Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Nachrichten Taubenplage am Rethener Zuckerhaus
Region Laatzen Nachrichten Taubenplage am Rethener Zuckerhaus
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:16 22.02.2019
Zuckerhaus-Eigentümer Matthias Odenthal will den Tauben mit Falken zu Leibe rücken. Quelle: Dorndorf
Rethen

 Die Anwohner des Zuckerhauses in Rethen stehen vor einem unappetitlichen Problem: In den vergangenen Jahren sammeln sich an schönen Tagen zunehmend Tauben auf dem großen Ziegeldach des historischen Gebäudes an, deren Ausscheidungen auf Autos, in Vorgärten und auf Terrassen im Umfeld liegen bleiben. Inzwischen zählt Zuckerhaus-Miteigentümer Matthias Odenthal bis zu 400 Tiere – und denkt fieberhaft darüber nach, wie die Plage in den Griff zu bekommen ist. Er hofft dabei auf Unterstützung durch die Stadt und die Deutschen Bahn.

Für Viktor und Viktoria Vespermann verlaufen schöne Sommertage auf der Terrasse ihres Reihenhauses am Heinrich-Korn-Weg nicht immer unbeschwert. Während sich andere sorglos am schönen Wetter freuen und im heimischen Garten ausspannen können, wandern die Blicke des Paares an solchen Tagen immer wieder gen Himmel. Die beiden wohnen in einer der Häuserzeilen gegenüber dem Rethener Zuckerhaus – und sie teilen mit ihren Nachbarn ein Problem: An windarmen und sonnigen Tagen sammeln sich auf dem fünfstöckigen historischen Gebäude immer wieder große Mengen von Tauben an. „Das sind manchmal Hunderte“, sagt Viktor Vespermann. Ab und zu verlassen die Tiere schlagartig das Dach, drehen einige Runden um das Zuckerhaus – und erleichtern sich bei der Gelegenheit, so dass der Kot auf den Dächern, Terrassen und Gärten der umliegenden Häuser landet.

„Man kann nicht mehr seine Wäsche draußen aufhängen“, sagt Viktoria Verpermann, die mit ihrem Mann seit fast elf Jahren hier wohnt. Auch ihr Auto müssten die Familie teils mehrmals pro Woche reinigen – schließlich schadet der ätzende Taubenkot dem Lack ihres Autos. „Tauben gab es hier eigentlich immer. Aber in den letzten ein bis zwei Jahren ist es viel schlimmer geworden“, sagt Viktor Vespermann. Immerhin: Im vergangenen Sommer entschied sich das Paar für den Bau eines Terrassendachs. Seitdem sei es einfacher, wenn auch die Reinigung des Glases als neue Aufgabe hinzugekommen sei.

Tauben nisten im Bahn-Viadukt

Die Ursache für die Taubenplage liegt nicht am Zuckerhaus selbst, betont dessen Miteigentümer Odenthal. „Wir haben ja keinen Taubenschlag dort“, sagt der Rethener und blickt in Richtung Westen zur nahe gelegenen ICE-Bahntrasse. „Die Vögel nisten im Viadukt der Bahn“, ist sich Odenthal sicher – und zwar zwischen den Brückenbauteilen, die auf Pfeilern ruhen: Die 30 bis 40 Zentimetern breiten, hohen Spalte dort böten ideale Voraussetzungen für die Tiere, die sich bei drei bis vier Brutzeiten im Jahr schnell vermehrten.

Zuletzt war der Bruterfolg besonders groß. „Tauben hatten wir hier immer“, sagt Odenthal. Die Zahl habe jedoch rapide zugenommen. Seien es vor zwei Jahren noch schätzungsweise 200 Tiere gewesen, hätte er im vergangenen Jahr 300 gezählt, in diesem Jahr dürften es sogar 400 werden. Zum Teil stießen auch entflohene Brieftauben zu der Kolonie dazu, dies lasse sich an der Beringung erkennen.

