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Region Laatzen Nachrichten Umbauzug erneuert im Fließbandverfahren die ICE-Strecke
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00:19 24.06.2019
Zwei Welten – von der Hildesheimer Straße (links im Bild) ist am Donnerstag kaum zu erahnen, was für ein besonderes Gefährt langsam durch Laatzen rollt. Der sogenannte Umbauzug vom Typ SUZW-500 tauscht die Schienen und Betonschwellen auf der ICE-Strecke zwischen Hannover und Göttingen aus. Quelle: Astrid Köhler
Laatzen

Er ist gelb, sehr lang, stellenweise auch ordentlich laut und vollbringt etwas, das sowohl Technikfans als erst recht auch Laien staunen lässt: Ein Umbauzug vom Typ SUZW-500 hat sich am Donnerstag brummend, klackernd, rumpelnd und quietschend von seinem Startpunkt in Laatzen am Streckenkilometer 9,26 auf Höhe der Würzburger Straße auf seine langsame Reise gen Süden gemacht. In den nächsten Monaten wird er die alten Gleise der ICE-Strecke zwischen Hannover und Göttingen erneuern. Wir haben zugesehen.

Langsam, aber mit beachtlicher Leistung

Es ist an diesem Nachmittag nicht einfach, einen guten Beobachtungsposten für die von der Deutschen Bahn angekündigte gemächliche Durchfahrt des Sanierungszuges zu bekommen. Denn die ICE-Strecke in Laatzen ist größtenteils von Lärmschutzwänden umgeben, und Brücken zum Herunterschauen sind rar. Da passt es gut, dass auf Höhe der Haltestelle Ginsterweg eine Tür zum ansonsten abgeschotteten Gleisbereich offen steht. Ein erster vorsichtiger Blick durch die Öffnung macht deutlich: Was da kommt, braucht Zeit. Kein Wunder, denn was der fast 800 Meter lange Umbauzug während der Fahrt alles leistet, ist beachtlich – und nahezu vollautomatisch. Weniger als zwei Dutzend Arbeiter mit orangefarbenen Westen und neongelben Helmen bedienen die Riesenmaschine.

Offenbar bewegungslos steht der gelbe Tross auf der derzeit stillgelegten ICE-Strecke. Dafür ist ein entferntes Brummen und Rumpeln zu hören. Kurz nachdem ein durchdringendes Warnsignal ertönt – Musiker hören ihn in der Höhe eines F – setzt sich der Zug wieder in Bewegung. Auch ein Arbeiter startet zum Kontrollgang. Mit normaler Schrittgeschwindigkeit überholt er spielend den Zug.

Neue Schienen liegen neben alten

Fast zwei Stunden und etliche vorbeifahrende Güter- und Personenzüge später hat die Spitze des Umbauzuges endlich den Streckenkilometer zehn und damit fast die offene Tür in der Lärmschutzwand erreicht. Es ist 13.22 Uhr, und nun ist auch zu sehen, woher das Klackern kommt: Ein kleines, am Fuß des ersten Wagens befestigter etwa 60 Zentimeter breites Planierschild schiebt den bereits in der Vorwoche von einem Reinigungszug gesäuberten Schotter und anschließend mit einer Stopfmaschine neu befestigten Schotter neben den Schienen beiseite. Von diesen gibt es nun auf jeder Seite zwei. Die alten Metallstränge liegen noch auf den Schwellen, die neuen haben zuvor eingesetzte Maschinen dort abgelegt und mit dem Gleisbett neu ausgerichtet.

400 Meter Gleis pro Stunde werden erneuert

Was in den nächsten etwa 80 Metern unterhalb des Zuges passiert, kann durchaus als das Herzstück der Arbeiten bezeichnet werden: Schon ein kleines Stück hinter dem Planierschild biegen sich die Schienen nach oben. Ein riesiger Metalldorn schiebt sich mit der Vorwärtsbewegung in das Schotterbett und hebt die schweren Betonschwellen an. Diese werden sodann von zwei Greifern nach oben und über ein Fließband in das Zuginnere gezogen. Einige Meter dahinter rutschen über ein ähnliches Förderband neue Betonschwellen im Zweierpack nach unten, wo sie im immer gleichen Abstand von 60 Zentimetern auf dem Schotterbett abgelegt werden. Einige Meter dahinter wiederum richtet eine anderer Maschinenteil die inzwischen nach innen gehobenen neuen Schienenstränge aus und befestigt diese auf den Schwellen.

Dann plötzlich stoppt der Zug. Das Dröhnen und Scheppern verebbt und nur noch das Brummen der Motoren ist zu hören. Eine Warnleuchte blinkt: Achtung Gefahrenbereich. Die Arbeiter holen Leiter und Stangen, ein dritter steigt in der Nähe des Förderbandes für die Schwellen in den Zug. Offenbar hat sich ein Teil verhakt. Wenige Minuten später – zwischendurch rauscht wenige Meter neben den Männern ein Güterzug und auf der westlichen der vier Strecke ein umgeleiteter ICE vorbei – ist das Problem auch schon wieder behoben. Das durchdringende Warnsignal ertönt und einige Augenblicke später setzt sich der Zug in Bewegung.

Bis zu 14 Schwellen pro Minute kann der 2011 gefertigte Umbauzug des österreichischen Herstellers Plasser und Theurer verlegen – und bis zu 400 Meter Gleise erneuert er pro Stunde. So ist es in der Leistungsbeschreibung nachzulesen. Der längste Teil des mehr als 700 Meter langen gelben Stahlwurms dient dabei als fahrendes Materiallager. Drei bewegliche Kräne, die auf vier Stützen und Schienen über die Zugteile hinweggleiten, schaffen fortwährend frische Lagen mit Schwellen heran und transportieren die alten ab. Am Ende des Arbeitstages, der von 8 bis 18 Uhr dauern soll, holen Loks die abgekoppelten Wagen mit den Altschwellen ab und schaffen neue heran. Frühmorgens steht dann auf riesigen Palettenstapeln der Tagesbedarf von 7300 Schwellen bereit.

Umbauzug fährt noch durch Rethen und Gleidingen

Am Freitag und womöglich noch einem Folgetag wird der Umbauzug noch in Rethen und Gleidingen zu bestaunen sein und dann Laatzen Richtung Süden verlassen. Die Arbeiten auf der Strecke zwischen Laatzen und Barnten sind bis zum 31. Juli terminiert. Die dann neue ICE-Verbindung zwischen Hannover und Göttingen soll zum Fahrplanwechsel im Dezember freigegeben werden.

Von Astrid Köhler

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