finkelsteins Tod reiße, sei nicht zu schließen, betont Corinna Luedtke, die seit Jahren mit der Familie des Zeitzeugen freundschaftlich eng verbunden ist: „Die Fähigkeit der Toleranz und Akzeptanz anderen gegenüber und anderen verzeihen zu können, bei allem was Salomon Finkelstein erlebt hat – das ist vorbildlich.“

„Mit Salomon Finkelstein geht ein Freund und großartiger Mensch mit einer bewegenden Geschichte“, sagt Laatzens Bürgermeister Jürgen Köhne. „Ich bin sehr traurig über den Verlust aber zugleich dankbar, ihn gekannt zu haben. Laatzens Bürgerinnen und Bürger haben ihm viel zu verdanken.“

Gedenkfeier am Freitag um 12 Uhr

Die Gedenkfeier im AES-Forum beginnt am Freitag um 12 Uhr an der Wülferoder Straße 46 und ist auch offen für Besucher. Das ausgelegte Kondolenzbuch soll anschließend der Familie übergeben werden.

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Von Astrid Köhler