Die Tiere hinterlassen spürbar mehr Dreck: Einmal jährlich lässt Odenthal die Dachrinnen des Zuckerhauses reinigen. Die Kosten hätten sich seit 2016 mehr als verdoppelt – 2400 bis 2900 Euro zahle er inzwischen. Denn der Aufwand ist groß: 750 Kilogramm Kot habe eine Fachfirma im vergangenen Jahr von einem Hubsteiger aus in 33 Metern Höhe aus der Rinne entfernt.

Falken könnten Plage eindämmen

Odenthal hat sich mit dem Problem bereits an die Stadt gewandt, die bei der Bahn vorstellig werden solle. „Man müsste die Nistplätze mit Kaninchendraht zumachen“, schlägt er vor. Parallel verfolgt er eine natürliche Variante der Eindämmung: Am Dach des Zuckerhauses möchte er einen Nistkasten für Wanderfalken anbringen lassen, der sich von Tauben und anderen Vögeln ernährt – eine Lösung, die sich in Gesprächen mit der Stadtverwaltung ergeben habe. „So ein Falke frisst zwar nur eine Taube am Tag. Aber das könnte die Tiere verscheuchen.“

Dabei setzt Odenthal auf Unterstützung durch die Stadt – zumal er sich die Ansiedlung der streng geschützten Wanderfalken allein nicht zutraue. „Ich wäre bereit, dafür finanziell aufzukommen“, sagt Odenthal. Gift scheidet für ihn hingegen aus. „Das ist gegen mein Verständnis von Natur“, sagt der Rethener, der früher selbst Tauben gehalten hat.

Bejagen ist untersagt

Die Stadt Laatzen nimmt das Problem ernst. „Das ist natürlich ärgerlich - wir haben von verschiedenen Stellen gehört, dass es Probleme mit dem Kot gibt“, bestätigte Stadtrat Axel Grüning unlängst im Rethener Ortsrat. Allerdings seien die Tauben Wildvögel und keine Schädlinge - auch wenn sie domestiziert seien. Deshalb könnten sie nicht mit Gift bekämpft werden. Auch das Bejagen sei verboten, allein schon wegen der Lage mitten im Wohngebiet. Grüning kündigte an, mit der Bahn wegen der Nistplätze Kontakt aufzunehmen. Auch der Denkmalschutz sei wegen möglicher Falken-Nistkästen involviert. „Versuchen können wir es. Aber wir können keine Versprechungen machen, die Tiere werden sich im Zweifel einen anderen Platz suchen.“

Für Odenthal drängt dabei auch die Zeit, da sich inzwischen auch seine Mieter im Zuckerhaus an der Taubenplage stören. Das Dachgeschoss teilt sich der Kinder- und Jugendpsychologe Christian Butzek gemeinsam mit anderen Therapeuten. „Wir haben viel Kinder mit Angststörungen“, sagt Butzek: Wenn dann 400 Tauben auf einmal am Fenster vorbeifliegen, erschreckten sich manche. Angesicht des Gewichts der Tiere gebe es beim gemeinsamen Abheben sogar Vibrationen, hinzu komme der Geruch im Sommer. „Wir haben schon darüber nachgedacht, uns andere Räume zu suchen.“

Von Johannes Dorndorf

Kommentare 0 Nutzungsbedingungen
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 00:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Ein Papiercontainer ist in der Nacht zum Montag in Laatzen durch ein Feuer vollständig zerstört worden. Die Feuerwehr konnte den Brand in der Mergenthalerstraße löschen, die Ursache ist noch unklar.

18.02.2019

Zwei mit Messern bewaffnete Räuber haben am Sonntag die Aral-Tankstelle in Laatzen überfallen. Das Duo bedrohte den Angestellten, forderte erfolglos Geld und floh ohne Beute. Die Polizei sucht Zeugen.

21.02.2019

Folgenschwerer Unfall in Laatzen: Eine 52-jährige Autofahrerin hat in der Nacht zum Montag auf der Erich-Panitz-Straße einen Mann erfasst. Der Unbekannte liegt schwer verletzt in einem Krankenhaus.

18.02.2019